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Umschau | 28.02.2012 | 20:15 Uhr : Gefährliche Exoten in Privathaushalten

Warum die Haltung in Privatwohnungen oft nicht unterbunden wird

Was haben Würgeschlangen, Kaimane und Skorpione gemeinsam? Sie sind exotische Tiere und sie können dem Menschen gefährlich werden. Was haben die deutschen Bundesländer nicht gemeinsam? Eine klare Regelung, ob und wie solche Exoten als Haustiere gehalten werden dürfen.

Ein Kaiman schwimmt in einem Terrarium in einem Wasserbecken

Schlangen, Kaimane, Skorpione und andere exotische Wildtiere sind in ungeahnt vielen Wohnzimmern und Hobbykellern zu finden. Oft werden sie so geheim gehalten, dass die Nachbarn nicht ahnen, welche Gefahr in der Nebenwohnung lauert. Auch die Halter selbst sind der Herausforderung und der Verantwortung, die ein Exot mit sich bringt, nicht immer gewachsen. Nicht selten haben sie das Tier gekauft als es noch jung und harmlos war und sind mit zunehmender Größe und Gefährlichkeit überfordert.

Kaiman im Keller

In Sachsen zum Beispiel verkauft ein Züchter frisch geschlüpfte Kaimane für 120 Euro pro Tier. Zwar weist er darauf hin, dass die Tiere noch größer werden, aber das blendet mancher Käufer gerne aus. Dabei können die aus Südamerika stammenden Reptilien bis zu 2,70 Meter groß werden. Und selbst wenn es nicht die volle Größe erreicht, kann es dem Besitzer zuviel werden, wie ein Beispiel aus Bayern zeigt. Hier will ein Mann einen 1,70 Meter großen Kaiman verkaufen, den er in seinen Keller verbannt hatte:

"Ich hatte den anfänglich im Wohnzimmer. Je größer der aber geworden ist, umso schlimmer wurde es halt. Da hab ich ein Terrarium in den Keller gebaut, aber hier hab ich halt nichts davon."

Tierhalter aus Bayern

Mario Assmann von der Reptilienauffangstation in Meißen kennt das Problem und ist über solche Fälle immer wieder empört:

"Die Tiere werden klein verkauft und lassen sich auch schön anfassen, solange man sie noch händeln kann. Aber ein ausgewachsener Kaiman kann einen beißen, der kann einem auch mal die Hand abbeißen. Es ist ein Tier, das sich ein Ottonormalverbaucher nicht in die Wohnung tun sollte."

Mario Assmann, Reptilienauffangstation Meißen

Würgeschlange im Griff oder im Griff der Würgeschlange?

Riesenschlange mit aufgerissenem Maul
Würgeschlangen sind nicht giftig, aber trotzdem gefährlich.

Neben dem Kaiman will der Mann aus Bayern auch noch zwei Würgeschlangen loswerden. Dass auch diese Tiere keineswegs harmlos sind, erfuhr der Dresdner Schlangenhalter René J. am eigenen Leib. Als er eine Wasserkiste aus dem Terrarium holen wollte, wurde er von seinem Tigerpython angegriffen. Die rund drei Meter lange Schlange verbiss sich in seiner Hand, wickelte sich um ihn und begann ihn zu würgen. Seine Blutzufuhr wurde durch die kräftige Muskulatur des Tieres abgedrückt. René J. schwebte in höchster Gefahr und konnte sich alleine nicht daraus befreien. Auch seine Freundin, die ihm unter Todesangst zu helfen versuchte, konnte die Umklammerung des Pythons nicht lösen. Das gelang erst durch die Hilfe eines Nachbarn. Mario Assmann kennt die Kraft dieser Schlangen. "Pro Meter ein Mann" lautet die Faustregel, wenn in der Reptilienauffangstation eine Würgeschlange angefasst werden muss.

Keine einheitliche Regelung

Rund eine Viertelmillion Würgeschlangen leben laut Expertenschätzung in deutschen Wohnungen. Die Zahl der Giftschlangen wird auf 100.000 geschätzt, darunter gehören so gefährliche Arten wie Kobras, Puffottern oder Zwergklapperschlangen.  

Ein Skorpion auf einer Hand
Je südlicher die Herkunft von Feldskorpionen ist, umso giftiger sind sie.

Diese Tiere werden nicht nur auf fragwürdige Art und Weise gehalten, sondern auch gehandelt. Doch wie sind Handel und Haltung gefährlicher Wildtiere geregelt? Die Antwort auf diese Frage hängt vom Bundesland ab. In einigen ist die Haltung verboten, in anderen sind Ausnahmen unter bestimmten Bedingungen erlaubt und in manchen Ländern gibt es gar keine Regelung. Eine Zwergklapperschlange dürfte in Berlin zum Beispiel überhaupt nicht privat gehalten werden. In Sachsen-Anhalt ist die private Haltung dagegen kein Problem. In Thüringen wiederum muss das Tier angemeldet werden und der Halter einen Sachkundenachweis ablegen sowie das passende Gegengift im Haus haben. In Sachsen fehlt eine landesweite Regelung. Hier dürfen aber die Ordnungsämter eigene Regelungen treffen. So muss zum Beispiel in Dresden und Leipzig die Haltung von Giftschlangen, Riesenschlangen und anderen gefährlichen Tieren angemeldet werden.

Verschiedene Interessengruppen fordern immer wieder eine bundesweit einheitliche Regelung. Einige wollen damit die Haltung von Wildtieren in Privathaushalten überschaubar machen, andere sie sogar ganz verbieten. Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin, dass ihr Anliegen erhört wird. Das Risiko, das von gefährlichen Exoten in Privatbesitz ausgeht, wird darum weiterhin nur schwer zu erfassen sein.

Zuletzt aktualisiert: 29. Februar 2012, 10:19 Uhr

1. Antonietta:
Zurzeit leben etwa 10 000 Giftschlangen, 200 000 Würgeschlangen und 10 000 Warane, Pfeilgiftfrösche und Chamäleons in deutschen Wohnzimmern. Diese vielfach aus freier Natur entführten Tiere werden, einmal bei uns in Europa, oft ohne die nötige Sachkenntnis gehandelt und verkauft, sodass immer wieder Exoten sterben, weil ihre Halter im Umgang mit den teilweise auch für Menschen gefährlichen Tieren überfordert sind. Hinzu kommt, dass viele vom Aussterben bedrohte und deshalb geschützte Arten bei Sammlern besonders begehrt sind und im Verkauf hohe Preise erzielen – was wiederum den Schmuggel antreibt. Das alles wird von einer nicht einheitlichen, mitunter gänzlich fehlenden Gesetzgebung begünstigt.
28.02.2012
20:33 Uhr

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