Umschau | exklusiv Experte: Neue Anti-Terror-Sperren in Mitteldeutschland besser als im Vorjahr

Im April testete die "Umschau" Anti-Terror-Sperren, die 2016 Weihnachtsmärkte schützen sollten. Das Ergebnis war verheerend. Jetzt haben Kommunen neue Konzepte entwickelt, die unserem Experten zufolge besser sind.

Die neuen Anti-Terror-Sperren auf den Weihnachtsmärkten in Magdeburg, Erfurt und Chemnitz sind sinnvoll und besser als im Vorjahr.

der Maschinenbauingenieur Prof. Eckehard Scholz von der HTWK Leipzig
Prof. Eckehard Scholz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu diesem Schluss kam der Maschinenbauingenieur Prof. Eckehard Scholz von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in der "Umschau" vom 21. September 2017. In einem Crashtest der Umschau im Frühjahr 2017 hatten sich Anti-Terror-Sperren aus losen Betonblöcken, wie sie auf Weihnachtsmärkten 2016 verwendet wurden, als wirkungslos herausgestellt. Daraufhin hatten viele Kommunen neue Konzepte entwickelt.

Container in Chemnitz

Ein orangefarbener Container steht als Anti-Terror-Sperre in der Fußgängerzone von Chemnitz.
In Chemnitz füllt man Container mit Sand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Chemnitz werden die Zufahrtsstraßen zum Weihnachtsmarkt mit Baumaterialcontainern blockiert. Die Container sind sechs bis sieben Meter lang und werden mit Sand befüllt. So kann jeder 30 bis 40 Tonnen schwer werden. "Wenn man den vernünftig mit Sand füllt, ist das eine sehr hohe Masse. So entfaltet der Container gegenüber einem 10-Tonne-LKW eine erhebliche Bremswirkung. Es ist also ein massiver Schutz", erklärt Prof. Scholz.

Quaderkette in Magdeburg

Paul-Gerhard Stieger von der Gesellschaft zur Durchführung der Magdeburger Weihnachtsmärkte montiert einen sogenannten Schwerlastschekel an einer Drahtseilöse, die aus einem grünen Betonquader herausragt.
Paul-Gerhard Stieger von der Gesellschaft zur Durchführung der Magdeburger Weihnachtsmärkte setzt auf verkettete Betonquader. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Magdeburger Sicherheitsverantwortlichen haben die üblichen Betonquader mit Verbindungsösen ausgestattet. So lassen sie sich mit sogenannten Schwerlastschekeln zu einer Kette verbinden. Die Stabilität der Ösen ist der entscheiden Punkt für die Wirksamkeit dieser Sperre. Prof. Scholz meint: "Eine solche Öse muss bis zu 36 Tonnen aushalten, um eine entsprechende Gefährdung zu verhindern." Nach Auskunft des Weihnachtsmarktveranstalters in Magdeburg bestätigen Berechnungen die Wirksamkeit dieses Absperrsystems.

"Legosteine" in Erfurt

Betonquader schützen als Anti-Terror-Sperren den Weihnachtsmarkt in Erfurt.
Erfurt verwendet weiter die klassischen Steine, stellt sie aber an einigen Stellen in Doppelreihe auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erfurt setzt zur Sicherung des Weihnachtsmarktes immer noch auf die üblichen Betonquader, die so genannten "Legobausteine". An besonders gefährdeten Punkten werden die in Doppelreihe aufgestellt. Zudem wird zur Stabilisierung der Sperre die Bordsteinkante genutzt. Prof. Scholz dazu: "Mit einem festen Hindernis wie einer Bordsteinkante kann man die Sperrwirkung deutlich verbessern." Es gibt aber eine Schwachstelle. "Da der Kraftangriffspunkt an dem Legostein relativ hoch ist, kann er über die Kante hinweg kippen.", erklärt der Experte.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 21. November 2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2017, 18:05 Uhr