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Umschau extra | 13.11.2012 | 20:15 Uhr : Bahn-Kunden im Stress: Ticket-Kauf am Automaten schwer gemacht

Wer sein Bahnticket am Automaten lösen will, sollte sich vorher eingehend mit der Materie beschäftigen. Denn ganz so einfach, wie es die Werbung der Deutschen Bahn verspricht, ist die Sache nicht.

Kunden der Deutschen Bahn sollen sich ihre Tickets an Fahrkartenautomaten selber ziehen. Das überforderte in der Vergangenheit viele Reisende. Das Unternehmen hat darauf mit einer überarbeiteten Software reagiert. Nach der Überarbeitung des Programms heißt es nun bei der Bahn: "Mit neuer Navigation noch einfacher und schneller zur Fahrkarte". In einer Stellungnahme schreibt die Deutsche Bahn: "Die Menüstruktur erklärt sich von selbst." In einem Werbe-Slogan für das Automate

-Ticket heißt es: "So wenig Zeit muss sein." Wir haben an einigen der deutschlandweit 7.300 Fahrkartenautomaten Stichproben gemacht, um herauszufinden, wie schnell man tatsächlich zu seinem Ticket kommt.

Viele Wege führen nach Grimma  

Wir haben Bahnreisenden in Leipzig am Fahrkarten-Automat zwei Aufgaben gestellt. Zuerst ging es um den Kauf einer Fahrkarte von Leipzig nach Grimma für einen Erwachsenen. Hört sich simpel an, ist aber schwierig, wenn man sich nicht auskennt. Um aus der Sachsenmetropole in die Kleinstadt zu kommen, gibt es nämlich im Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) drei verschiedene Wege, unter anderem auch mit dem Bus. Als Reisender muss man also wissen, welchen Weg die Bahn nimmt, um den richtigen Fahrschein zu kaufen. Die zweite Aufgabe bestand im Kauf eines Fahrscheins für eine Fahrt mit einem Nahverkehrszug von Leipzig nach Dresden für einen Erwachsenen, der sein Fahrrad mitnehmen möchte. Die Hürde hier: Man kann die Fahrradkarte nicht beim Kauf der Fahrkarte dazu buchen, sondern muss sie separat kaufen. Dafür gibt es eine "Fahrradoption" im Automatenmenü, die aber im Bereich "Service" versteckt ist. Dort kann man die "Zusatzkarte" für fünf Euro buchen. Unser Eindruck: Ganz so einfach, wie von der Bahn suggeriert, ist der Ticket-Kauf am Automaten nicht in jedem Fall.

Kurse für Bahnkunden

Dass das so ist, scheint auch die Bahn erkannt zu haben. Denn das Unternehmen bietet Kurse an, in denen Bahnkunden den Fahrkartenkauf am Automaten lernen können. Gut gedacht, doch die Sache hat einen Haken: Die Kurse finden nur im Bahnmuseum in Nürnberg statt. Viele Volkshochschulen haben die Lücke erkannt und springen in die Bresche. In Heilbronn etwa bietet die Volkshochschule eine Veranstaltung unter dem Motto: "Der Bahnfahrkartenautomat, das unbekannte Wesen" an und im Landkreis Ansbach heißt es: "Bahn fahren leicht gemacht – Fahrscheinkauf am Automaten". Wer zu Hause üben möchte, kann das auf einer Internetseite der Bahn tun.

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2012, 10:33 Uhr

1. Reinhard Ständer:
Automatentickets von Leipzig bis Grimma/Dresden, auch mit Fahrrad, sind noch relativ einfach zu lösen. Komplizierter wird es, wenn es in andere Bundesländer gehen soll oder teilweise Privatbahnen genutzt werden müssen. Oder wenn der Automat nicht oder fehlerhaft ausdruckt oder Geld nicht annimmt. Was machen alte Menschen, die selten Bahn fahren und keine PC-Kenntnisse haben? Was sagen die Bahnchefs dazu, alles auf die Kunden abzuschieben? Wie soll man zu Hause im Internet üben, wenn das nur anhand einer einzigen Beispielstrecke möglich ist? Ich höre ständig im Zug Schaffner zu Reisenden sagen: "Sie haben viel zu viel bezahlt, es gibt günstigere Tickets". Angst davor, als Schwarzfahrer zu gelten und daher lieber mehr bezahlen? Es gibt noch so viel Kritisches über den miesen Service der Bahn zu berichten, ich hoffe auf noch mehr Beiträge in der Umschau.
14.11.2012
21:43 Uhr

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