Umschau | 14.08.2012 | 20:15 Uhr : Jahrhundert-Flut - Wie sich der Hochwasserschutz seitdem verbessert hat
Die Bilanz des Jahrhunderthochwassers im August 2002 war alarmierend. 21 Menschen starben, alleine in Sachsen beliefen sich die materiellen Schäden auf rund sechs Milliarden Euro. Der Deutschen Wetterdienst (DWD) und das Landeshochwasserzentrum Sachsen haben Lehren aus ihren Fehlern gezogen und sich neu aufgestellt.
Aus der Sicht des Leiters des Landeshochwasserzentrum Sachsen, Uwe Höhne, gab es 2002 drei Hauptprobleme, die mittlerweile gelöst wurden. Das erste waren die fünf dezentralen Hochwasserzentralen in Sachsen. "Die haben teilweise widersprüchliche Aussagen gemacht", erklärt Höhne. Heute gibt es ein Landeshochwasserzentrum, das alles koordiniert. Das zweite Problem war das Warnsystem. Im Schneeballprinzip hat das Hochwasserzentrum Vertreter auf Landesebene informiert. Die haben die Information auf Kreisebene weitergereicht. Vorn dort ging es an die Gemeindevertreter. "Wenn der Schneeball nicht weitergegeben wird, erreicht die Nachricht die Betroffenen nicht unbedingt", beschreibt der Leiter des Landeshochwasserzentrums die Schwachstelle. Jetzt werden bei Überschreitung von Alarmstufen automatisch SMS erzeugt, die an Landes-, Kreis- und Gemeindevertreter gleichzeitig gehen. "Der Bürgermeister ist dann verpflichtet, seine betroffenen Bürger zu informieren", so Höhne. Auch private Personen und Unternehmen, wie Krankenhäuser oder auch Tankstellen, können sich alarmieren lassen. Das dritte Problem beim Hochwasser 2002 waren die schlecht gegen Beschädigungen geschützten Pegelmessgeräte an den Flüssen. Hier hat das Landeshochwasserzentrum investiert, damit die Geräte den Fluten lange standhalten und Messdaten liefern können. Nur so kann man die Lage objektiv und umfassend einschätzen.
DWD hat Niederschlagswarnsystem überarbeitet
Auch beim Deutschen Wetterdienst (DWD) hat man die Ereignisse im August 2002 analysiert, die Fehler erkannt und Veränderungen vorgenommen. Der Leiter der Leipziger DWD-Niederlassung, Gerold Weber, erklärt, dass die damalige unzureichende Niederschlagswarnung vor allem im Warn-System ihre Ursache hatte. Das sah nämlich nur vor, Niederschlagswarnungen für maximal zwölf Stunden herauszugeben. Der damalige Regen dauerte aber länger als 36 Stunden. "Es musste also aus rein formellen Gründen die Warnung in mehrere zerstückelt werden. Damit konnte man aber das gesamte Ausmaß des Ereignisses nicht beschreiben. Und es war nicht jedem klar, dass er die einzelnen Vorhersagen zu einer Gesamten zusammensetzen musste", erklärt Gerold Weber. Das Problem wurde gelöst. Heute gibt der DWD Niederschlagswarnungen für bis zu 48 Stunden heraus. Und der DWD hat noch weitere Neuerungen eingeführt. So sind die Gebiete, für die Wetterwarnungen gelten sollen, wesentlich kleinräumiger geworden und in den meisten Fällen mit den Landkreisen identisch. In einigen Kreisen, wie zum Beispiel denen mit Bergen, gibt es noch separate Warngebiete. Das heißt, der Landreis teilt sich in zwei Gebiete auf: in das unter und in das über 400 m Höhenlage. Zudem schickt der DWD Unwetter-Warnungen jetzt direkt in die Landratsämter, die für den Katastrophenschutz zuständig sind. So verkürzen sich die Informationswege.
Vorhersage von Extremwetterereignissen verbessert
Extremereignisse wie Gewitter, Starkregen und Hagel vorherzusagen, ist bis heute auch für erfahrene Meteorologen schwierig. Forschern aus München ist es gelungen, bei Gewittern ein Stück weiter zu kommen. Sie haben ein Hightech-Blitzortungsverfahren entwickelt. Damit kann man die Entwicklung von Gewittern eine Stunde in die Zukunft berechnen, beschreibt Prof. Dr. Hans-Dieter Betz das System. Basis der Berechnung sind Daten aus bislang 130 Linet-Antennen, die in einem Abstand von etwa 250 Kilometern zueinander stehen. Vier Messstationen braucht es, um einen Blitz zu messen. "Damit kann man einen Blitz auf ungefähr 100 Meter genau peilen", beschreibt Prof. Betz die Präzision des Systems. Großer Nutznießer des Systems ist vor allem der Flugverkehr.
Mit der besseren Vorhersage von gewaltigen Niederschlägen auf kleinstem Raum befassen sich Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Karlsruhe. In der Nähe der Stadt steht die einzigartige Hightech-Wettermessstation KITcube. Mit ihr überwachen die Forscher einen zehn Kubikkilometer großen Raum unserer Atmosphäre, die gleichzeitig maßgeblich unser Wetter bestimmt. Das Labor sammelt permanent Daten, u.a. zu Temperatur, Staubkonzentration, Luftfeuchtigkeit und Wind. Das passiert aber nicht an der Erdoberfläche, sondern auch in verschiedenen Luftschichten. Kommt es zu einem Extremereignis wie Hagel oder Starkregen, können die Wissenschaftler deren Entwicklung zurückverfolgen. Wenn sich aus dem Datenwust irgendwann einmal ein immer wiederkehrendes Muster herauskristallisiert, könnte man in Zukunft besser vor Hagel und Starkregen warnen. Doch so weit sind die Wissenschaftler noch nicht.

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