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Umschau | 11.12.2012 | 20:15 Uhr : Gourmet-Produkte bei Lebensmitteldiscountern: Wie viel Luxus steckt drin?

In der Vorweihnachtszeit bieten fast alle Lebensmitteldiscounter Gourmet-Produkte an. Wir schauen, wo sie herkommen, was wirklich drin ist und ob der Preis gerechtfertigt ist.

Schinken und eine Gabel

Im Vorfeld der Feiertagen haben die Lebensmitteldiscounter seit ungefähr vier Wochen Gourmet-Produkte im Angebot. "Freihofer Gourmet" heißen die Delikatessen bei Aldi, "Deluxe" bei Lidl, "Feine Kost" bei Penny und "Finest Gourmet" bei Norma. Auf den edel aussehenden Verpackungen dominieren schwarz und weiß. Aber halten die Produkte auch, was Werbung und Verpackung versprechen? Das haben Köche der Genussakademie "Siebensinn" und der Betreiber eines italienischen Feinschmeckerrestaurants im Auftrag der "Umschau" getestet.

Gourmeteigenmarken
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Gourmetprodukte vom Discounter im Check

Zahlreiche Lebensmitteldiscounter bieten in der Adventszeit eigene Gourmetprodukte an. Was steckt drin in den vermeintlichen Luxuslebensmitteln und sind sie ihr Geld wirklich wert?

11.12.2012, 20:15 Uhr | 06:47 min

Check Nr. 1: Die Herkunft

Die Hersteller der Gourmetprodukte bleiben meist ungenannt. Stattdessen steht auf der Verpackung oft nur der Name der Handelskette. Mit dem Veterinärkennzeichen kann man zumindest bei Fleisch, Fisch und Milchprodukten den Hersteller identifizieren. Nur bei der Gourmet-Knusperente von Aldi steht ausnahmsweise der Hersteller auf der Verpackung: "Allfein". Das ist ein Tochterunternehmen des Markengeflügel-Produzenten "Wiesenhof", von dem es ein gleich lautendes Produkt gibt, das aber etwas teurer ist als das vom Discounter. Die Köche der Genussakademie bereiteten beide zu. Geschmacklich stellten sie zwar einen kleinen Unterschied fest, würden aber dennoch im Duell Discounter gegen Markenware je einen Punkte vergeben.

Feinschmeckerprodukte aus Italien ließen wir vom Italiener Antonio begutachten, der seit zehn Jahren ein Feinschmeckerrestaurant leitet. Ihm fiel auf, dass bei "Culatello–Schinken" von Aldi Etikettenschwindel betrieben wird. Der Aldi-Schinken wird in San Daniele del Friuli verarbeitet. Das ist zwar eine berühmte Schinkenstadt, doch ein echter "Culatello" wird nur in der Stadt Zibello und deren unmittelbarer Umgebung hergestellt. Dazu kann das 350 Kilometer entfernte San Daniele nicht mehr gehören. Auch der Geschmack des Aldi-Produktes überzeugte Antonio nicht: "Er hat kein Aroma", lautete sein Urteil.

Check Nr. 2: Der Inhalt

Beim "Karamelldessert mit Meersalz" von Aldi fielen den Köchen eine Menge E-Nummern auf der Zutatenliste auf. Sie stehen unter anderem für Geschmacksverstärker und Emulgatoren. Auch beim "Deutschen Kavier" von Norma werden auf der Verpackung jede Menge Zusatzstoffe deklariert. Zudem findet sich sogar ein Warnhinweis: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen". Auch Desserts von Lidl enthalten Zusatzstoffe. Aus der Sicht der Test-Köche und des Verbraucherschützers Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg gehört so etwas nicht in Produkte, die mit dem Begriff "Gourmet" verkauft werden. Doch solche Kennzeichnungen seien in Deutschland nicht geschützt und daher juristisch nicht angreifbar, so Valet. "Jeder kann solche leeren Worthülsen benutzen", erklärt er.

Check 3: Die Preise

Bei Aldi ist "Geflügelfleisch-Leber-Pastete" und bei Penny "Leberpastete mit Putenfleisch" im Gourmet-Sortiment. Beide Produkte kosten 1,03 Euro pro 100 Gramm. Bei unserer Recherche fanden wir bei Kaufland auch eine Pastete vom selben Hersteller mit den gleichen Inhaltsstoffen. Hier wird das Produkt im regulären Sortiment angeboten und kostet nur 0,99 Euro pro 100 Gramm. Die Köche der Genussakademie schmeckten bei der Verkostung keinen Unterschied. Hier rechtfertigt dann wohl vor allem die festliche Verpackung den Preisaufschlag.

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2012, 22:11 Uhr

1. Tharra:
Mich wundert das Netto vergessen "absicht um ein Koch zu schützen" ein Schelm wer Böses denkt
12.12.2012
01:28 Uhr

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