Umschau | 04.10.2011 | 20:15 Uhr : Gefährliche Grillkohle
"Innen und außen anwendbar" - so steht es auf der Grillholzkohle des Kohlen- und Grillherstellers Barbecook. Die sogenannten "Cook Chips" verbrennen nach Angaben des Herstellers nahezu rauchfrei. Daher, so heißt es in einem Werbevideo, könne man damit auch drinnen grillen. Wer dieser Botschaft folgt, begibt sich in große Gefahr. Denn bei der Verbrennung von Grillholzkohle entsteht giftiges Kohlenmonoxid.
Draußen regnet es, drinnen kann die Grillparty trotzdem stattfinden. Dafür wirbt der Grill- und Kohlenhersteller Barbecook. Die Kohlen aus Bambusholz - vertrieben unter dem Titel "Cook Chips" - sollen rauchfrei und innen und außen anwendbar sein, so steht es ausdrücklich auf der Verpackung. Bei herkömmlicher Holzkohle ist Grillen im Innenraum lebensgefährlich, denn wie bei jeder Verbrennung entsteht dabei giftiges Kohlenmonoxid.
Immer wieder kommt es beim Grillen in Innenräumen zu gefährlichen Zwischenfällen. So auch im März 2009, als zwei Jugendliche im Kleingarten der Eltern grillen. Als es am Abend kalt wird, nehmen sie den Grill mit den noch glühenden Kohlen mit in die Laube. Später findet ein Gartennachbar die inzwischen bewusstlosen Jungen und rettet ihnen damit das Leben. Doch nicht alle haben so viel Glück.
Die beiden hatten mit herkömmlicher Holzkohle gegrillt. Sind die "Cook Chips" aus Bambus im Vergleich dagegen weniger gefährlich?
Am Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt haben Wissenschaftler genau untersucht, wie viel Kohlenmonoxid entsteht, wenn man mit den "Cook Chips" einen Grill in einem geschlossenen Raum betreibt. Fünf Sensoren messen in unterschiedlichen Höhen die Konzentration des giftigen Gases. Der 18 Quadratmeter große Container ist dabei luftdicht verschlossen. Das erschreckende Ergebnis: Nach nur einer Stunde ist die Kohlenmonoxid-Konzentration im Testcontainer so hoch, dass eine sitzende Person bewusstlos werden könnte. Sie kann sich dann nicht mehr selbst retten.
Das Tückische an Kohlenmonoxid: Das Gas ist farb- und geruchslos. Man merkt nicht, wenn man es einatmet. Zudem sind die ersten Vergiftungssymptome - Übelkeit, Kopfschmerz, Müdigkeit - für die Betroffenen oft nicht eindeutig erkennbar.
Keine Konsequenzen beim Hersteller
Wir zeigen der Feuerwehr ein Internet-Werbevideo des Herstellers Barbecook. Für die "Cook Chips" verkauft Barbecook sogar einen Tischgrill mit speziellem Zubehör für das Grillen in der Wohnung. Ist dem Grillspezialisten das Vergiftungsrisiko nicht bekannt? Als wir bei Barbecook nachfragen, erklärt man uns, man habe die Verpackung der "Cook Chips" verändert und werbe nicht mehr mit dem Begriff "Für Innen". Wir müssten wohl "alte noch im Handel befindliche Packungen" gekauft haben. Doch auf der Internetseite des Herstellers ist zum Zeitpunkt unserer Anfrage noch immer zu lesen: "für Innen- und Außenanwendung". In einem OBI-Baumarkt zeigt sich dasselbe Bild. Das Unternehmen reagiert jedoch umgehend auf unsere Anfrage und nimmt die Ware aus dem Verkauf. "Falls es noch vereinzelte Märkte gibt, die den Artikel nicht aus dem Verkauf genommen haben, handelt es sich um ein Versehen", so eine Pressesprecherin.
Wir rufen bei elf Onlineshops an, die die "Cook Chips" als Kohle für drinnen verkaufen, und fragen nach möglichen Gefahren bei der Verwendung im Innenraum. In sechs Shops bekräftigen die Verkäufer, dass es völlig ungefährlich sei, mit den "Cook Chips" innen zu grillen.
Mangelnde Hinweispflicht
Axel Hahn vom Bundesinstitut für Risikobewertung registriert in jüngster Zeit immer mehr Kohlenmonoxidvergiftungen. Es gibt keine Hinweispflicht, dass beim Grillen giftige Gase entstehen. Und so findetet sich auf den "Cook Chips" auch kein Warnhinweis, sondern nur die Kennzeichnung "für innen".
Sicheres Grillen in der Wohnung? Wer dieser Werbebotschaft folgt, begibt sich in große Gefahr.
