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Umschau | 08.01.2013 | 20:15 Uhr : Fahrstuhl kaputt: Wie Mieter im Stich gelassen werden

Anfang November 2012 brannte in Jena-Neulobeda ein Fahrstuhl in einem Hochhaus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Doch seither können die Bewohner des elfgeschossigen Hochhauses nur noch die Treppen benutzen. Das ist vor allem für die vielen älteren Menschen, die in diesem Haus wohnen, äußerst strapaziös. Der 75-jährige Gerhard M. etwa, der in der zehnten Etage wohnt, muss mehrmals am Tage runter und wieder rauf - eine Tortur. Erika Z. geht es ähnlich. Die 85-Jährige verlässt täglich ihre Wohnung, um ihren Mann im Pflegeheim zu besuchen. Schließlich wartet er auf sie, denn er ist dringend auf ihre Hilfe angewiesen. Anschließend klettert sie wieder mühevoll die 144 Stufen zu ihrer Wohnung hoch.

"Meine größte Angst sind die gesundheitlichen Probleme, dass man das kräftemäßig und gesundheitlich noch schafft bis zu dem Zeitpunkt, wo der Fahrstuhl mal wieder in Betrieb kommt."

Erika Z.

Volker Blumentritt, der Ortsbürgermeister von Jena-Neulobeda
Für Volker Blumentritt, den Ortsbürgermeister von Jena-Neulobeda, ist das Verhalten der Hausverwaltung nicht nachvollziehbar.

In den Morgenstunden des  6. November 2012 entdeckte eine Mieterin den Brand im Fahrstuhl. Es bestand der Verdacht auf einen Kabelbrand. Die Feuerwehr konnte aber zunächst nichts finden. Erst im Laufe des Vormittags ließ sich das Feuer orten und mit der Brandbekämpfung beginnen. Weil sie keinen direkten Zugang finden konnten, brachen die Feuerwehrleute durch die Wand eines Balkons. Dort sieht es heute, nach zwei Monaten, immer noch so aus, als wäre es erst gestern gewesen.

Viel schlimmer aber ist der noch immer nicht wieder funktionierende Fahrstuhl. Vor allem die gehbehinderten Menschen in dem Haus sind dadurch buchstäblich in ihren Wohnungen gefangen. Ohne fremde Hilfe geht für die meisten gar nichts. Aber warum lässt man die Mieter hier so lange im Stich? Wir fragen bei der Hausverwaltung nach:

"Wir haben die Bewohner des Hauses alle mit einem Brief informiert, dass wir einen Hilfsdienst organisiert haben, das ist in Jena die Volkssolidarität und die Mieter können über uns Hilfeleistungen über die Volkssolidarität in Anspruch nehmen."

Heinz Colligs, Pressesprecher der Hausverwaltung Treureal

Jener Brief wurde den Mietern allerdings erst gut fünf Wochen nach dem Brand zugestellt. Vorher ließ man die Bewohner allein und im Unklaren. Erst nach mehreren Beschwerden und unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde die Mieter informiert. Für den Ortsbürgermeister ist das unbegreiflich:

"Der Umgang mit Menschen hier ist für mich katastrophal. Das Schlimmste ist, dass die Menschen ausgeschlossen sind, sie sind ausgeschlossen von ihren Gewohnheiten ein Stück weit, von ihren Lebensmittelpunkten, die sie sich hier gebildet haben und der Lebensmittelpunkt ist ja nun mal nicht immer in der Wohnung."

Volker Blumentritt, Ortsbürgermeister Jena-Neulobeda, SPD

Mittlerweile ist klar, dass es für den 40 Jahre alten Fahrstuhl keine Ersatzteile mehr gibt. Bis ein neuer kommt, werden weitere Wochen vergehen. Erst in der neunten Kalenderwoche soll er eingebaut sein - Terminverschiebungen nicht ausgeschlossen. Solange müssen die Bewohner des Hauses noch Treppen steigen. Wie lange das vor allem die älteren Mieter noch mitmachen, weiß keiner.

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08.01.2013, 20:15 Uhr | 05:39 min

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2013, 21:37 Uhr

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