Umschau | 29.11.2011 | 20:15 Uhr : Achtung Jagd! - Die Gefahren des Waldes
Seit Anfang November läuft die aktuelle Jagdsaison. Am vergangenen Samstag gab es bei einer Treibjagd in der Nähe von Leipzig wieder einen Toten. Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu zehn Menschen bei Jagdunfällen. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Neben der Unachtsamkeit ist auch Alkohol das Problem.
Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu zehn Menschen bei Jagdunfällen. Das jüngste Opfer gab es vergangenen Samstag in der Nähe von Leipzig bei einer Treibjagd. Von einem Hochsitz aus wird geschossen. Ein verletztes Tier flüchtet aufs Feld, bleibt dann liegen. Ein Treiber mit roter Warnweste nähert sich dem Wildschwein. Dann fällt aus dem Wald noch ein Schuss. Der 40-jährige Jagdhelfer ist tödlich getroffen. Der Unglücksschütze ist ein 67-jähriger Mann. Er hat erst wenige Wochen den Jagdschein.
Ursachensuche: Jägerschaft äußert Verdacht
Dem Leipziger Jägerverband erscheinen die Umstände rätselhaft. Der Unfall passierte am Vormittag und die Sicht war gut. Peter Winter vom Leipziger Jagdverband erklärt: "Treiber und Hundeführer machen in der Regel genug Krach. Und dann geht auch noch die Waffe nach oben, um den Treibern ein Zeichen zu geben, dass sie wieder in sicherem Abstand sind." Die Ermittlungen laufen noch. Nach "Umschau-Recherchen" hat man jedoch in Jägerkreisen einen Verdacht. "Dort gab es von dem Schützen selber einen sicherheitstechnischen Verstoß, weil er seinen Jagdstand verlassen hat und eben nicht darauf geachtet hat, dass seine Waffe gesichert ist", berichtet Jagdlehrer Andreas Meißner. Ihm haben Beteiligte geschildert, dass der Schütze vom Hochsitz gestiegen ist, um zum angeschossenen Wildschwein zu gehen. Bei einer Treibjagd ist genau das strengstens verboten.
Jagdlehrer verweist auf Unerfahrenheit frischer Jagdscheinbeitzer
Auf der Suche nach der Ursache für den Unfall bringt Andreas Meißner die Unerfahrenheit einiger Jäger ins Spiel. Unerfahrene Jäger hätten noch die so genannte Jagdhitze, die dazu führe, bestimmte sicherheitstechnische Sachen außer Acht zulassen, meint Jagdlehrer Meißner. Auf der Suche nach Ursachen für Jagdunfälle stößt man auch immer wieder auf den Fakt der Überalterung der deutschen Jäger. Auch der Schütze vom Wochenende ist im Rentenalter. Möglicherweise können ältere Jäger nicht mehr scharf sehen. LKW-Fahrer müssen ab einem Alter von 50 Jahren regelmäßig zur Augenkontrolle. Für Jäger gilt das nicht.
Alkohol auf der Jagd
Manchmal ist der Blick von Jägern auch aus anderen Gründen getrübt, wie man an Angeboten in Online-Shops sehen kann. Dort gibt es reichliche "Flachmänner" mit Jagdmotiven. Alkohol bei der Jagd? Verboten ist es laut Bundesjagdgesetz nicht. Dabei spielt Hochprozentiges bei Jagdunfällen eine unrühmliche Rolle. Doch nicht immer lässt sich auch eindeutig nachweisen, dass Alkohol im Spiel war, wie bei einem Jagdunfall in Wismar. Nach der Jagd löste sich ein Schuss aus einem nicht vorschriftsmäßig gesicherten Gewehr, als es in einen Pkw gelegt wurde. Die Ermittlungen ergaben, dass der Schütze einen Blutalkoholwert von 1,7 Promille hatte. Der gab jedoch an, erst nach dem Unfall den Alkohol getrunken zu haben. Das Gegenteil konnten ihm der Wismarer Richter nicht nachweisen. So heißt es im Urteil: "... Zudem spricht der haarsträubend sorgfaltswidrige Umgang mit der geladenen Jagdwaffe dafür, dass der Angeklagte bereits während der Jagdunternehmung unter Alkoholeinfluss gestanden haben muss, wenngleich dies in der Hauptverhandlung nicht konkret festgestellt werden konnte." Der Angeklagte bekam anderthalb Jahre Haft auf Bewährung
Verhalten im Wald - So sind Sie als Waldbesucher sicher
- Walddickungen, Felder und Wiesen mit hohem Aufwuchs sowie ähnliche Verstecke für das Wild sollten nicht betreten werden. Die Wege im Wald benutzen.
- Hunde sind möglichst an der Leine, zumindest aber in einem maximalen Radius von 20 Metern unter Kontrolle zu halten. In Naturschutzgebieten müssen die Hunde zwingend angeleint sein.
- Verhaltensregeln von Behörden, Forstämtern, Feuerwehren und Jägern, die auf Schildern im Wald zu sehen sind, müssen beachtet werden.
- Bei Treibjagden machen die Jagdgesellschaften mit Schildern auf Wegen und Straßen auf die besondere Gefahr aufmerksam
