Umschau

Umschau | 04.10.2011 | 20:15 Uhr : Jugendgewalt: Wie Handy-Videos bei der Aufklärung helfen

Mit Handy-Filmen von ihren Taten rühmen sich jugendliche Gewalttäter im Internet. Dabei denken sie nicht daran, dass auch die Polizei diese Videos sieht - und nutzt. Das kann durchaus zu Ermittlungserfolgen führen, wie die Aufklärung des Überfalls auf Maximilian K aus Thüringen zeigt. Die Täter haben sich mit der Zurschaustellung ihrer eigenen Brutalität nicht nur selbst ausgeliefert, sondern auch noch besonders hohe Haftstrafen eingehandelt.

Maximilian K. sitzt nichtsahnend in der Straßenbahn als drei vermummte Jugendliche einsteigen. Als er an der Endhaltestelle aussteigt, folgen sie ihm, holen ihn ein und nehmen sie ihm sein Geld, seinen MP3-Player und sein Handy ab. Maximilian wehrt sich nicht. "Ich hab einfach gedacht, das hat einem Mama ja so beigebracht", erklärt er. Doch in diesem Fall hilft das ihm nicht. Die drei machen weiter und schlagen auf ihn ein. Nachdem sie mit ihm fertig sind, schleifen sie ihr Opfer an den Rand des Plattenbaugebiets auf eine Wiese. Hier lassen sie den verletzten Jungen liegen und verlassen das Gelände.

Jugendgewalt - ein junger Mann mit Brille.
Maximilian K. wurde Opfer einer Gewalttat

Maximilian hat sich zu diesem Zeitpunkt bewusstlos gestellt. Als die Gewalttäter weg sind, kann er sich schwerverletzt und unbemerkt von der Wiese entfernen. Ein Gutachter diagnostiziert später ein Schädelhirntrauma, eine Verletzung des Brustkorbs, eine Nierenprellung und Blut im Urin. Im Gerichtsurteil wird der Vorfall in dieser Nacht als "Gewaltorgie" beschrieben. Den Tätern, davon ist das Gericht überzeugt, sei es um das "Berauschen am Verletzen anderer" und um das "Ausleben von Macht" gegangen.

Täter stellen sich mit Handy-Videos selbst Fallen

Jugendgewalt Bild aus der Überwachungskamera einer Straßenbahn. Die Täter sind mit roten Kreisen gekennzeichnet.
Die Videokamera in der Straßenbahn hat die Beteiligten gefilmt. Die Täter sind rot markiert, das Opfer grün.

Die Szene in der Straßenbahn wurde von einer Videokamera im Waggon mitgeschnitten. Das Verprügeln des Jungen hatten die Täter dagegen selbst mit ihrem Handy gefilmt und das Video ins Internet gestellt. Beide Filme haben den Ermittlern geholfen, Maximilians Peiniger zu finden und zu überführen.

Das Veröffentlichen von solchen Handy-Videos spielt den Ermittlungsbehörden immer häufiger in die Hände. Das zeigt auch vor Gericht seine Wirkung, erklärt der Erfurter Staatsanwalt Uwe Strewe: "Wir erleben die Tat noch einmal live mit. Und es ist ein anderes Beurteilen, wenn ein Schöffe im Gerichtssaal nur von der Tat  hört oder wenn er anhand dieser Bilder miterleben kann, mit welcher Brutalität tatsächlich vorgegangen wurde." Als Beweismittel können solche Videos auch Auswirkungen auf das Strafmaß haben. Die drei, die über Maximilian hergefallen waren, kamen nicht so glimpflich davon, wie andere in vergleichbaren Fällen. Sie sitzen zurzeit Haftstrafen zwischen vier und fünf Jahren ab.

Opfer verarbeitet sein Trauma in einem Kurzfilm

Jugendgewalt - Szene aus dem Film "Trigger". Zwei Jugendliche greifen einen anderen an.
Szene aus "Trigger"

Maximilian hat zusammen mit Regisseur Till Krücken die schreckliche Tat in einem Film verarbeitet. Er trägt den Titel "Trigger". Der Kurzfilm lässt den Zuschauer in das zerrüttete Seelenleben eines jungen Mannes blicken, der exemplarisch für viele anonyme Gewaltopfer steht. Mittlerweile ist der Streifen preisgekrönt und wird zur Gewaltprävention an Schulen gezeigt.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2011, 19:10 Uhr

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