Umschau extra | 10.01.2012 | 20:15 Uhr : Kaufkraft Ost: Trotz starken Wachstums weit unter Westniveau
In vielen ostdeutschen Regionen ist in den vergangenen fünf Jahren die Kaufkraft stärker gestiegen als im Westen. Einer der Spitzenreiter ist der Bördekreis, der zwischen Magdeburg und Wolfsburg liegt. Hier stieg die Kaufkraft pro Einwohner um 2.756 Euro. Wie das möglich wurde, zeigt die Gemeinde Kathendorf. Von dort nach Wolfsburg braucht man mit dem Auto rund eine halbe Stunde. Diesen Weg fahren die Bewohner dieses Ortes seit Jahren täglich. Für einige gab es in den vergangenen Jahren einen beruflichen Aufstieg. Reinhard D. ist in der VW-Stadt zum stellvertretenden Baumarkt-Leiter aufgestiegen und seine Frau Silke ist jetzt Filialleiterin in einem Bäckerei-Cafe. Ans Umziehen nach Wolfsburg denken die beiden aber nicht. "Wir haben zu Hause ein Grundstück und wir wohnen da jetzt schon fast 30 Jahre. Da fühlen wir uns wohl und da möchten wir bleiben", so die Pendlerin. So stärken beide die Kaufkraft in der Börde. Laut Statistik hatte dort im vergangenen Jahr jeder Einwohner nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen durchschnittlich 18.246 Euro zum Leben übrig.
Osten erreicht rund 80Prozent des Westniveaus
Einen ähnlich starken Kaufkraftzuwachs wie der Bördekreis konnte auch die Region um Frankfurt am Main (Hochtaunuskreis) verzeichnen (rund 2.760 Euro). Die Region ist bekannt für die höchste Millionärsdichte Deutschlands. So ist es nicht überraschend, dass zwar die Kaufkraftzuwächse in beiden Kreisen gleich groß sind, aber die absoluten Werte im Jahr 2011 weit auseinander liegen. Im Westkreis beträgt die Kaufkraft pro Einwohner im Durchschnitt 30.000 Euro, im Osten sind es nur 18.000 Euro. Der Blick in die Statistik zeigt, dass das Beispiel Bördekreis für große Teile Ostdeutschlands steht. Hier gab es in den vergangenen fünf Jahren die größten Zuwächsen, doch das reicht noch lange nicht, um das Westniveau zu erreichen. Im Schnitt konnten Westdeutsche 20.467 Euro im Jahr zum Ausgeben - im Osten bleiben nur 16.926 Euro. Unter dem ostdeutschen Durchschnitt liegen Regionen wie der Saale-Orla-Kreis und die Städte Halle, Leipzig oder Dessau-Rosslau.
| Platz | Kreis | Stadt | in Euro |
|---|---|---|
| 1 | Landkreis Uckermark | 2.827 |
| 2 | Landkreis Havelland | 2.772 |
| 3 | Landkreis Potsdam-Mittelmark | 2.762 |
| 4 | Hochtaunuskreis | 2.762 |
| 5 | Landkreis Börde | 2.756 |
| 6 | Landkreis Mecklenburg-Strelitz | 2.741 |
| 7 | Landkreis Bad Doberan | 2.716 |
| 8 | Landkreis Elbe-Elster | 2.702 |
| 9 | Landkreis Nordvorpommern | 2.698 |
| 10 | Landkreis Güstrow | 2.679 |
| Mittelwert für Deutschland | rd. 2.100 | |
| Quelle: MB Research |
Große Städte profitieren weniger von Gutverdienern
Einer geringen Kaufkraft in Leipzig steht eine hohe Zahl von Wirtschaftsansiedlungen gegenüber. Doch die Ausstrahlungskraft der Leuchttürme wie DHL, Amazon, BMW und Porsche ist nur begrenzt. In der Stadt fehlt produzierendes Gewerbe mit gut bezahlten Jobs. Stattdessen gibt es in Leipzig viele Jobs für Geringverdiener und eine hohe Armutsquote. Unterm Strich reicht das nur für eine relativ geringe Durchschnittskaufkraft pro Einwohner. Mit einem ähnlichen Problem kämpft Berlin. Die Besserverdiener mit hoher Kaufkraft siedeln sich eher im Speckgürtel der Hauptstadt an. Davon profitierte vor allem Region Potsdam. Dank solventer Zuwanderer hat diese Region eine Kaufkraft, die in den letzten Jahren auf West-Niveau geklettert ist.
| Platz | Kreis | Stadt | in Euro |
|---|---|---|
| 1 | Landkreis Potsdam-Mittelmark | 19.868 |
| 2 | Landkreis Oberhavel | 18.947 |
| 3 | Landkreis Dahme-Spreewald | 18.866 |
| 4 | Potsdam | 18.830 |
| 5 | Landkreis Barnim | 18.535 |
| 6 | Landkreis Havelland | 18.499 |
| 7 | Suhl | 18.445 |
| 8 | Landkreis Börde | 18.246 |
| 9 | Landkreis Teltow-Fläming | 18.133 |
| 10 | Dresden | 18.075 |
| Mittelwert | rd. 20.200 | |
| Quelle: MB Research |

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