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Umschau | 08.05.2012 | 20:15 Uhr : Krippennotstand: Warum es im Osten zu wenig Betreuungsplätze gibt

Bis August 2013 muss der gesetzlich verbriefte Anspruch auf einen Krippenplatz erfüllt werden. Schon jetzt ist absehbar, dass die Kommunen das nicht schaffen. Derzeit fehlen bundesweit 250.000 Krippenplätze.

Kindergummistiefel in einem Regal

Susan R. aus Dresden wurde im März 2011 Mutter einer Tochter. Schon während der Schwangerschaft deutete sich an, dass es schwer werden würde, einen Kitaplatz zu finden. Der kostet in der Elbmetropole etwa 200 Euro pro Monat.

Nach der Geburt suchte Susann R. zuerst in der unmittelbaren Umgebung ihrer Wohnung nach einem freien Platz, auch weil dort die Betreuung in der Zeit von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr angeboten wird. Doch sowohl dort als auch in einem guten Dutzend anderer Kinderkrippen der Stadt Dresden bekam sie eine Absage. In fast allen Einrichtungen gab es lange Wartelisten.

Bundesweiter herrscht Krippennotstand

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Auch im Osten kaum noch Kita-Plätze

08.05.2012, 20:15 Uhr | 06:27 min

In Dresden fehlen 1.500 Krippenplätze, in Magdeburg, Leipzig und Erfurt sind es je 400 und in Jena 100 Plätze. Deutschlandweit sind es 250.000. Obwohl in den letzten Jahren bundesweit tausende Plätze neu entstanden sind, herrscht in vielen Großstädten Krippennotstand. Kritiker der aktuellen Situation meinen, dass der steigende Bedarf absehbar war. Schon seit Mitte der 90er-Jahre sind die Geburtenraten kontinuierlich gestiegen. Um die Jahrtausendwende verzeichnete Mitteldeutschland einen regelrechten Babyboom. Der Grund dafür war, dass auch jene Paare nun eine Familie gründeten, die in den 90er-Jahren ihre Babypläne verschoben hatten.

Die fehlenden Krippenplätze noch kurzfristig zu schaffen, ist in der Regel aussichtslos. Experten schätzen ein, dass die Eröffnung einer Kinderkrippe etwa drei Jahre Vorlauf benötigt.

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Private Krippen trotz hoher Preise auch mit langen Wartelisten

Selbst bei privaten Angeboten sieht es nicht viel besser aus, obwohl sie mit 600 Euro pro Monat viel mehr kosten als die kommunalen Krippen. Dazu kommen noch Verpflegungskosten. Eine dieser Einrichtung ist die "Villa für Kinder" in Dresden. Dort sind nur sechs Kinder in einer Gruppe. Im Vergleich dazu waren es in der kommunalen Einrichtungen, die Susan R. zunächst anfragte, etwa 15 Kinder, die von zwei Erziehern betreut wurden. In der "Villa für Kinder" gibt es flexible Betreuungszeiten von 6:00 Uhr bis 20:00 Uhr, auch am Wochenende. In der Villa gibt es eine Sauna und eine eigene Küche. Aber trotz des hohen Preises ist auch hier alles ausgebucht bis weit in das nächste Jahr hinein.

Tagesmütter sind auch sehr gut ausgebucht

Die Betreuung kann auch durch eine Tagesmutter übernommen werden. Ist sie einem kommunalen oder freien Träger angeschlossen, zahlt man so viel wie für den Krippenplatz im kommunalen Kindergarten. Private Einrichtungen ohne öffentliche Förderung kosten deutlich mehr. Auch diese Alternative hat Susan R. ausgelotet. Nach einem Jahr intensiver Suche war Susan R. damit erfolgreich. Die Tagesmutter wohnt zwar am anderen Ende der Stadt, doch das ist Susan R. mittlerweile egal.

Krippennotstand hat Auswirkungen auf den Arbeitmarkt

Durch den Krippennotstand fehlen auch Mütter im Arbeitsleben. Besonders fatal ist es bei den Lehrern. Auch an den Schulen steigt die Zahl der Schüler und damit auch der Bedarf an Lehrern. Nach Auskunft der Bildungsagentur Sachsen sind derzeit 100 Lehrer in Elternzeit. 30 müssen diese verlängern, weil sie keine Betreuungsstelle für ihr Kind bekommen.

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2012, 22:15 Uhr

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