Umschau | 13.03.2012 | 20:15 Uhr : Bauern setzen auf ungewöhnliche Direktvermarktung
Landwirte gehen neue Wege, um ihre Produkte zu vermarkten. Wir stellen Ihnen vier vor: Milchtankstellen, gemietete Gemüseäcker mit Selbstaussaat, Schweine mit Fotos und geleaste Kühe.
Auf der Weide von Landwirt Gerd Kauert stehen 70 Kühe, die er an Kunden verleast. Kuh-Leasing funktioniert so: Ein Kunde sucht sich eine Kuh aus, zahlt für sie bis zur Schlachtreife und bekommt sie dann gut portioniert vom Fleischer. Das kostet 70 Euro pro Monat für die Rindermast und einmalig 200 Euro für den Fleischer.
Für gut 1.000 Euro gibt es dann rund 140 Kilogramm Fleisch. "Auf die Idee mit dem Leasing bin ich gekommen, als ich ein Auto geleast habe. Da habe ich gedacht, mit den Rindern müsste das auch gehen", erklärt Bauer Gerd Kauert. Kunde Holger T. hat vor zwei Jahren eine Kuh geleast und es nicht bereut: "Das Gulasch schmeckt uns am besten. Und die Rinderfilets sind die Highlights für uns. Wenn der Kühlschrank leer ist, wird das nächste Rind geleast." Die Nachfrage nach Kuh-Leasing ist bei Landwirt Kauert so groß, dass es mittlerweile Wartelisten gibt.
Frische unbehandelte Milch aus der Zapfsäule
Seit Mitte 2011 bieten Bauern in Brandenburg Milch an einer Zapfsäule an. Einen Euro kostet der Liter. Die Milch stammt von den 200 Kühen aus dem Agrar-Betrieb direkt hinter der Milchtankstelle. Wenn sie zweimal täglich gemolken werden, kommen 5.000 Liter frische Milch zusammen. Der Großteil geht an die Molkerei, ein stetig wachsender Anteil aber wandert zur Zapfsäule. Die Qualität überzeugt selbst ehemalige Melker aus der Nachbarschaft und erinnert andere, wie Stammkundin Kerstin K., an ihre Kinderzeit: "Als wir die erste Flasche geholt haben, habe ich mit meinem Mann direkt einen Schluck aus der Flasche genommen, und da haben wir gesagt: 'Irgendwie erinnert uns das an unsere Kindergartenzeit.' Das ist das Besondere, die schmeckt nach Milch."
Etikett zeigt Herkunft der Wurst
Student Dennis Buchmann verkauft auf seiner Internetseite Schweinewurst. Das Besondere daran ist, dass das Tier, aus dem die Wurst gemacht wurde, auf dem Etikett abgebildet ist. Das 200-Gramm-Glas Leberwurst kostet beispielsweise 3,50 Euro. Die Schweine für die Produktion kauft er bei Landwirt Bernd Schulz. Er gibt den Tieren Biofutter und hält sie nicht im Stall, sondern auf der Wiese. Das macht sich nach seiner Ansicht auch im Geschmack bemerkbar. Die Resonanz auf die Idee des Studenten war überwältigend. Schon vor den Schlachtterminen ist alles ausverkauft. "Ich glaube, den Kunden gefällt einfach der direkte Kontakt zur Nahrung, zum Fleisch. Es ist ja quasi eine absolute Transparenz. Ich kann ja dem Tier direkt in die Augen gucken und sehe, das steht auf dem Acker und hat noch Dreck an der Nase und ist aus einer guten Haltung", meint Buchmann. Demnächst will er auf dem Freigelände eine Webcam installieren. Kunden können die Schweine dann im Internet beobachten, wann immer sie wollen.
Gemüse aus dem Mietbeet
Wer als Stadtmensch sein eigenes Gemüse ernten möchte, ohne gleich zum Laubenpieper zu werden, findet bei Bauer Benjamin Gericke eine Lösung. Der 26-Jährige vermietet kleine Parzellen eines Ackers an Gemüsefreunde. Dort kann man anbauen und ernten, was man gern möchte. Große Gartenerfahrung braucht es dazu nicht. Einmal in der Woche gibt es eine Sprechstunde bei Bauer Gericke. 45 Quadratmeter kosten pro Saison 180 Euro. Vermittelt wird das bundesweit über eine Internetplattform. Schon wenige Wochen nach Start des Projekts im vergangenen Jahr waren übrigens alle Parzellen von Bauer Benjamin Gericke vermietet.
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