Umschau

Umschau | 31.01.2012 | 20:15 Uhr : Ungesicherte Ladung: Kamikaze auf deutschen Straßen

Rund 8.000 Tonnen verlorenes Ladegut bergen Polizei und Feuerwehr jedes Jahr auf deutschen Autobahnen. Oft sind es Unterlegkeile, Spanngurte und Reifen, aber auch Metallplanken, Baumstämme, Fahrräder, Betonklötze und selbst Bagger landen auf der Straße. Durch verlorene Fracht kommt es Jahr für Jahr zu rund 2.500 Unfällen in Deutschland. Und immer wieder werden dadurch auch Menschen getötet.

Am Vormittag des 30. Januar gab es auf der A4 Dresden Richtung Gera nahe der Abfahrt Chemnitz Ost einen 25 Kilometer langen Stau. Ein Stemmeisen , das vermutlich von der Ladefläche eines Fahrzeugs gerutscht war, hatte einem Laster den Tank aufgeschlitzt. Diesel ergoss sich über die Autobahn, die daraufhin für mehrere Stunden vollständig gesperrt werden musste. Solche Unfälle passieren, weil immer wieder Ladung unzureichend gesichert wird - eine Nachlässigkeit, die tödlich enden kann.

Russisch Roulette auf deutschen Straßen

2006 durchbrach auf der A4 in Thüringen ein Holztransporter die Mittelleitplanke. Riesige Baumstämme rollten über die Fahrbahn und trafen mehrere Autos. Zwei Menschen starben, neun wurden verletzt. Der Fahrer des Transporters hatte plötzlich die Kontrolle über sein Gefährt verloren. Dass es damals auf der A 4 nicht mehr Tote gab, ist reiner Zufall.

ein mit mehreren Baumstämmen beladener Kleinwagen
Immer wieder unterschätzen Autofahrer die Gefahr durch ungesicherte Ladung.

Glück hatte auch Jens W..  Ihn erwischte es morgens während des Berufsverkehrs auf dem Weg zur Arbeit. Er spürte plötzlich einen Schlag und registrierte ein lautes Poltern. Erst auf dem nächsten Parkplatz sah er, was passiert war: In seinen Kleinwagen hatte sich eine zwei Meter lange Stahlstange gebohrt, die einem Transporter von der offenen Ladefläche gerutscht war. Dass Jens W. nicht durchbohrt wurde, grenzt an ein Wunder. Auch Norbert L. hatte Glück im Unglück, als eine Planke durch seine Windschutzscheibe krachte, die von einer Lkw-Ladefläche gerutscht war. Wäre er nur ein wenig schneller gefahren, hätte die Planke die Windschutzscheibe nicht links, sondern auf der Fahrerseite durchschlagen und Norbert L. wahrscheinlich geköpft.

Mangelnde Ladungssicherheit

Uwe Schieder vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft hat über Jahre Fälle von verlorener Ladung dokumentiert. Sein Urteil fällt eindeutig aus. Schuld seien in fast allen Fällen die Fahrer:

"Die Fahrer verstehen häufig nicht, dass schwere Ladung sich nicht von selbst sichert. Die meisten meinen, schwere Dinge könnten sich nicht von alleine bewegen. Ich versuche ihnen dann immer zu erklären, dass die Ladung nicht weiß, dass sie auch bremsen muss."

Uwe Schieder, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft

Ein Crashtest bei der DEKRA mit drei Betonteilen zeigt, wie leicht sich bei einem Aufprall selbst so schwere Brocken bewegen. Das erste Teil wird auf der Ladefläche eines LKW ungesichert platziert, das zweite in der Mitte von einem einfachen Quergurt gehalten, das hintere aufwändig schräg verzurrt. Nach dem Crash liegt nur der hintere Betonklotz an seinem Platz. Beim mittleren reißt der Spanngurt und er kracht gegen den ungesicherten Klotz, schiebt ihn mit voller Wucht gegen die Bordwand.

Wahrnehmungsprobleme

ein mit mehreren Baumstämmen beladener Kleinwagen
Bei einer Vollbremsung werden diese Baumstämme zu gefährlichen Geschossen.

Vielen Lkw-Fahrern scheint unbekannt zu sein, wie sich ihre Ladung verhält, wenn sie eine Gefahrenbremsung machen. Polizeibeamten fällt bei Kontrollen immer wieder auf, wie blauäugig so mancher Brummi-Pilot auf Fahrt geht. Als sie beispielsweise einen Fahrer ansprechen, der Stahlrohre und –profile ungesichert auf der Ladefläche seines LKW transportiert, meint der nur: So schnell fahre er nicht, dass er eine Vollbremsung machen müsse. Für die Polizisten kein Einzelfall, sondern Alltag.

Selbstmordkommando Ferienfahrt

Doch nicht nur Lkw-Fahrer haben, was die sichere Beladung ihrer Fahrzeuge angeht, offenbar deutliche Defizite. Auch Pkw-Fahrer setzen sich selbst und ihre Mitfahrer oft hohen Risiken aus. Denn nicht selten sichern auch sie ihr Gepäck nicht ordentlich. Das kann für alle Autoinsassen verhängnisvoll sein. Denn schon relativ kleine Teile, wie Buddelschippen aus Plastik oder Bälle, können bei einem Frontalcrash zu fliegenden Geschossen werden. Wer seinen Kofferraum bis oben mit Ferien-Reisegepäck belädt und nicht richtig sichert, riskiert im Falle einer Notbremsung oder eines Aufpralles sein Leben und das seiner Familie. Koffer, Taschen, Kisten und andere Lasten rauschen nach vorne und treffen mit voller Wucht auf die Passagiere. Dabei wirken enorme Kräfte.

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2012, 18:55 Uhr

2. J.Renken:
Den (du.....) Kommentar von Herrn Drombowski muß man ignorieren! Täglich werden jeden Tag auf unseren Straßen Menschen aufgrund ungenügender Ldg- sicherung verletzt oder sogar getötet!Der Filmbeitrag hat in eindrucksvoller und anschaulicher Art und Weise die Gefahren einer ungenügenden Ladg-sicheung mehr als verdeutlicht!Dieser sehr gute Beitrag hat hoffentlich sehr vielen Menschen die Augen geöffnet!Ich hoffe, es werden noch viel mehr solch guter Beiträge gesendet!Wem es dennoch nicht gefällt, kann ja umschalten und sich ein anderes "niveauvolles" Fernsehprogramm(zB. RTL Dschungelcamp) anschauen!Ob das allerdings die Lösung unserer Verkehrsproblematik bzw. zur allgemeinen Bildung beiträgt ist doch mehr als fraglich! Eins noch in eigener Sache!Dieser Beitrag könnte sehr gut für unsere Schulung Ladungssicherung benuzt werden!Kann man diesen Beitrag evtl. auch als Video erwerben??Wenn ja, senden Sie mir doch kurz eine Antwort per E-Mail!Vielen Dank im voraus!
01.02.2012
18:45 Uhr
1. Sven Drombowski:
Wahnsinns Film, nein echt! Wie kann man nur dieses Thema andauernd bringen? Ein Glück hab ich eine Fernbedienung. Das Elend dauerte gottseidank nur kurz. Tolle Verschwendung von GEZ Gebühren.
31.01.2012
21:42 Uhr

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