Umschau

Umschau | 07.02.2012 | 20:15 Uhr : Angebliche Markenuhren - Wenn sich Schnäppchen als Geldschneiderei entpuppen

Moderatoren in TV-Shops preisen manche Uhren als "Luxusware" an und werben mit enormen Ersparnis im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. In einigen Fällen soll die bei über 90 Prozent liegen. Die Umschau lässt diese Angebote von Experten überprüfen.

In verschiedenen Teleshops haben wir Uhren gesehen. Bei allen konnten wir dasselbe Phänomen beobachten: Sie werden zu einem günstigen Preis angeboten und haben eine hohe unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers. Damit die glaubwürdig erscheint, wird bei der Verkaufspräsentation die Internetseite des Herstellers gezeigt. Die Umschau hat folgende Uhren gekauft und sie von Uhrmachermeister Werner Siebeneicher zur Begutachtung gegeben.

Modell Firma Preis in Euro UVP des Herstellers in Euro
Air Traveller (rot) mit "echten Diamanten" Krug Baümen 89,70 1.310
Karthago Roebelin & Graef 94,30 1.348
Powerman gold Graf von Monte Wehro 119,00 2.099

Experten-Check

Unser Experte hat alle drei Uhren unter die Lupe genommen. Sein Urteil fällt vernichtrend aus.

Air Traveller mit "echten Diamanten"

"Es sind tatsächlich ganz kleine Splitter, die überhaupt keine Schmuckwirkung haben. Sie sind fast blind und so klein, dass sie keinen Materialwert haben. Das Uhrwerk ist ein einfaches Quarzwerk. Die Differenz, also der Werkhaltering, ist aus Plastik. Wenn diese kleinen Plastikteile abbrechen, kann es Probleme geben, denn Ersatz ist hier wahrscheinlich nicht zu bekommen. Also alles in allem keine wertvolle Uhr."

Karthago

"Man sieht, dass es sich um ein Werk aus Fernost handelt, wahrscheinlich aus China. Typisch für diese einfachen Uhren aus Fernost ist auch diese Datumsschaltung. Denn wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass bei dem Datum auf den 31. nicht etwa der Erste folgt, sondern der 32.,33. Das geht bis hin zum 39. Bei hochwertigen Uhren ist das natürlich nicht der Fall."

Powerman gold

"Man erkennt deutlich Verarbeitungsmängel. Da fällt schon ein kleines Spänchen hin und her. Es ist also auf keinen Fall eine Uhr, die 1.000 oder 2.000 Euro wert sein kann."

So erkennt man vermeintliche Schnäppchen

Alter mann mit Brille
Dr. Klaus Adam von Trustedwatch

Wer wissen will, ob eine Uhrenmarke wirklich ein Luxusprodukt ist, wie der Verkäufer verspricht, kann sich bei der Firma Trustedwatch im Internet erkundigen. Dort gibt es eine Liste mit vermeintlichen Luxusmarken. "Krug Baümen", "Roebelin & Graef" und "Graf von Monte Wehro" findet man dort auch. Dr. Klaus Adam von Trustedwatch weiß, woran man solche Uhrenmarken erkennt. "Sie zeichnen sich durch ein attraktives Ziffernblatt aus und einem tollen Name mit Begriffen wie "Söhne" oder einem Adelstitel, der wie bekannte Uhrenmarken klingt", erklärt Dr. Adam. Ein wichtiges Merkmal sei zudem der enorme Rabatt, der beim Verkauf versprochen werde: "Ich kaufe die Uhr vielleicht für zehn bis 30 Euro ein und verkaufe sie mit einer unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers für 2.000 Euro. Wir sagen Mondpreise dazu. Wenn ich 120 oder 130 Euro bekomme, dann ist das ein tolles Geschäft", meint Dr. Adam.

Gutes Geschäft mit vermeintlichen Luxusuhren

Alter Mann hinter einem Schreibtisch mit einer Uhr in der Hand.
Uhrmachermeister Werner Siebeneicher prüft die Uhren im Auftrag der Umschau.

Dass es sich um Schnäppchen handelt, wird dem Kunden durch wohlklingende Markennamen und der beworbenen Ersparnis gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers suggeriert, die zum Beweis auf der Internetseite des Herstellers gezeigt wird. Eine solche Sache lässt sich relativ einfach konstruieren. Vermutlich funktioniert das Geschäft ungefähr so: Zunächst lässt man sich beim deutschen Marken- und Patentamt für 300 Euro einen edlen Markennamen eintragen. Für wenig Geld werden aus Fernost qualitativ minderwertige Uhren in großen Stückzahlen bestellt. Nun wird eine repräsentative Internetseite programmiert. Auf dieser wirbt der Hersteller für sein Produkt und ordnet eine hohe unverbindliche Preisempfehlung zu. Über verschiedene Händler wird das Produkt um ein vielfaches günstiger angeboten. Einige Online- und Teleshopanbieter machen nun dem Verbraucher glauben, er müsse die UVP des Herstellers und das Angebot des Händlers miteinander vergleichen. So gewinnt er den Eindruck, ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Werben mit fragwürdigen UVPs

Dr. Friedrich Pfeffer von der Wettbewerbszentrale

Wir fragen den Verkäufer und Lieferanten nach der Werthaltigkeit der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. Der Teleshopsender "1-2-3.tv" teilt uns mit: "Bei allen UVPs, die wir verwenden, liegt uns eine schriftliche Bestätigung des Lieferanten vor (...)." Und der Uhren-Lieferant "Krug Baümen" erklärt uns: "Die Preise, die wir angeben, geben wahrhaftig und ehrlich den Wert unserer Uhren wieder. (…) Wir können nicht verantwortlich gemacht werden für die verlustreichen Rabattaktionen der Verkäufer." Die Juristen der Wettbewerbszentrale haben solche Schnäppchenpreise im Visier. "Die unverbindliche Preisempfehlung muss marktgerecht sein. Marktgerecht heißt, dass der Preis am Markt auch durchsetzbar sein muss. Das erwarte ich auch als Verbraucher. Wenn das nicht so ist, es also kein marktgerechter Preis ist, ist das Irreführung und verboten", erklärt Dr. Friedrich Pfeffer.

In der Realität gelten solche Irreführungen allerdings oft als Kavaliersdelikte und die Täter sind schwer zu verfolgen.

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2012, 09:57 Uhr

2. reinhard kempka:
Auch ich habe mehrere Uhren gekauft. -fast alle funktionieren noch, auch vom Anblick könnten sie gefallen, aber wehe dem man will umtauschen, am besten vorerst garnicht bezahlen, sondern versuchen zurück zuschicken. Fordern sie mal einen Retoureschein an, sie werden über Computerstimme angepöbelt, man verspricht später mündlich, diesen Schein per Internet oder Post zu schicken. Wundern sie sich nicht, wenn dieser Schein in einer nicht verständl. Sprache zu ihnen kommt, auch dauert das eine Ewigkeit, mehrmalige Korrespondenzen sind erforderlich. Warum will man das Pordukt nicht behalten, über Preisvergünstigung könne man reden und, und .... Außerdem ist die Anmache der sogen. Moderatoren- innen, derart primitiv und somit nicht Kunden würdig. Alle labern den gleichen Stuss. So etwas macht keine Freude, aber bei den "Herrgöttern" wie sie sich selbst sehen. Es gibt unter den Teleshops weitaus bessere und vertrauenswürdigere Anbieter
08.02.2012
17:09 Uhr
1. Enrico Gießmann:
Sehr geehrte Damen und Herren, habe mit großem Interesse Ihre Sendung verfolgt. 2 Uhren haben wir bei 123 TV gekauft. 1Minoir und 1Constantin Durmont. Beide waren nach cirka zwei Monaten kaputt.Sein Geld bekommt man nicht zurück sondern ein angebot etwas neues zu kaufen.Was aber nun wenn ich bei diesen Betrügern nichts mehr kaufen möchte.Da bleib ich nun auf dem Schaden sitzen und bin 250 euro ärmer. Kann man sich nicht irgendwo dagegen wären? mit freundlichen Grüßen
08.02.2012
11:24 Uhr

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