Umschau | 20.03.2012 | 20:15 Uhr : Test: Halten die Versprechen der Messe-Verkäufer?
Auf Verbrauchermessen versprechen Verkäufer einiges, um ihre Waren an den Mann oder die Frau zu bringen. Den Käufern bleibt nichts anderes übrig als diesen Versprechen zu vertrauen. Denn ob sie stimmen oder nicht, lässt sich vor Ort kaum überprüfen. Wir haben einige Produkte von Experten testen lassen - und dabei manche Überraschung erlebt.
An einem Stand wird ein Universalmesser "Blaues Wunder" für 20 Euro angepriesen. Der Verkäufer verspricht: "Dieses Messer ist superscharf und wird nie stumpf! Selbst wenn Sie dicke Knochen damit durchschneiden!"
Zum "Beweis" schneidet der Verkäufer in einen Nagel und in einen Hammerkopf. Zur Überprüfung des Versprechens lassen wir das Messer vom langjährigen Messerschmied Reinhold Schmied testen. Er versucht sich mit dem Messer an einem Hammer und einem Knochen. Beides schafft jedoch das angebliche "Wundermesser" nicht. Einen Nagel hingegen kann man auch mit einem einfachen Brotmesser für ein paar Euro durchschneiden. Und hat die Klinge bei dieser Prozedur ihre Schärfe behalten? "Bei unserem Test konnten wir feststellen, dass das Messer relativ schnell stumpf geworden ist. Es ist keineswegs so, dass dieses Messer immer so scharf bleibt", lautet das Fazit des Experten.
Mit diesem Testergebnis konfrontieren wir beim zweiten Messebesuch den Verkäufer. Wir haben einen eigenen Hammer mitgebracht und bitten den Händler, den zu schneiden. Er weigert sich jedoch und tut unsere Kritik als "Kinderkram" ab. Dem Vorwurf, das Messer bleibe nicht immer scharf, entgegnet er damit, dass unser Experte mit der falschen Seite geschnitten habe. Tatsächlich hatte der es aber mit beiden Seiten probiert. Beide wurden stumpf.
Massagekissen – Orthopäde warnt davor
Am nächsten Stand wird das Massagekissen "Biomed Quatro" für 150 Euro angeboten. Es hat vier rotierende "Massage-Köpfe" und wird warm. Verkäufer verspricht: "Das hilft gegen Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen! Das ist wie eine richtige Handmassage! Wird von Ärzten und Physiotherapeuten empfohlen". Der Physiotherapeut Markus Endert, der das Kissen für uns getestet hat, sieht das anders: "Das ist nicht auszuhalten. Ich denke, dass es eher Kopfschmerzen erzeugen wird als dass es Kopfschmerzen lindert." Der Orthopäde Dr. Marco Spielmann kommt zu dem gleichen Schluss: "Diese Massagekugeln sind relativ hart. Sie können nie die Hand eines Masseurs ersetzen. Das Risiko besteht, dass man die Beschwerden verstärkt. Wenn man das eine Viertelstunde im Rücken hat, dann tut das mehr weh." Auch zu diesem Stand gehen wir ein zweites Mal und konfrontieren den Messeverkäufer mit der Ärztemeinung. Doch der gibt sich überzeugt von seinem "Massagekissen": "Wir haben immer mehr zufriedene Kunden." Auf die Frage nach den Namen eines Arztes und Physiotherapeuten, der das Gerät empfohlen hat, verweist er auf seinen Chef. Über den Ratschlag unseres Orthopäden: "Besser nichts als das!", lacht der Verkäufer nur.
Teures Bambus-Fasertuch entpuppt sich als normaler Lappen
Der Verkäufer führt ein "Bambus-Fasertuch" zum Reinigen vor. Ein Set kostet 20 Euro. Das Versprechen lautet hier: "Das Bambustuch hier macht sofort quietschtrocken, das hat eine unschlagbare Saugkraft, denn Bambus ist eine Hohlfaser und kann deshalb besonders viel Wasser aufnehmen!" Hausputzexpertin Brigitte Thiel vom Hausfrauenverband weiß, ein gewöhnliches Mikrofasertuch für 0,75 Euro macht genauso sauber und nimmt sogar mehr Wasser auf. Zudem zeigt das Etikett des als "Bambus-Fasertuch" angepriesenen Lappens, dass es gar nicht aus Bambusfasern besteht, sondern zu 66 Prozent aus Polyester, zu 16 Prozent aus Polyamid und nur zu 18 Prozent aus "Viskose aus Bambus". "Beim Bambuskristalltuch wird der Verbraucher hinters Licht geführt", meint Hausputzexpertin Thiel. Dazu muss man wissen, dass Viskose eine Chemiefaser ist, deren Grundstoff aus Spänen gewonnen wird. Die Viskose-Eigenschaften sind dabei immer gleich, egal von welcher Pflanze der Grundstoff stammt. Das bestätigt die "Industrievereinigung Chemiefaser". Den Vorwurf, dass dieses Tuch nicht besser ist als andere, akzeptiert der Händler nicht. Stattdessen betet er immer wieder seine Werbeaussagen daher und behauptet weiter, dass Bambusholfasern enthalten sind.
Magnetschmuck ohne versprochene Heilwirkung
Die "Krönung" unseres Messebesuches ist der Stand mit "Magnetschmuck". Dort wird ein Armband für 33 Euro angepriesen. "Da sind Kupfer-Magnete eingearbeitet! Die helfen bei Kopfschmerzen, Arthritis oder Allergien. Und Sie kriegen einen richtigen Energieschub, wenn Sie das tragen", verspricht eine Verkäuferin. Unser Kollege trägt es tagelang. Doch von einem "Energieschub" merkt er nichts! Das verwundert den Internisten Dr. Wolfgang Heesch nicht: "Solche Produkte helfen nicht. Schon gar nicht gegen Arthritis oder Allergien. Es ist reiner Humbug und wissenschaftlich nicht belegt. Man sollte dem keinen Glauben schenken."
Die Messeverkäufer wollen davon allerdings nichts wissen. Wir fragen, wie das Armband wirken soll. "Wie das grundsätzlich funktioniert, kann ich nicht sagen", windet sich ein Verkäufer. Den fehlenden "Energieschub" beim Träger erklärt er mit zu wenig genossenen Getränken. Und dann überrascht ein Verkäufer mit der Behauptung, solche Magnete hätten in Decken schon vor tausend Jahren Pferde geheilt.
Fazit
Auf Messen wird viel versprochen, aber nicht alles gehalten. Das gilt besonders im Wellness- und Gesundheitsbereich. Viele der hier verkauften Produkte helfen nur den Verkäufern – beim Geldverdienen!
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