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Umschau | 08.01.2013 | 20:15 Uhr : Ostmieten auf Westniveau: Wo die Mieten steigen

Wer jetzt eine Wohnung mieten will, zahlt vielerorts erheblich mehr als noch vor wenigen Jahren. Wir waren in drei mitteldeutschen Städten und haben einmal die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt unter die Lupe genommen.

auf einem Plan eines Wohnungsgrundrisses liegen Wohnungsschlüssel und Geld

Christian Falkenberg ist Makler in Dresden. Über schlechte Geschäfte kann er sich nicht beklagen. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist derzeit groß. Das wirkt sich auch auf die Mieten aus. Ein Beispiel: Eine geräumige Wohnung in einer hochwertig sanierten Villa am Elbhang wird für stolze 14 Euro pro Quadratmeter vermietet - ohne Nebenkosten. Christian Falkenberg weiß, dass das vor wenigen Jahren noch ganz anders war:

"Vor drei Jahren lagen wir in der Vermietung zwischen 9,50 Euro und elf Euro. Es gibt also eine ganz klare Tendenz nach oben, die sich sicherlich in den Zuzugszahlen begründet. Dresden prosperiert, wächst und gedeiht und wird als Standort zum Leben, zum Wohnen immer attraktiver."

Christian Falkenberg, Immobilienmakler in Dresden

Mietpreise
Dresdens Mieten steigen.

Der Hauptgrund für die Preissteigerung ist also der knapper werdende Wohnraum.

Ähnlich sieht es in Dresden-Neustadt aus. Leerstehende Häuser oder Wohnungen gibt es nicht, dafür viele junge Familien. Zwar liegen die Preise hier nicht ganz so hoch wie am Elbhang, dennoch ist hat es auch hier in den letzten Jahren eine Steigerung um mindestens 20 Prozent gegeben, wie Christian Falkenberg erklärt: 

"Wir haben dort durch das junge Umfeld natürlich auch eine Bewegung in der Mietdauer, eine starke Fluktuation. Wenn dort Wohnungen frei werden, dann sind die sofort wieder vermietet."

Christian Falkenberg

Im Durchschnitt sind die Kaltmieten in der sächsischen Landeshauptstadt von 5,45 Euro auf 6,26 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Das Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht.

Jena ganz oben

Mietpreise
In Jena steigen die Mieten in Ostdeutschland mit am stärksten.

In Jena steigen die Mieten noch stärker. Eine 86 Quadratmeter große Wohnung in einem neugebaute Mietshaus wird zu einem Quadratmeterpreis von zehn Euro angeboten. Dabei liegt sie an einer befahrenen Straße und verfügt über keinen besonderen Luxus. "Noch vor vier bis fünf Jahren hätten wir so einen Neubau für maximal sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter vermieten können", beschreibt Makler Andreas Kästner die Entwicklung. 

Tatsächlich gehört Jena seit Jahren zu den Städten mit den höchsten Mietpreissteigerungen. Beim Mieterbund sieht man diese Entwicklung schon seit längerem kritisch, weil dadurch der Wohnraum für Studenten, Alleinerziehende oder Rentner kaum noch bezahlbar ist:

"Es wird immer schwieriger für Haushalte mit geringem Einkommen, die höheren Mieten zu zahlen. Gerade bei Rentnern merkt man, wenn Mieterhöhungen kommen, dass immer weniger zum Leben übrig bleibt."

Frank Beitz, Mieterbund Jena

2007 hat sich die "Umschau" schon einmal die Mietpreise in Jena angesehen. Makler Andreas Kästner zeigte uns damals eine kleine, aber sehr enge Wohnung mit einer schönen Dachterrasse. Der Quadratmeterpreis lag damals bei 7,50 Euro. Für diesen Preis wäre sie heute nicht mehr zu haben:

"Die Wohnung ist seit zwei Jahren neu vermietet - für neun Euro pro Quadratmeter. Würde man sie jetzt vermieten, wären mindestens zehn oder elf Euro drin."

Andreas Kästner, Immobilienmakler in Jena

Halle: Altbauten gefragt

Mietpreise
In Halle steigen vor allem bei Altbauten die Mieten.

Und wie sieht es in Halle aus? Auch in der Saalestadt, wo die Mieten im Durchschnitt noch bei moderaten 5,18 Euro pro Quadratmeter liegen, gibt es in einigen Vierteln einen deutlichen Sprung nach oben. Vor allem bei den attraktiven Altbauten, von denen es hier vergleichsweise wenige gibt zahlt man bei Neuvermietungen mehr als noch vor einigen Jahren. Immobilienmakler Alexander Retzlaff zeigt das am Beispiel einer 80 Quadratmeter großen Wohnung, die für 7,40 Euro vermietet wird:

"Hier hätten wir vor vier Jahren, wenn es hochkommt, Kaltmieten von 5,50 oder 5,70 Euro gehabt, so dass wir jetzt mit 7,40 Euro gut gestiegen sind. Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange."

Alexander Retzlaff, Immobilienmakler in Halle (Saale)

Halle liegt zwar weit hinter Jena und Dresden, aber es ist die Stadt mit den höchsten Kaltmieten in Sachsen-Anhalt. Gerade bei sanierten Altbauwohnungen sind die Mieten Alexander Retzlaff zufolge in den letzten fünf Jahren um 30 bis 40 Prozent gestiegen.

In den Plattenbauwohnungen zeigt sich das umgekehrte Bild. Hier steigen die Mieten kaum, dafür stehen viele Wohnungen leer.

Prognose: Teure Städte werden noch teurer

Bei den Mietpreissteigerungen in Ostdeutschland seit 2007 liegt allerdings Berlin mit 25 Prozent vorn, gefolgt von Weimar und Jena. Am stabilsten sind seit 2007 die Mietpreise in Zwickau, Cottbus und Greifswald geblieben. Doch ausgerechnet dort, wo die Preise bisher am meisten gestiegen sind, wird es wohl weiter nach oben gehen, prognostiziert Jens Zimmermann vom Verband der Immobilienwirtschaft für Jena

"In Jena, das als 'München des Ostens' bezeichnet wird, ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Gleiches gilt für Potsdam und Dresden. Hier wird es weitere Preissteigerungen geben."

Jens Zimmermann, Verband der Immobilienwirtschaft

Guter Wohnraum wird dort immer schwerer bezahlbar.

Wie sich die Mieten in deutschen Städten entwickelt haben, zeigen die folgenden Zahlen.

Ostdeutsche Städte mit den höchsten und den geringsten Mietpreissteigerung (Angebotsmieten kalt) zwischen 2007 und 2012
Stadt Mietpreissteigerung Mietpreis (€/m²)
2007
Mietpreis (€/m²)
2012
Berlin 1,38 €/24,95 % 5,53 6,91
Weimar 1,13 €/21,2 % 5,32 6,45
Jena 1,31 €/19,6 % 6,67 7,98
Erfurt 1,00 €/18,1 % 5,1 6,51
Potsdam 1,13 €/17,85 % 6,33 7,46
Dresden 0,81 €/14,8 % 5,45 6,26
Rostock 0,59 €/11,1 % 5,32 5,91
       
Greifswald 0,00 €/0 % 6,16 6,16
Cottbus 0,06 €/1,3 % 4,75 4,81
Zwickau 0,08 €/1,6 % 5,02 5,10
Plauen 0,08 €/1,8 % 4,51 4,59
Chemnitz 0,09 €/1,9 % 4,74 4,83
Brandenburg 0,11 €/2,1 % 5,18 5,29
    Quelle: Deutscher Mieterbund

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08.01.2013, 20:15 Uhr | 06:16 min

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2013, 21:39 Uhr

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