Umschau | 13.09.2011 | 20:15 Uhr : Mobbing in Österreich: Wie sich eine Ostdeutsche erfolgreich zur Wehr setzt
Man kennt sie aus dem Urlaub und aus launigen Filmen: Die schöne Gegend am Wörthersee. So mag es auch Cornelia B. aus Brandenburg zunächst als glückliche Fügung empfunden haben, dort heimisch zu werden und einen Job zu finden. Doch schnell wird klar: Die Atmosphäre auf Arbeit ist schlecht. Man mobbt die Ostdeutsche bis sie krank wird.
Vor drei Jahren findet Cornelia B. einen Job als Buchhalterin in einem Steuerbüro in einem Ort am Wörthersee. Doch sie muss sich erst in das österreichische Steuerrecht einarbeiten. Hilfe bekommt sie kaum. Stattdessen beginnen schon nach kurzer Zeit Mobbing-Attacken. Cornelia B. wird krank. Sie leidet unter Magenschmerzen, Durchfall und Schweißausbrüchen. Gutachter diagnostizieren später einen direkten Zusammenhang zwischen der Erkrankung und den Mobbingattacken des Arbeitgebers.
Als Cornelia B. zwei Wochen später an ihren Arbeitplatz zurückkehrt, gehen die Attacken des Arbeitgebers sofort weiter. Cornelia B. erkrankt erneut und wird gekündigt. Doch der Psychoterror hört nicht auf. Der Arbeitgeber zeigt sie an, sie soll Daten gestohlen und einen Millionenschaden verursacht haben. Sie wird zur Polizei geladen.
Gezielte Attacken gegen Ostdeutsche
Den Vorwurf des Datendiebstahls kann Cornelia B. schnell entkräften.
Sie wendet sich an die Arbeiterkammer, eine Art Gewerkschaft. Für die Anwältin ist der Fall so ungeheuerlich, dass sie empfiehlt, den Arbeitgeber auf Schmerzensgeld zu verklagen. In einer E-Mail an die Arbeitskammer hatte Cornelia B.s Arbeitgeber geschrieben: "Wir teilen ihnen mit, dass wir österreichische Staatsbürger sind und mit Ostdeutschen, die unser Sozialnetz ausnützen wollen, nichts zu tun haben wollen."
Doch woher stammen diese Vorurteile?
Seit Jahren arbeiten viele Ostdeutsche in Österreich – vor allem in Gastronomie und Tourismus. Manche Österreicher machen Stimmung gegen die Billigkräfte, behaupten, die Deutschen würden den Einheimischen die Jobs wegnehmen.
Ein Grundsatzurteil mit weitreichenden Folgen
Die "Umschau"-Reporter wollen den ehemaligen Chef von Cornelia B. sprechen. Doch Norbert H. wimmelt die Journalisten ab. Den Prozess gegen ihn verliert er in allen drei Instanzen. Der Oberste Gerichtshof fällt schließlich ein Grundsatzurteil in Sachen Mobbing und spricht Cornelia B. ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.900 Euro zu (AZ: 9 Ob A 132/10t). Michaela Eigner von der Arbeiterkammer Kärnten hält das Urteil für richtungsweisend:
Cornelia B. will mit ihrer Familie in Österreich bleiben. Sie hat neue Arbeit. Mit den Einheimischen kommt sie sonst gut aus. Die Attacken ihres Chefs erscheinen ihr heute wie ein böser Traum.
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