Umschau

Umschau extra | 01.01.2011 | 20:15 Uhr : Im Test: Rabatt-Versprechen der Möbelhändler

"Bis zu 60 Prozent", so lauten Rabatt-Versprechen vieler Möbelhäuser. Das klingt viel und lockt die Kunden in den Laden. Doch was ist dieses Versprechen wirklich wert. Wir machen den Test und lassen uns zu unterschiedlichen Rabatt-Aktionen für ein und dieselbe Küche ein Preisangebot unterbreiten.

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Am 26. September dieses Jahres waren wir im Möbelhaus Höffner und haben uns ein Angebot für eine Küche geben lassen. Zu dieser Zeit hatte das Möbelhaus damit geworben, bei einem Einkauf ab 5000 Euro einen Rabatt von 1444 Euro zu gewähren. Nach einigem Verhandeln und einem Gespräch mit der Chefin nennt uns der Verkäufer den Preis von 11.500 Euro. Er erklärt: "Und ich gebe Ihnen noch einen Warengutschein über 300 Euro dazu. Der Preis gilt aber nur, wenn Sie heute noch unterschreiben." Wir wollen uns nicht unter Druck setzen lassen und entscheiden uns dagegen.

Markenrabatt bis zu 60 Prozent lockt

Vier Wochen später gibt es bei Höffner eine neue Rabattaktion. Dieses Mal verspricht der Möbelkonzern: "zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer geschenkt" und "zusätzlich bis zu 60 Prozent Markenrabatt". Wir denken, dass unsere Küche so günstiger werden müsste als beim Besuch vier Wochen zuvor. Doch wir werden enttäuscht. Die angekündigten 60 Prozent wirken sich für uns nicht so preismindernd aus. Die Küche wird nicht erheblich billiger. "Das hat nichts mit dieser Werbung zu tun. Wir geben grundsätzlich immer bis zu 60 Prozent Markenrabatt", erklärt uns eine Verkäuferin.

Rabatt nur Werbetrick?

Wir haben den Verdacht, dass die 60 Prozent gar kein richtiger Rabatt sein könnten, sondern nur ein Lockangebot. Bestärkt wird unser Verdacht durch eine Äußerung eines Verkäufers. Er spricht offen von einem "Mondpreis", den er uns auf seinem PC-Bildschirm am Beispiel eines Schrankes erläutert. Damit konfrontieren wir Peter Brammen von der Wettbewerbszentrale. Er erläutert den Begriff "Mondpreis": "Davon ist immer dann auszugehen, wenn der höhere Normalpreis, auf den Bezug genommen wird, nicht auch eine angemessene Zeit vor Aktionsbeginn gefordert wurde. Feststellen kann man das ganze natürlich nur über eine sehr intensive und über einen längeren Zeitraum gehende Prüfung und Untersuchung vor Ort." Man müsste also unsere Küche über einen längeren Zeitraum beobachten und herausfinden, ob es eine rabattfreie Zeit gibt, in der sie bis zu 60 Prozent mehr kostet. Das haben wir gemacht.

Höffner wirbt ständig und ohne Pause mit Rabatten

Wir haben ein halbes Jahr lang von April bis Oktober 2011 die Rabattaktionen von Höffner dokumentiert. Das Ergebnis: Bei Höffner folgt eine Rabattaktion der anderen. Da wurden unter anderem mehrmals 19 Prozent Mehrwertsteuer geschenkt und gleichzeitig "bis zu 60 Prozent Markenrabatt" gewährt. Zwischendurch gab es Rabatt bei der "Sparmeisterschaft" und im Sommer wurde "Urlaubsgeld" geschenkt. Und selbst an den Tagen, die laut Prospekt rabattfrei waren, gab es Preisminderungen. Das haben wir vor Ort im Laden erfahren als der Rabattzeitraum laut Prospekt schon längst ausgelaufen war.

Prospekte über Möbelrabatte
Der Rabatt auf dem rechten Prospekt scheint größer zu sein. Trotzdem bekamen wir zu beiden Aktionen einen fast identsichen Preis.

Wettbewerbsexperte sieht Werbung mit Dauerrabatten kritisch

Zudem waren wir fünfmal im Laden und haben uns immer für dieselbe Küche ein Angebot geben lassen. Trotz unterschiedlich hoher Rabattversprechen lag der Preis für die Küche immer zwischen 11.200 und 11.600 Euro. Und das, obwohl es mal "nur" 1.444 Euro Rabatt gab und zu einem anderen Zeitpunkt "bis zu 60 Prozent". Höffner-Geschäftsführer Thomas Dankert erklärt: "Sie haben bei der Küche, die Sie sich ausgesucht haben, auch immer diese 60 Prozent bekommen ..., weil wir in diesem Jahr für diesen Lieferanten diesen Markenrabatt aufrufen dürfen." Auf Nachfrage bestätigt uns Dankert, dass die Küche im ganzen Jahr nicht ohne den beworbenen Rabatt verkauft wurde. Diese Werbepraktik sieht der Experte Peter Brammen kritisch: "Das heißt, der um 60 Prozent erhöhte Verkaufspreis wurde zu keinem Zeitpunkt im gesamten Untersuchungszeitraum gefordert. Und das macht die Sache unlauter und irreführend."

Werbung mit fragwürdigen Markenrabatten branchenüblich

Aber Höffner ist nicht der Einzige, der mit spektakulären Rabatten wirbt. Auch Möbelhäuser wie Porta, Roller oder Möbel XXXL tun das. Wer nicht so wirbt, sei nicht wettbewerbsfähig, sagt uns der Höffner-Geschäftsführer. "Ich habe das Gefühl, der Kunde will handeln. Diesen anständigen Preis, an dem der Kunde etwas hat und wir auch, den will er gar nicht. Er will einen sehr günstigen Preis erzielen, und er will handeln. Und darauf lassen wir uns ein", meint Dankert.

Verbraucher-Tipp

Unser Test hat gezeigt. Man sollte sich von solchen Werbeversprechen nicht blenden lassen. Was viel mehr zählt, ist das Verhandlungsgeschick. Das beste Angebot haben wir ausgehandelt, als wir mit einem Angebot der Konkurrenz gedroht haben.

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2011, 19:50 Uhr

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