Umschau

Umschau extra | 20.12.2011 | 20:15 Uhr : Paketdienste: Kommen zerbrechliche Weihnachtsgeschenke heil an?

Kurz vor Weihnachten haben die Paketdienste alle Hände voll zu tun. Viele Geschenke müssen noch zu ihren Empfängern. Dort sollen sie möglichst schnell, kostengünstig und unversehrt ankommen. Die "Umschau" hat eine Stichprobe gemacht.

Paketdienst

Für unsere Stichprobe packen wir mehrere 6,5 Kilo-Pakete, u.a. mit zerbrechlichen Dingen wie Schokoladenweihnachtsmänner, Glasweihnachtsbaumkugeln und Glühweinflaschen. Wir sorgen jedoch vor und polstern alles gut aus, damit beim Verladen keine Schäden entstehen. Bei solchen Arbeiten fällt ein Paket schon mal etwas unsanft. Doch die Paketdienste geben an, dass die zu erwartende Fallhöhe nur 80 Zentimeter bis 1,10 Meter beträgt. Ob sie diese Vorgabe einhalten, wollen wir überprüfen. Dazu rüsten wir alle Pakete mit je einem sogenannten Schockrekorder und zwei Einweg-Schockindikatoren aus. Der Rekorder zeichnet die Stöße auf, denen unsere Pakete während des Transportes ausgesetzt sind. Die Schock-Indikatoren verfärben sich, wenn die Pakete aus unzulässigen Höhen fallen gelassen werden. Unsere Testkandidaten sind die Paketdienste DHL, DPD, GLS, GTS, Hermes und UPS.

Unklare Preisstrukturen bei UPS

Wir verschicken unsere Testpakete von Jena aus. Die meisten Paketdienste haben Annahmestellen in kleinen Läden. GTS und UPS holen die Pakete ab. Am preiswertesten werden wir unsere Fracht bei Hermes los. Dort zahlen wir 6,30 Euro. Nur unwesentlich teurer ist es bei DPD und DHL. Dort verlangt man 6,50 Euro bzw. 6,90 Euro für die Beförderung der Pakete. GTS und GLS kosten mit 9,52 Euro bzw. 9,90 Euro deutlich mehr. UPS verlangt bei der Buchung im Internet 9,87, kassiert beim Abholen jedoch 13,30 Euro. Zur Begründung heißt es: Das Paket sei vier Zentimeter größer als von uns bei der Bestellung angegeben. Das wundert uns, denn wir hatten korrekte Maße übermittelt. Aber es gibt noch einen zweiten Grund für den höheren Endpreis. Bei UPS wird zunächst nur der Netto-Preis angegeben. Die Mehrwertsteuer wird erst bei der Abbuchung dazu addiert. Ein absolut unzulässiges Geschäftsgebaren, meinen Verbraucherschützer. Sie wollen deshalb gegen UPS vorgehen.

"Der Kunde muss nachvollziehen können, welche Kosten ihm entstehen. (…) Denn daraus resultiert dann die Entscheidung, bestell ich bei dem Unternehmen oder bei einem anderen."

Kathrin Körber, Verbraucherzentrale

Zertrümmerte Weihnachtsmänner

Die ersten drei Pakete erreichen den 300 km entfernten Bestimmungsort am nächsten Tag. UPS liefert die Sendung nach 26 Stunden ab, gefolgt von GTS und GLS. Doch der Inhalt aller drei Pakete hat den Transport nicht unbeschadet überstanden. Sowohl Schockrekorder als auch Schockindikatoren zeigen an, dass die Pakete nicht mit Samthandschuhen angefasst worden sind.

Am zweiten Tag liefern DHL, DPD und Hermes die restlichen Pakete aus. Auch hier ist in jedem Paket mindestens ein Teil kaputt.

"Dann kriegt die ihr Paket eben erst nach Weihnachten …"

In einer zweiten Testrunde geben wir vor, nicht zu Hause zu sein. Auch die Nachbarn sollen den Boten nicht öffnen. Die Paketboten von GLS, DHL und GTS hinterlassen eine Benachrichtigung und hinterlegen die Pakete in ihren Filialen. Die Boten von Hermes und UPS geben ihr Sendungen in einer Gaststätte nebenan ab und hinterlassen eine Nachricht für den Empfänger. Der UPS-Bote braucht allerdings eine Weile, um das Paket in der Gaststätte zu hinterlegen. Zunächst reagiert er genervt, als ihm niemand öffnet und meint: "Macht denn hier keiner auf? Na ja, mir egal. Dann kriegt die ihr Paket eben erst nach Weihnachten."

Der DPD-Bote trifft im unverschlossenen Hausflur einen Nachbarn, lässt ihn für das Paket unterschreiben, stellt die Sendung dann jedoch einfach im Flur ab.

Als wir die Pakete abholen und öffnen, bietet sich uns wieder kein schöner Anblick. Bruch, wohin unser Auge schaut. Der Schockrekorder liefert die Erklärung: Bei UPS, DHL und DPD sind die Pakete aus Höhen von mehr als 1,20 Meter gefallen – bei GLS sogar aus Höhen von 1,89 Meter bis zwei Meter. Teure Geräte würden solche Stöße nicht ohne schwere Schäden überstehen.

Transportschaden: Die Beweislast liegt beim Kunden

Nach Angaben der Paketdienste handelt es sich bei den Schäden um bedauerliche Einzelfälle. Für die viel zu großen Fallhöhen haben sie keine Erklärung. Grundsätzlich würden sie für alle Transportschäden haften – vorausgesetzt, der Kunde habe alles ordnungsgemäß verpackt. Katrin Köber von der Verbraucherzentrale sieht das nicht so optimistisch:

"Für den Verbraucher ist es aber schwierig, zu beweisen, dass er die Ware ordnungsgemäß verpackt hat. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn das Paket äußerlich ganz und nur der Inhalt beschädigt ist."

Kathrin Körber, Verbraucherzentrale

Wer Ärger aus dem Weg gehen will, sollte deshalb zerbrechliche Dinge in Paketen besonders sorgfältig verpacken.

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Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2011, 16:39 Uhr

3. MDR.DE-Redaktion:
@Jörg Busian: Laut Informationen der Redaktion Wirtschaft/ Verbraucher haben die Schockrekorder im Test gezeigt, dass die Pakete aus unzulässigen Höhen fallen gelassen wurden - unabhängig davon, wie die Gegenstände verpackt wurden. Zudem wird bei den Szenarien von der Lebenswirklichkeit der privaten Haushalte ausgegangen. In der Regel verfügen die nicht wie professionelle Versender über das Experten-"Know how" und -material. Wenn Pakete durch den Transport Quetschungen und Löcher bekommen, hilft da wohl auch die beste Verpackung nichts. Viele Grüße die MDR.DE-Redaktion
22.12.2011
15:13 Uhr
2. Jörg Busjan:
Als Betreiber eines MBE-Centers (Versandpartner von UPS) bin ich wirklich über die Unprofessionalität Ihres Tests erstaunt. Wir beobachten zwar täglich, dass gerade private Kunden geknülltes Zeitungspapier als ausreichendes Polstermaterial empfinden, aber dies ist in Zeiten automatisierter Paketsortierung nun mal nicht geeignet. Insofern verwundert es nicht, dass die gewählte Mischung unterschiedlicher Versandgüter beschädigt wird. Wir als Verpackungsprofis verwenden für solche Anforderungen entsprechend geeignetes Innenverpackungsmaterial und ich würde eine Garantie dafür geben, dass es dann auch fast nicht mehr zu Beschädigungen kommen kann, es sei denn, dass Paket wird überrollt. Insgesamt ein völlig überflüssiger Test, der auf völlig falschen Voraussetzungen aufgebaut ist. Ihr Paketinhalt wäre vermutlich sogar im Kofferraum eines PKW nach einer starken Bremsung auf dem Weg zum nächsten Versandshop in Teilen kaputt gegangen.
21.12.2011
13:16 Uhr
1. Ilona Ullmann:
Wir haben den Beitrag zum Thema Paketdienste mit großem Interesse gesehen. Dazu aber eine Anmerkung aus eigener Erfahrung. Wir verschicken seit 3 Jahren Topfpflanzen, auch blühend, mit DHL. Wir benutzen eine gute Innenverpackung und können sagen, das so ca. 98 % der Pakete unbeschädigt beim Empfänger ankommen, und das fast immer am Folgetag. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit DHL, das sollte auch mal gesagt werden. Wir danken dem Team von Umschau für die interessanten Beiträge und wünschen ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches und zuschauerstarkes 2012. Ihre Familie Ullmann
21.12.2011
10:16 Uhr

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