Umschau | 16.08.2011 | 20:15 Uhr : Parfüm-Preise: Wie Hersteller Wettbewerb verhindern wollen
Beliebte Düfte haben fast immer den gleichen Preis. Das liegt an den vertraglichen Vorgaben der Hersteller. Dennoch lassen sich auch Schnäppchen finden. Doch Billiganbieter sind den Herstellern ein Dorn im Auge.
Ein Flakon mit einem Duft von Yves Saint-Laurent kostet in Warenhäusern und Parfümerien um die 109 Euro. Nur wenig weichen die einzelnen Anbieter im Preis voneinander ab. Es scheint, als sei der Spielraum hier sehr gering. Dennoch gibt es auch "Ausreißer". Bei einem Drogeriediscounter etwa wird das gleiche Produkt für 45 Euro - weniger als die Hälfte - verkauft. Ähnliches lässt sich bei Düften von Boss, Calvin, Joop und anderen Parfümeuren beobachten. Auch hier werden die einzelnen Düfte von autorisierten Händlern zu nahezu einheitlichen Preisen angeboten - und dennoch gibt es einzelne Drogerien und Internetshops, die diesen Preis erheblich unterbieten.
Geschäfte im Hintergrund
Nach dem Willen der Hersteller sollen die Parfums auf einem von ihnen bestimmten Preisniveau verkauft werden. Abweichungen von ihrer Unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) lassen sie nur in geringem Maße zu. Darum beliefern sie auch nur autorisierte Händler. Billiganbieter können teure Parfums dagegen nicht direkt vom Hersteller beziehen, da ihre Preisgestaltung nicht den Vorstellungen der Hersteller entspricht. Wie aber kommen dann die Waren in ihren Bestand? Hier kommen europäische Zwischenhändler ins Spiel, die überschüssige Bestände aufkaufen. Ein Insider, der wie die meisten Händler auf dem sogenannten Graumarkt unerkannt bleiben will, erklärt das genauer:
Hersteller wehren sich
Über den Graumarkt kommt der Händler sehr günstig an Parfümsorten, die ansonsten sehr teuer sind - und kann sie günstig seinen Kunden anbieten. Das ist völlig legal, denn innerhalb der EU darf der freie Handel nicht behindert werden, und das gilt auch für die großen Markenparfüme. Doch weil Billigangebote ihre Preisvorgaben untergraben, wollen autorisierte Händler und die Hersteller den Graumarkthandel unterbinden. Martin Ruppmann vom Kosmetikverband VKE erläutert das Vorgehen:
Diese Codes sind oft erst unter UV-Licht zu erkennen. Mit Testkäufen versuchen sie, dem Ursprung der Ware auf die Spur zu kommen. In dem sie ihre Ware nach Codes absuchen und diese entfernen, versuchen die Händler wiederum, die Spur zu verwischen.
Wer also in der Drogerie oder beim Discounter ein teures Parfüm zu einem unschlagbar günstigen Preis entdeckt, darf davon ausgehen, dass es sich um Originalware handelt. Für das Schnäppchen muss er aber auf Beratung verzichten. Und weil unautorisierte Händler nur die Düfte anbieten können, die gerade auf dem Graumarkt verfügbar sind, ist bei ihnen das Sortiment auch sehr begrenzt.
