Umschau | 15.05.2012 | 20:15 Uhr : Parfümplagiate: Auf welchen Wegen die Fälschungen geschmuggelt werden
Der Handel mit gefälschten Marken-Parfüms blüht. Den Herstellern der Originalware entstehen dadurch Jahr für Jahr Verluste in Millionenhöhe. Sie sehen dem Treiben der Kriminellen deshalb nicht tatenlos zu. Ermittler versuchen Fälscher und Verkäufer von Plagiaten aufzuspüren und erstatten Anzeige gegen sie.
Einer dieser Plagiat-Jäger ist Guido Baumgartner. Er ist Chefermittler bei Coty. Dem Parfümriesen gehören bekannte Marken wie Jil Sander, Davidoff oder Joop. Guido Baumgartner ist Leiter der Abteilung Markenschutz. Er hat bereits eine ansehnliche Sammlung von Parfümplagiaten. Oft seien die Fälschungen plump, manche jedoch so gut gemacht, dass man sie kaum noch von den Originalen unterscheiden könne, meint Guido Baumgärtner. Käufer würden oft auch getäuscht, indem man die Namen der Originale verändere. Statt Davidoff heiße ein Plagiat dann Deveboff oder Dooidaff.
Hauptproduzent von Parfumfälschungen in Europa ist die Türkei. Fast jede zehnte Fälschung stammt von dort. Ware, die auch nach Deutschland gelangt.
Verdeckte Ermittler auf den Spuren der Plagiathändler
Die Fälschungen aus der Türkei werden im großen Stil auf Asia-Märkten in Osteuropa gehandelt. Dort ermittelt im Auftrag von Guido Baumgartner ein verdeckter Ermittler. Auf einem Markt in Prag geht er auf die Suche nach Plagiaten. Dieser Großmarkt wird von organisierten Banden beherrscht. Nach Angaben des verdeckten Ermittlers ist der Handel mit Plagiaten grundsätzlich für alle Arten von kriminellen Strukturen interessant. Plagiathandel sei weniger riskant als der Drogen- oder Menschenhandel.
Insgesamt 18 Fälschungen findet Detektiv. Sie kosten nicht einmal ein Zehntel des Preises der Originale. Diese Beweise liefert der Detektiv bei Chefermittler Baumgartner ab. Gegen den organisierten Handel mit Plagiaten bleibt ihm nur ein Weg: Er stellt Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.
Hauptvertriebsweg Internet
Der Hauptvertriebsweg für Fälschungen ist das Internet. Robert Eck fahndet im Auftrag von Chefermittler Baumgartner im Netz nach den kriminellen Händlern. Er geht davon aus, dass rund zehn Prozent der im vergangenen Jahr auf Ebay verkauften Parfüms Fälschungen waren. Das entspricht einem Umsatz von 9 Millionen Euro.
Der Detektiv hat ein Programm entwickelt, das mögliche Fälscher enttarnt. Auf Ebay hat er im ersten Schritt über 19.000 Parfums gefunden, die Plagiate sein könnten. Die Suche wird verfeinert. Am Ende bleiben acht Händler, die unter dringendem Verdacht stehen. Robert Eck schaut sich einen der Händler genauer an. Wir bestellen bei ihm ein Parfum, vier weitere bei anderen Händlern. Eine Woche später trifft die bestellte Ware ein. Robert Eck untersucht die Parfums. Der Flacon eines Paco Rabanne 1 Million ist billig. Die Produktionsnummer auf dem Flacon ist nicht identisch mit der Nummer auf der Verpackung. Das sei typisch für Fälschungen.
Robert Eck spürt einen der Verkäufer in der Nähe von Meißen auf. Doch niemand öffnet die Tür. Der Händler ist bereits seit 2009 aktiv. Ihm droht eine Abmahnung von 3.000 Euro.
Ein Händler packt aus
Bei einem anderen Händler hat Internet-Detektiv Robert Eck Glück: Er trifft den Mann. Er hat noch weitere 100 Fälschungen verkauft. Das Parfüm bezieht er von einem Großhändler. Der Verkäufer wird vom Markeninhaber abgemahnt werden. Auch ihn kann das 3.000 Euro kosten.
Vorsicht: Gesundheitsgefahr
Das Herstellen und Vertreiben gefälschter Parfüms ist nicht nur Wirtschaftsvergehen. Die billigen Chemikalien, die die Fälscher nutzen, können auch die Gesundheit gefährden, sagt Internet-Detektiv Robert Eck. Die Flüssigkeit, die in der Fälschung drin sei, könne von Bakterien durchsetzt sein und mit Alkoholen, die zum Beispiel für die Lackverdünnung gedacht sind, versetzt sein. In manchen habe er auch Schwebeteilchen ausgemacht, von denen keiner weiß, was es ist.

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