Umschau | 24.07.2012 | 20:15 Uhr : Neuer Ausweis entpuppt sich als Nullnummer
Seit eineinhalb Jahren gibt es ihn - den neuen Personalausweis. Damit soll man vor allem Dienstleistungen von Unternehmen und Behörden im Internet nutzen können. Wir haben getestet, wie weit man damit kommt.
Der neue Personalausweis kostet 28 Euro und soll den Alltag leichter machen. Das verspricht ein Werbespot der Bundesregierung. Danach kann man im Netz:
- sicher einkaufen
- online Amtsgänge erledigen und elektronisch unterschreiben
- seine Daten in sozialen Netzwerken besser schützen.
Wer diese Funktionen nutzen möchte, benötigt ein Lesegerät. Das überträgt die Ausweisdaten an den Computer und kostet 35 Euro.
Sicher einkaufen – wird kaum angeboten
Onlineshops, die den neuen Personalausweis als Identifikationsmittel akzeptieren, zeigen dies durch ein neues Logo. Mit Perso statt Passwort einkaufen, das klingt gut. Doch in der Praxis gibt es kaum einen Onlineshop, der das Logo hat, auch nicht die großen Anbeiter wie Ebay, Amazon und Zalando. Wolfgang Wentzel vom Bundesverband der Online-Händler erklärt, dass seine Mitglieder den neuen Ausweis eher skeptisch sehen. Sie fürchteten, dass Unwissenheit und Ängste den Verkauf beeinträchtigen könnten. "Die Menschen sind verunsichert. Sie wissen nicht, ob man sich jetzt so ein Gerät hinstellen muss, was das kostet und ob die Daten wirklich sicher sind", so Wolfgang Wentzel.
Online Amtsgänge erledigen – funktioniert nicht
In der Werbung heißt es: "Für alle, die lieber online aufs Amt gehen, weil Sie plötzlich Kindergeld beantragen müssen." Bei der für das Kindergeld zuständigen Bundesagentur für Arbeit heißt es jedoch: "... dass eine Beantragung von Kindergeld mit der Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises nicht möglich ist." Einer der Gründe dafür ist, dass die angekündigte elektronische Unterschriftfunktion noch nicht funktioniert. Ein paar Behörden setzen schon auf den potenziellen Alleskönner, darunter das Kraftfahrt-Bundesamt, wo man tatsächlich seinen Punktestand in der Verkehrssünderdatei online abfragen kann. Die Antwort kommt allerdings schriftlich per Post.
Daten in sozialen Netzwerken besser schützen – Anbieter spielen nicht mit
Der Datenschutz in sozialen Netzwerken wäre besonders hilfreich für Nutzer von Facebook, Studi VZ oder Xing. Denn die Plattformen würden dann nur bestimmte Daten bekommen. Aber dafür müssten die Plattformen auch mitspielen. Studi-VZ schreibt: "Leider ist der elektronische Personalausweis derzeit kein Thema bei uns und wir können Ihnen daher kaum Informationen anbieten."
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