Umschau | 16.08.2011 | 20:15 Uhr : Vorsicht bei Pfifferlingen vom Supermarkt und Discounter
In Supermärkten und bei Lebensmitteldiscountern haben wir für eine Stichprobe Pfifferlinge gekauft. Die Pilze haben gerade Saison und zählen zu den Lieblinspilzen der Deutschen. Georg Müller hat für uns die Ware begutachtet. Er ist Sachverständiger von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Eine gute Qualität bei Pfifferlingen beschreibt er so: "Eigelbfarben, kaum ein Braun drin, so soll der Pilz sein." Dunkel verfärbt, aufgeweicht und wässerig sollte ein Pfifferling nach seinem Wissen dagegen nicht aussehen.
Fast alle Proben matschig und teilweise verschimmelt
Von sechs Einkäufen war nur die Ware von Edeka nach Meinung des Experten "bedingt verkehrsfähig". Fünf von 68 Pilzen fallen durch. Sie sind verfault oder angefault. Die Toleranzgrenze liegt bei zehn Prozent. Die Pilze aus den anderen Märkten stufte Georg Müller als "nicht verkehrsfähig" und bzw. oder "gesundheitsgefährdend" ein. In der Verpackung von Real ist jeder dritte Pilz angefault. Vier der Pilze sind sogar verschimmelt. So ist dem Sachverständigen zufolge fast ein Drittel der Ware bei Real ungenießbar. Auch bei den zum Rewe-Konzern gehörenden Märkten Toom und Penny entdeckt er etliche matschige Pilze. Bei Toom ist sogar einer verschimmelt. Toom und Penny entschuldigen sich und meinen, das Testergebnis "entspricht nicht unseren Qualitätsvorgaben." Leider "handelt es sich um ein Versäumnis im Markt". Auch Netto-Markendiscount bedauert das Ergebnis und spricht von einem absoluten Einzelfall.
Aldi: Kunden können schlechte Ware selbst aussortieren
Das Urteil für die Pfifferlinge von Aldi Nord ist ebenfalls "nicht verkehrsfähig" und "gesundheitsgefährdend". Der Grund dafür ist, dass die gesamte Probe verfault, verschimmelt und völlig verdorben ist. Das blanke Wasser steht teilweise in der Plastikverpackung. Aldi nimmt dazu wie folgt Stellung: Pfifferlinge seien leicht verderblich. Es könne daher vorkommen, "dass bei einzelnen Pfifferlingen trotz intensiver visueller Qualitätskontrollen der Zersetzungsprozess schneller als erwartet fortschreitet." Der Verbraucher könne ja "Teile minderer Qualität selbst aussortieren." Bei Aldi haben wir eine zweite Probe gekauft. Die Qualität war ähnlich wie beim ersten Mal. Einige Pilze sind erneut stark angeschimmelt.
Gefahren von Gammel-Pilzen
Um die Gefahr zu beschreiben, die von den als "gesundheitsgefährdend" eingestuften Pilzen ausgeht, lassen wir die Pilze von Dr. Andreas Schaper im Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen untersuchen. Er ist medizinischer Experte für Pilz-Vergiftungen: "Diese Pfifferlinge sind verdorben und das sieht man hier auch. Also, da kann ich als Mediziner nur ganz dringend vom Verzehr dieser Pilze abraten." Fieberschübe und schwere Magen-Darm-Probleme, also Übelkeit, Durchfall und Erbrechen können die Folge sein. "Wenn es sich um extrem verdorbene Pfifferlinge handelt, so ist es durchaus möglich, dass man lebensbedrohliche Vergiftungen erleiden und im schlimmsten Fall an so einer Vergiftung sogar sterben kann", so der Mediziner.
Ergebnis
Fünf von sechs Proben wurde als "gesundheitsgefährdend" eingestuft. Das ist ein alarmierendes Ergebnis. Pilz-Sachverständige Georg Müller meint: Wer so etwas verkauft, spielt mit der Gesundheit der Verbraucher, überhaupt keine Frage. Hinzu kommt, dass hier die Gesundheitsfürsorge des Staates überhaupt nicht greift: So etwas muss bei Kontrollen auffallen."
