Umschau | 13.03.2012 | 20:15 Uhr : Nachahmer-Produkte – Die Tricks der Hersteller
Sie sehen aus wie Markenprodukte, entpuppen sich aber als Imitate. Nachahmerprodukte sind ein Ärgernis für die Hersteller und erreichen oft nicht die Qualität des Originals. Doch den Plagiaten ist schwer beizukommen.
Wenn sich etwas gut verkauft, ruft das auch Nachahmer auf den Plan. Um am Erfolg der anderen mitzuverdienen, bringen sie ähnliche Produkte auf den Markt. Um die Kunden zu täuschen, wird nicht selten ein ähnlicher Name wie den des Originalprodukts oder des Herstellers kreiert: So wird aus "Tempo" auf einmal "Tampu", aus "Grohe" entsteht "Grohi" und statt "Smarties" werden "Smorties" verkauft. Das hat einen guten Grund:
Christine Lacroix ist Geschäftsführerin "Aktion Plagiarius". In der haben sich viele Hersteller zusammengeschlossen, um auf derartige Fälschungen aufmerksam zu machen. Solche kommen immer wieder in den Einzelhandel. Zunehmend und in großem Maße tauchen Plagiate auch im Internet auf. Da gibt es zum Beispiel ein Mobiltelefon das äußerlich wie ein iPhone aussieht und darum wohl nicht zufällig als "hi-phone" verkauft wird. Das kostet 80 Euro, das Original das Zehnfache. Den Unterschied erkennen Verbraucher meist erst auf den zweiten Blick. Dafür merkt aber der Fachmann gleich, was mit dem falschen Smartphone nicht stimmt:
Doch auch wenn die Markennamen nicht eins-zu-eins übernommen werden, besteht Verwechslungsgefahr. Damit drohen den Fälschern Geld- oder Gefängnisstrafen. Christian Köhler vom Markenverband Berlin erklärt die Rechtslage:
Nicht selten kommen die Plagiate aus Fernost. Darum kommen die Hersteller der Originale oft nicht an die Hintermänner heran. Doch auch den Händlern in Deutschland droht eine Bestrafung. Sie versuchen darum, ihre Spuren zu verschleiern, wie zum Beispiel der Verkäufer der falschen iPhones.
Auch Parfums werden imitiert. Ein deutscher Hersteller bringt zum Beispiel Düfte auf den Markt, die schon rein äußerlich einem Markenduft ähneln. Dem Flakon des Eau de Toilette von "Boss" sieht der des Billigdufts "Bodo" ähnlich. Dafür kostet „Bodo“ aber nur rund ein Fünftel. Gehandelt wird das Parfum im Internet, darunter auch in den gängigen Shops. Und wie riecht "Bodo"? Auf den ersten Atemzug tatsächlich so ähnlich wie das Original. Dieser Geruch verfliegt allerdings schnell, wie auch Parfüm-Händlerin Monika Schulze feststellt:
Der Hersteller von "Bodo" mixt seine Kreationen in einem Hinterhof. Den Plagiatsvorwurf weist er gegenüber dem Umschau-Team von sich. Er behauptet, es handele sich bei "Bodo" um einen eigenständigen Duft. Und auch von dem ähnlichen Design wisse er nichts. Also alles reiner Zufall, und auch dass die ebenfalls so ähnlich riechen, wie Marken-Parfüms.
Teure Düfte bestehen oft aus hunderten Komponenten. Kopien lassen sich schon allein deswegen schwer belegen, weil Nachahmer meist auf billige Ersatzstoffe zurückgreifen. Ärger droht ihnen dennoch! Denn oft ist auch das Verpackungs-Design bekannter Düfte ebenso geschützt, wie der Markenname. Um dem zu entgehen, werden oft Details im Namen verändern. Ob eine Rechtsverletzung vorliegt, müssen die Gerichte darum von Fall zu Fall entscheiden.
Fazit
Imitiert wird alles, was Geld bringt! So reichen Plagiate mittlerweile von Massen-Artikeln bis hin zu Nischen-Produkten. Doch längst nicht können die dreisten "Produkt-Piraten" auch belangt werden.




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