Umschau | 04.09.2012 | 20:15 Uhr : Edel-Plagiate
Es ist noch gar nicht lange her, da galt es als sicher, dass ein Plagiat nie die Qualität eines echten Markenprodukts erreichen wird. Doch Plagiate werden immer besser, weil der Fälschermarkt hart umkämpft ist. Die Umschau will wissen: wie gut sind Fälschungen heutzutage wirklich?
Hochwertige Smartphones sind teuer. Für ein iPhone beispielsweise muss man mindestens 640 Euro zahlen. Doch es geht deutlich preiswerter.
Eine Web-Seite aus China verspricht für 200 Euro die "beste iPhone-Kopie", das V5 3G. Das Gerät vereint laut Anbieter das edle iPhone-Design mit den Vorzügen des Google-Betriebssystems Android. Wir ordern und halten das Smartphone zwei Wochen später in den Händen. Es macht einen edlen Eindruck. Das bestätigt uns auch der Handyverkäufer, von dem wir das Plagiat mit einem Original vergleichen lassen. Optisch sei das Plagiat absolut nicht vom Original zu unterscheiden. Und auch technisch mache es einen sehr guten Eindruck.
Trotz der guten Qualität der Fälschung rät der Fachmann vom Kauf ab, denn man habe weder Gewährleistung noch Garantie. Und wenn der Zoll gefälschte Ware aufspürt, zieht er sie ein und der Kaufpreis ist weg.
"Marken-Kopfhörer" zum halben Preis
Eine andere Web-Seite offeriert besonders angesagte Kopfhörer der Marke "Monster Beats" für 118 Euro. Offenbar eine Fälschung, denn das Original kostet knapp doppelt soviel. Auch diese Ware aus China lassen wir wieder von einem Fachmann begutachten. Er ist überrascht: Das Plagiat ist bis auf das Logo vom Original nicht zu unterscheiden. Auch bei der Hörprobe macht die Fälschung einen guten Eindruck.
Edel-Plagiate auf dem Basar
Doch hochwertige Fälschungen finden wir nicht nur im Internet, sondern auch auf Märkten und Geschäften in der Türkei. In einem Jeans-Shop empfiehlt uns der Verkäufer eine "Hilfiger"-Jeans für 50 Euro. Eins zu eins wie das Original, sagt er. Das würde jedoch rund 120 Euro kosten. Nach seinen Angaben stammt die Jeans aus derselben Fabrik, in der auch die Originale hergestellt werden. Die Plagiate würden dort nebenbei hergestellt.
In der Modebranche ist es längst ein offenes Geheimnis, dass viele Fälschungen in den Originalfabriken produziert werden – illegal, mit kleinen Veränderungen im Design.
Wir legen die Jeans in Deutschland einer Fachfrau zur Begutachtung vor. Sie erkennt die Hose als Kopie eines älteren Hilfiger-Modells.
Eine "Rolex" für 65 Euro
Auf dem türkischen Markt kaufen wir auch eine "Rolex". Statt 6.000 Euro zahlen wir nur 65 Euro. Das Glas sei absolut kratzfest, versichert der Verkäufer. Ein deutscher Uhrmachermeister vergleicht Fälschung und Original. Er ist überrascht – nicht nur von der täuschend echten Optik.
Ein Blick ins Innere der falschen Rolex zeigt jedoch, das es sich um ein Plagiat handelt. Das mechanische Uhrwerk ist eines der einfachsten Sorte. Lebensdauer ungewiss.
Fazit
Plagiate hochwertige Markenartikel werden immer besser! Doch sie zu kaufen ist ein Risiko. Selbst wenn die Ware durch den Zoll kommt, hat man weder Gewährleistung noch Garantie. Vertragshändler reparieren Fälschungen nicht!
Und es gibt noch einen anderen guten Grund, von solchen Fälschungen die Finger zu lassen, egal ob sie nebenbei in der Original-Fabrik oder von Hinterhof-Fälschern produziert werden, meint Dr. Alexander Dröge vom Markenverband Berlin.

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