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Umschau extra | 13.11.2012 | 20:15 Uhr : Edel-Plagiate

Es ist noch gar nicht lange her, da galt es als sicher, dass ein Plagiat nie die Qualität eines echten Markenprodukts erreichen wird. Doch Plagiate werden immer besser, weil der Fälschermarkt hart umkämpft ist. Die Umschau will wissen: wie gut sind Fälschungen heutzutage wirklich?

Umschau Plagiate

Hochwertige Smartphones sind teuer. Für ein iPhone beispielsweise muss man mindestens 640 Euro zahlen. Doch es geht deutlich preiswerter.

Eine Web-Seite aus China verspricht für 200 Euro die "beste iPhone-Kopie", das V5 3G. Das Gerät vereint laut Anbieter das edle iPhone-Design mit den Vorzügen des Google-Betriebssystems Android. Wir ordern und halten das Smartphone zwei Wochen später in den Händen. Es macht einen edlen Eindruck. Das bestätigt uns auch der Handyverkäufer, von dem wir das Plagiat mit einem Original vergleichen lassen. Optisch sei das Plagiat absolut nicht vom Original zu unterscheiden. Und auch technisch mache es einen sehr guten Eindruck.

"Dieses Plagiat ist nicht nur optisch, sondern auch technisch sehr hochwertig. Retina-Display, Kamera- und Videofunktion funktionieren einwandfrei und die Software und das Display laufen sehr flüssig. Wenn ich diese beiden Geräte Mal anschaue, erweckt das den Eindruck, dass die auf den gleichen Maschinen hergestellt wurden."

Marcel Sommer, Fachmann für Mobiltelefone

Trotz der guten Qualität der Fälschung rät der Fachmann vom Kauf ab, denn man habe weder Gewährleistung noch Garantie. Und wenn der Zoll gefälschte Ware aufspürt, zieht er sie ein und der Kaufpreis ist weg.

"Marken-Kopfhörer" zum halben Preis

Eine andere Web-Seite offeriert besonders angesagte Kopfhörer der Marke "Monster Beats" für 118 Euro. Offenbar eine Fälschung, denn das Original kostet knapp doppelt soviel. Auch diese Ware aus China lassen wir wieder von einem Fachmann begutachten. Er ist überrascht: Das Plagiat ist bis auf das Logo vom Original nicht zu unterscheiden. Auch bei der Hörprobe macht die Fälschung einen guten Eindruck.

"Im klanglichen Vergleich ist ein Unterschied sehr schwer auszumachen. Beide liegen für mich klanglich auf demselben Niveau."

Dennis Hesse, Fachverkäufer HiFi-Geräte

Edel-Plagiate auf dem Basar

Doch hochwertige Fälschungen finden wir nicht nur im Internet, sondern auch auf Märkten und Geschäften in der Türkei. In einem Jeans-Shop empfiehlt uns der Verkäufer eine "Hilfiger"-Jeans für 50 Euro. Eins zu eins wie das Original, sagt er. Das würde jedoch rund 120 Euro kosten. Nach seinen Angaben stammt die Jeans aus derselben Fabrik, in der auch die Originale hergestellt werden. Die Plagiate würden dort nebenbei hergestellt.

In der Modebranche ist es längst ein offenes Geheimnis, dass viele Fälschungen in den Originalfabriken produziert werden – illegal, mit kleinen Veränderungen im Design.

Wir legen die Jeans in Deutschland einer Fachfrau zur Begutachtung vor. Sie erkennt die Hose als Kopie eines älteren Hilfiger-Modells.

"Ich kann leider keine Mängel feststellen. Nichts, null, gar nichts. Noch nicht Mal ein Unterschied von den Farben, von dem Schriftzug. Die Qualität der Jeans ist super gut, sehr gut verarbeitet, die Nähte schön grade, alles schön gewaschen, die Griffigkeit sensationell, also wer es nicht kennt, glaubt nicht, dass es ein 'Fake' ist!"

Elfi Schwarz, Inhaberin eines Modegeschäfts

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Produkt-Fälschungen werden immer besser

Erstklassige Plagiate sind auf dem Weg, Markenartikeln den Rang ablaufen. Beim Kauf sind sie dann nur noch schwer als Fälschungen auszumachen.

13.11.2012, 20:15 Uhr | 07:27 min

Eine "Rolex" für 65 Euro

Auf dem türkischen Markt kaufen wir auch eine "Rolex". Statt 6.000 Euro zahlen wir nur 65 Euro. Das Glas sei absolut kratzfest, versichert der Verkäufer. Ein deutscher Uhrmachermeister vergleicht Fälschung und Original. Er ist überrascht – nicht nur von der täuschend echten Optik.

"Keinerlei Kratzer! Also entweder ist es ein gehärtetes Mineralglas oder es ist tatsächlich ein Saphirglas. Die Fälschungen werden immer besser. Die Uhr ist tatsächlich aus Edelstahl, hat das entsprechende Gewicht und auch die Größe."

Werner Siebeneicher, Uhrmachermeister

Ein Blick ins Innere der falschen Rolex zeigt jedoch, das es sich um ein Plagiat handelt. Das mechanische Uhrwerk ist eines der einfachsten Sorte. Lebensdauer ungewiss.

Fazit

Umschau Plagiate
Dr. Alexander Dröge vom Markenverband Berlin

Plagiate hochwertige Markenartikel werden immer besser! Doch sie zu kaufen ist ein Risiko. Selbst wenn die Ware durch den Zoll kommt, hat man weder Gewährleistung noch Garantie. Vertragshändler reparieren Fälschungen nicht!

Und es gibt noch einen anderen guten Grund, von solchen Fälschungen die Finger zu lassen, egal ob sie nebenbei in der Original-Fabrik oder von Hinterhof-Fälschern produziert werden, meint Dr. Alexander Dröge vom Markenverband Berlin.

"Wir wissen, dass die organisierte Kriminalität ihr Geld sehr gerne mit Produkt- und Markenpiraterie verdient. Kein Mensch untersucht die Unternehmen oder diese Kriminellen, die diese Produkte irgendwo in China, möglicherweise durch Kinderarbeit unter Verletzung jeglicher Umweltstandards, herstellen. Sie unterstützen also immer auch solche kriminellen Organisationen!"

Dr. Alexander Dröge, Markenverband Berlin

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2012, 21:20 Uhr

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