Umschau

Umschau | 18.09.2011 | 20:15 Uhr : Neue versteckte Preiserhöhung durch Füllmengenreduzierung

Hersteller und Handel geben ungern zu, dass sie die Preise erhöhen. In Zeiten knapper Haushaltskassen könnte das die Kunden dazu bringen, zum preiswerteren Mitbewerberprodukt zu greifen. Um Preiserhöhungen zu verheimlichen, werden Preise versteckt erhöht. Der Trick: Der Preis, den viele Kunden in ihrem Kopf gespeichert haben, bleibt konstant, dafür wird aber der Inhalt reduziert. Nur wenn man Preis und Mengenangabe immer parat hat, fällt das auf. Noch trickreicher ist der Weg, nicht nur die Füllmenge zu reduzieren, sondern auch den Preis. Dabei wird aber der Preis nicht so stark gesenkt, wie der Inhalt vermindert wird. Das bemerkt man aber nur, wenn man neben Preis und Menge auch den Grundpreis kennt. Doch das schaffen auch die beste Hausfrau und der beste Hausmann nicht.

Die Unternehmen erklären zwar immer wieder, warum sie Preise erhöhen, aber nicht, warum sie das heimlich tun. Der Qualitätsstandard könne  bei laufenden Kostensteigerungen in der Produktion und gestiegenen Rohstoffpreisen nicht mehr nur durch interne Einsparungsmaßnahmen allein aufgefangen werden, heißt es nahezu immer. Der Schwarze Peter wird regelmäßig an den Handel weitergereicht. Als Hersteller würde man lediglich eine unverbindliche Empfehlung für die Ladenverkaufspreise aussprechen. Auf die Ladenpreise selbst habe man keinen Einfluss.

Hier einige aktuelle Beispiele für versteckte Preiserhöhungen durch Füllmengenreduzierungen.

Nur noch drei statt vier Teller Suppe

Unilever hat den Inhalt in der Tütensuppe "Knorr Suppenliebe – Königssuppe" reduziert. Eine Tüte reicht nicht mehr für vier, sondern nur noch für drei Teller. Der Preis ist auch gesunken. Von 0,75 Euro je Tüte auf 0,69 Euro. Doch rechnet man den Preis je Teller, zeigt sich, dass der Preis von 0,19 Euro auf 0,23 Euro, also um 22,7 Prozent gestiegen ist. Nach Angaben von Unilever wurden Geschmacksverstärker gegen hochwertigere, teuere Gewürzkomponenten ausgetauscht.

Weniger Tücher zum gleichen Preis

Die Penaten-Feuchttücher im 4er-Pack von Johnson & Johnson enthielten bislang 256 Tücher und kosteten 5,99 Euro (links). Der Preis ist immer noch derselbe, doch der Inhalt wurde auf 224 Tücher reduziert (rechts). Das entspricht einer versteckten Preiserhöhung von 14,3 Prozent. Der Hersteller begründet das mit gestiegenen Produktions- und Rohstoffkosten.

Das Kaffeekränzchen wird teurer

Real hat den Preis für das Gebäck "Kaffee Kränzel" erhöht. Doch das fällt auf den ersten Blick kaum auf. Nur wenn man die alte und die neue Tüte der Real-Eigenmarke Tip direkt gegenüberstellt, sieht man, dass die neue (rechts) geschrumpft wurde. Von 300 g auf 250 g. Mit einem konstanten Preis von 0,99 Euro ist der Preis um 20 Prozent gestiegen. Die Herstellerbegründung: steigende Produktions- und Rohstoffkosten.

Umschau_Mogeltheater
Umschau

Vorhang auf für's Mogeltheater

Die Hersteller haben sich wieder einiges einfallen lassen, um für Weniger Mehr zu bekommen. Mit den neuen Verpackungen schneidet der Verbraucher schlechter ab.

18.09.2012, 20:15 Uhr | 03:08 min

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2012, 21:20 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK