Umschau extra | 25.10.2011 | 20:15 Uhr : Prüfsiegel auf elektrischen Geräten
In Deutschland werden immer häufiger Produkte mit gefälschten Prüfsiegeln auf den Markt gebracht. Wir haben zehn Produkte getestet und dabei erschreckende Entdeckungen gemacht.
Wo "geprüfte Sicherheit" drauf steht, ist auch "geprüfte Sicherheit" drin. Das zumindest glauben viele Verbraucher in Deutschland und orientieren sich beim Kauf von Elektro-Geräten an den Prüfsiegeln deutscher Institute. Was viele nicht wissen: Immer öfter gelangen Produkte mit gefälschten Siegeln auf den Markt, die die Verbraucher in Sicherheit wiegen sollen. Mit versteckter Kamera waren wir auf Einkaufstour in ausgewiesenen Billig-Shops
Fünf von zehn Produkten fallen durch den Test
Insgesamt haben wir zehn Produkte für fünf bis 19 Euro gekauft, darunter einen Popcornmacher, einen Eiscrusher, einen Ventilator, einen Haartrimmer und einen Toaster. Elektrotechniker Michael Helbig hat sich für uns die Produkte näher angeschaut. Zwei davon dürften in Deutschland gar nicht verkauft werden. Ihnen fehlt die deutsche Bedienungsanleitung, die hierzulande Vorschrift ist.
Um die Geräte einem echten Härtetest zu unterziehen, blockiert Michael Helbig den Ventilator und den Eiscrusher mit einem Schraubenzieher. Ein gutes Gerät schaltet sich dann automatisch ab. Unser Ventilator besteht den Test, denn er geht nach zehn Minuten von alleine aus. Ganz anders sieht das bei dem Eiscrusher aus. Der Motor läuft weiter, Rauch steigt auf. Die Gehäusetemperatur steigt auf 72 Grad. Die Popcornmaschine erhitzt sich sogar bis auf 150 Grad. Es drohen schwerste Verbrennungen.
Prüfsiegel alleine garantieren keine Sicherheit
Auch der Toaster macht nicht den besten Eindruck. Er besteht aus billigstem Material und ist schlecht verarbeitet. Beim TÜV Rheinland lassen wir nach der Erfahrung mit der Popcornmaschine den Toaster untersuchen. Dazu verklemmt der Experte die Abschaltautomatik. Das Ergebnis ist eindeutig: Bereits nach wenigen Minuten ist alles verqualmt. Die Toasts fangen an zu brennen. Zurück bleibt ein verkohltes Gerät. Und das, obwohl auf dem Toaster ein GS-Zeichen drauf ist, das eigentlich die "geprüfte Sicherheit" garantieren sollte.
Das Problem: Immer häufiger werden Produkte, vor allem aus Fernost, mit gefälschten Siegeln verkauft. So ermittelt die Staatsanwaltschaft in Frankfurt seit August 2011 gegen eine Fälscherbande und hat insgesamt mehr als 300 Tonnen gefälschte Waren sichergestellt. Die Fahnder fanden unter anderem Bögen mit nahezu perfekt kopierten GS-Zeichen. Ein Problem, denn viele Verbraucher verlassen sich beim Kauf auf die scheinbar sicheren Prüfzeichen.
