Umschau-Quicktipp | 13.07.2016 Abofallen bei Smartphone und Computer

Seit 2012 müssen Webseitenbetreiber und Onlineshops Verbraucher explizit darauf hinweisen, dass sie für eine Ware oder einen Inhalt etwas bezahlen müssen. Allerdings versuchen noch immer Geschäftemacher die Vorschrift zu umgehen und haben sich dabei auch auf Smartphone-Nutzer eingestellt. Wir erklären mit welchen Tricks.

Kostenpflichtigkeit muss erkennbar sein

Grundsätzlich muss im Netz und auch im mobilen Internet seit 2012 mit einem extra Button auf zahlungspflichtige Inhalte oder Downloads hingewiesen werden. "Erst wenn ich auf den Button klicke mit der Aufschrift ‚Kaufen’ oder  ‚Zahlungspflichtig bestellen’, verpflichte ich mich im elektronischen Geschäftsverkehr zu einer Zahlung", sagt Miriam Rusch von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Button müsse zudem wichtige Informationen vor Vertragsschluss geben, etwa die Laufzeit eines Abos oder die wesentlichen Eigenschaften einer Dienstleistung.

Erst nach dem Klick werde etwa bei kostenpflichtigen Inhalten für Smartphones die Mobilfunknummer an den Anbieter der Seite übertragen. Der kann dann über den Mobilfunkanbieter das Entgelt etwa für ein Abonnement, eine Registrierung für eine Webseite oder auch ein Musikstück eintreiben. Das wird dann über die Handyrechnung abgezogen. „An sich funktioniert die Button-Lösung auch", lobt die Verbraucherschützerin. Allerdings versuchten immer wieder Abzocker die Vorschrift zu umgehen.

Der Werbebanner-Trick

Zuletzt sorgte immer wieder die so genannte "Werbebanner-Masche" bei Smartphone-Nutzern für Ärger. "Verbraucher teilten uns mit, sie haben nie einen Button gedrückt, auf dem Kaufen oder etwas Ähnliches steht. Sie haben höchstens mal eine Werbung weggeklickt“, sagt Miriam Rusch. Die Betreiber der mobilen Angebote hätten das Symbol zum Fensterschließen des Werbebanners, das "x" oben rechts in der Ecke,  und den Kaufen-Button technisch miteinander verknüpft. "Wenn man dann auf Schließen der Werbung klickt, sieht es so aus, als ob man gleichzeitig auch den Kaufen-Button betätigt habe", erklärt die Juristin.

Drittanbietersperre einrichten lassen

Tauchen plötzlich Abrechnungen von unbekannten Anbietern auf der Mobilfunkrechnung auf, sollten Smartphone-Nutzer zunächst das ungewollte Abo stoppen. Das geht online oder per Musterbrief der Verbraucherschützer. Die Identität des Abo-Betreibers kann beim Mobilfunkanbieter erfragt werden. Bereits gezahlte Beiträge sollten Nutzer zurückfordern, auch dafür stellen die Verbraucherzentralen Musterbriefe zur Verfügung. "Oft sagen die Diensteanbieter auch, alles sei rechtlich einwandfrei verlaufen. In solchen Fällen empfehlen wir auch, sich an den Mobilfunkanbieter selbst zu wenden und diesem auch mal zu sagen, was da passiert ist", rät Miriam Rusch. In letzter Zeit hätten Verbraucher häufig ihr Geld von Dienste- und Mobilfunkanbietern zurückbekommen, wenn sie sich wehrten. Den besten Schutz biete zudem eine Drittanbieter-Sperre, die man über den Mobilfunkanbieter einrichten lassen kann. "Dann kann die eigene Mobilfunknummer nicht mehr von Drittanbietern identifiziert werden und so für Zahlungen genutzt werden", betont die die Juristin.

Die "Registrieren"-Masche

Internetnutzer wurden zuletzt auch auf Onlineseiten wie maps-routenplaner.net, maps-routenplaner.info und ähnlichen Angeboten in die Irre geführt. Um einen der Routenplaner nutzen zu können, soll man sich registrieren. Doch statt einer kostenlosen Registrierung folgt ein kostenpflichtiges Abo. Auch hier wird nach Ansicht der Verbraucherschützer gegen die Button-Vorschrift verstoßen. „Da hat der Button nämlich nur die Aufschrift ‚Registrieren’. Im Gesetz steht aber, dass man sich nur zu einer Zahlung verpflichtet, wenn man auf einen ordentlich beschrifteten Button drückt“, gibt Miriam Rusch Entwarnung. Auch in diesen Fällen sollten Betroffene den Forderungen mit einem der juristisch wasserdicht formulierten Musterbriefe der Verbraucherzentralen widersprechen.

Vorsicht mit der "Verträge nur mit Unternehmen"-Formulierung

Widersprechen und nicht bezahlen sollten Internetnutzer auch bei Seiten, bei denen der Betreiber die Button-Lösung über Zusatzbedingungen aushebeln möchte. "Da ist uns zuletzt die Seite Profikochrezepte.de aufgefallen. Da gibt der Seitenbetreiber an, nur mit Unternehmen Verträge eingehen zu wollen. Und für die gilt die Button-Vorschrift nicht", so Miriam Rusch. Allerdings weißen nur kleine Hinweise auf der Seite selbst und im Kleingedruckten darauf hin, dass sich das Angebot nicht an Verbraucher richtet. "Das überlesen Verbraucher und gehen von einer kostenlosen Dienstleistung aus", erklärt die Verbraucherschützerin. Auch das sei rechtlich nicht in Ordnung, ein Widerspruch per Musterbrief reiche auch hier.

Ärger durch Sternchen-Vermerke

Immer wieder versuchen Diensteanbieter, mit zunächst kostenlosen oder sehr günstigen Probemitgliedschaften Internetnutzer in teure Abos zu drängen. "Da hat dann der Kaufen-Button mitunter ein Sternchen. Und im zugehörigen Sternchen steht dann: Wenn man sich innerhalb einer gewissen Zeit nicht zurückmeldet, beispielsweise acht Wochen, dann hat sich der Vertrag in einen viel teureren Vertrag umgewandelt", beschreibt Verbraucherschützerin Miriam Rusch das Prozedere. Internetnutzer wunderten sich dann häufig, wenn sie nach zwei oder drei Monaten eine Zahlungsaufforderung mit hohen Beträgen bekommen. In den meisten Fällen denken die Kunden gar nicht mehr an das abgeschlossene Probeabo. Auch für diese Fällen raten die Verbraucherschützer: einmal widersprechen, nicht zahlen und hart bleiben!

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2016, 09:17 Uhr