Umschau-Quicktipp | 16.08.2016 Wie gut sind preiswerte Notebooks?

Der Markt für klassische Notebooks bleibt hart umkämpft. Zum einen treten hier viele Hersteller gegeneinander an, darunter auch namhafte. Zum anderen wächst die Konkurrenz durch Geräteklassen wie Tablets oder Hybridmodelle, bei denen die Tastatur abgenommen werden kann. Im Onlinehandel, bei Discountern und bei den Elektronik-Großmärkten gibt es daher zahlreiche Notebooks schon für deutlich weniger als 400 Euro. Wer Abstriche bei Geschwindigkeit, beim Display und beim Gewicht macht, kann auch mit einem günstigen Gerät einen Treffer landen.

Schnell genug für die meisten Aufgaben

In der Günstig-Klasse verbauen die Hersteller in der Regel Einsteiger-Prozessoren. "Üblich sind Celeron- oder Core-i3-Prozessoren. Die reichen aus, wenn man vereinfacht gesagt eine elektronische Schreibmaschine mit Internetanschluss will", sagt Peter Krajewski vom Technikmagazin CHIP. Bei allen Aufgaben über Officeanwendungen hinaus, zum Beispiel Bild- oder Videobearbeitung,  kommen die weniger leistungsstarken Prozessoren allerdings schnell an ihre Grenzen. Wer aufwendige Spiele mag, muss grundsätzlich mehr Geld ausgeben, denn dafpr wurd ein ordentlicher Grafik-Chip benötigt. Der ist in vielen Geräten oberhalb von 900 Euro verbaut.

HD-Filme können dagegen in der Regel auch von günstigeren Notebooks ohne Probleme abgespielt werden. Beim Punkt Geschwindigkeit spielt auch der verbaute Arbeitsspeicher eine Rolle. Vier Gigabyte sind Standard in der Preisklasse unter 400 Euro, acht Gigabyte sind eher selten. "Die Größe des Arbeitsspeichers ist dann wichtig, wenn man am Notebook Aufgaben parallel erledigen will oder mit großen Dateien arbeitet", erklärt der CHIP-Experte.

"Augenschonend" geht auch im Günstig-Segment

Mann liegt mit Laptop auf dem Sofa.
Bildrechte: IMAGO

"Das Display ist das Teuerste am Notebook", erklärt Peter Krajewski. Entsprechend müssten Käufer günstiger Geräte auch beim Bildschirm oft Abstriche machen. Die Displays sind im Vergleich dann weniger hell als bei teuren Notebooks, die Kontraste nicht so klar und die Farben leuchten nicht stark. Laut Computerbild (aktueller Test von Notebooks unter 300 Euro vom Juli 2016) sind Full-HD-Modelle mit einer Auflösungen von 1.920x1.080 Bildpunkten in der unteren Preisklasse eher selten. In der Regel haben die Displays 1.366x768 Bildpunkte. "Unsere Erfahrung ist aber: Auch wenn in unseren Labortests ein Display schlecht abschneidet, haben Käufer in der Praxis dann damit oft kein Problem", sagt unser Experte. Er rät darum, das Display im Geschäft in Ruhe selbst zu testen.  Wer nach einem matten, also entspiegelten Bildschirm sucht, kann auch in der Klasse unter 400 Euro ein passendes Gerät finden.

Abstriche bei Festplatten

Hersteller sparen häufig auch bei den verbauten Festplatten. Anders als bei teuren Geräten sind die sehr schnellen und robusten SSD-Laufwerken (kurz für: Solid State Drives, ohne bewegliche Teile), mit denen Windows sehr zügig startet nicht standardmäßig an Bord. Verbaut ein Hersteller doch ein solches Laufwerk, greift er für die Günstig-Klasse meist zu eher kleinen Speichern mit 32 GB. Dann ist allerdings oft schon die Hälfte des Speichers mit dem Betriebssystem belegt. Computer mit großen SSD-Laufwerken kosten ab 500 Euro aufwärts. Alternativ setzen viele Hersteller bei Geräten unter 400 Euro auf herkömmliche Festplatten. Dabei sind 500 GB Standard.

Windows 10 an Bord?

"Selbst auf den Günstig-Geräten ist in der Regel schon Windows ab Werk drauf und das ist meist auch Windows 10", sagt Peter Krajewski. Einige wenige Hersteller sparten jedoch und lieferten Geräte mit Windows 8.1 aus. Wer auf die aktuelle Version des Betriebssystems umsatteln will, muss dafür nochmal über 100 Euro bezahlen. Am 29. Juli 2016 ist das kostenlose Upgrade auf die Version 10 ausgelaufen.

Dauerläufer auch in der Günstig-Klasse

"Unser Rekordhalter bei der Akku-Laufzeit mit zwölf Stunden Dauerbetrieb im Test kostete gerade mal 250 Euro", sagt der CHIP-Experte. Generell gilt die alte Regel: Werden eher leistungsärmere Prozessoren verbaut und wird auf aufwendige Grafikchips und einen Lüfter verzichtet, schont das auch den Akku. Allerdings sparen einige Hersteller bei günstigen Geräten auch am Akku und verbauen vergleichsweise kleine Energiespeicher. Auch die Displaygröße hat Einfluss auf die Laufzeit des Akkus, weil der Bildschirm der größte Stromverbraucher in den Geräten ist. Großer Bildschirm gleich kurze Akkulaufzeit und kleiner Bildschirm gleich lange Laufzeit – diese Regel gilt quer durch alle Preisklassen.

Laute und schwere Geräte in allen Preisklassen

Laptop-Tastatur
Bildrechte: IMAGO

Laute Lüftergeräusche aus dem Laptop können im Arbeitsalltag oder beim Filmeschauen extrem stören. Im Leerlauf ist die Kühlung für das Innere des Rechners meist kaum hörbar, unter Last kann aber der Lüfter sehr schnell hochdrehen und nervt dann. "Den Punkt kann man aber beim Kauf schlecht selbst testen, da ist die Umgebung im Geschäft oft zu laut", sagt Peter Krajewski. Zudem seien viele Geräte in der Zeit nach dem Kauf vergleichsweise leise. Der Lüfter beginne häufig erst nach einigen Monaten oder Jahren zu stören, wenn sich etwa viel Staub im Notebook abgesetzt habe. Laut Computerbild gibt es auch in Preisklasse unter 400 Euro echte Leisetreter, weil manche Hersteller auf aktive Lüfter ganz verzichten. Die im Vergleich weniger leistungsstarken Prozessoren müssen häufig nicht so aufwendig gekühlt werden.

Ultraleicht gibt es nur für teures Geld

"Geräte mit unter zwei Kilogramm Gewicht sind richtig teuer", sagt Peter Krajewski. Die Hersteller günstiger Notebooks geben sich aus Kostengründen beim Leichtbau keine Mühe. Trotzdem seien teure Notebooks beim Gewicht nicht automatisch im Vorteil: "Da kommt es auf die Displaygröße an. Ein Gerät mit 17 Zoll Bildschirm-Diagonale ist eben schwerer als eins mit 11,6 Zoll". Zusätzlich werden bei Geräten mit großer Bilddiagonale oft noch größere und damit schwerere Akkus verbaut.

Knarzt und wackelt

Bei den verbauten Materialien müssen Käufer günstiger Geräte immer Abstriche machen. "Gebürstetes Alu gibt es da nicht, das Ganze ist weniger stabil, die Geräte können sich verziehen und die Tastatur auch mal wackeln", sagt unser Experte. Auch bei den ab Werk verbauten Schnittstellen ist das Spardiktat erkennbar. "Da sind dann zwar vier USB-Anschlüsse am Gerät, aber die schaffen nicht den neuen 3.0-Standard", sagt Peter Krajewski. Ähnliches gelte auch fürs WLAN. Das aktuelle AC-WLAN schafft höhere Übertragungsraten, bei den Günstig-Geräten ist oft noch der vorherige WLAN-n-Standard verbaut.

Wie finde ich das Schnäppchen?

"Da kann man sich durchaus mal die Prospekte von den Discountern oder den großen Elektronik-Ketten ansehen. Da gibt es nicht jede Woche ein Superschnäppchen, aber ab und an sind da auch vergleichsweise gute und günstige Geräte dabei", sagt unser Experte. Nutzer sollten sich vorab überlegen, welche Aufgaben ihr Notebook erfüllen soll und dann gezielt über einen längeren Zeitraum nach einem Gerät mit der Wunschausstattung suchen. So haben Käufer irgendwann auch ein Gefühl dafür, was technisch vergleichbare Modelle kosten. Dafür setzen die Redakteure vom Computermagazin c’t auch auf die gängigen Preissuchmaschinen im Internet. Die Suchmaschinen erlaubten inzwischen eine sehr detaillierte Suche, etwa nach Prozessor, Bilddiagonale und Arbeitsspeicher.

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2016, 09:14 Uhr