Ein Paketbote hält ein kleines Päckchen.
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Umschau-Quicktipp | 05.12.2017 Ärger mit dem Paketdienst

Ein Paketbote hält ein kleines Päckchen.
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Wo darf oder muss der Zusteller das Paket abgeben?

Ist der Adressat nicht erreichbar, darf der Zusteller die Sendung bei einem sogenannten Ersatzempfänger abgeben. So steht es in den AGBs der Paketdienste.

Eine Frau nimmt an ihrer Haustür Pakete von einem Paketzusteller entgegen
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Meist ist ein Nachbar der Ersatzempfänger. Bei Sendungen, die eigenhändige Zustellung erfordern oder bei bestimmten Express-Sendungen mit erhöhter Transportversicherung ist eine Zustellung beim Nachbarn nicht erlaubt.

Pakete bis 20 Kilogramm werden an die Wohnadresse zugestellt. Das ist gesetzlich geregelt. Schwerere Pakete müssen in der Regel auf dem Postamt abgeholt werden oder sind nicht für den Versand per Paketdienst geeignet.

Wo gehört die Zustellbenachrichtigung hin?

Ganz klar: die Benachrichtigungskarte gehört in den Briefkasten, wenn der für den Zusteller erreichbar ist. Das regelt eine Rechtsverordnung. Wird die Karte nachweislich an die Tür gepinnt und jemand Fremdes erschleicht sich das Paket, muss der Paketdienst haften.

Was tue ich bei verspäteter Zustellung?

Die Laufzeiten im Versand sind lediglich Regellaufzeiten. Darauf weisen die Paketdienste gern hin. Der Kunde hat also keinen Anspruch auf Lieferung in einem bestimmten Zeitraum. Bei Expresstarifen ist das anders. Hier zahlt der Kunde für die Lieferung an einem bestimmten Tag und/oder zu einer bestimmten Zeit. Verspätet sich die Zustellung, kann reklamiert werden, und man kann die Expressgebühren zurück fordern. Die Reklamation muss beim Paketdienst erfolgen. Dazu berechtigt ist aber nur der Absender, da er einen Vertrag mit dem Dienst geschlossen hat. Unter Umständen kann der Absender seinen Anspruch an den Empfänger abtreten. Der muss sich dann mit dem Paketdienst auseinander setzen.

Einige Onlinehändler geben ganz konkrete Lieferzusagen. Da steht dann etwa bei der Bestellung „Wenn Sie heute bestellen, ist die Ware übermorgen da!“ oder auch „Garantierter Liefertermin“. Kommt das Paket dann zu spät, kann man die Lieferung ablehnen und hat sogar Anspruch auf Schadenersatz gegenüber dem Händler. Muss man also etwa ein Geschenk schnell noch woanders teurer kaufen, darf man dem Händler den Aufpreis in Rechnung stellen. Das gilt allerdings nur, wenn man ausdrücklich mitgeteilt hat, dass die Sendung zu einem bestimmten Termin erwartet wird.

Was tue ich, wenn das Paket beschädigt ankommt?

Wird das Paket auf dem Lieferweg beschädigt, haftet der Händler bei dem ich bestellt habe. Als Empfänger habe ich dann Anspruch auf die Erstattung des Kaufpreises. Meist liefern die Händler aber neu. Trifft eine Sendung aus z. B. einem privaten Ebay-Kauf beschädigt ein, guckt man als Empfänger in die Röhre, wenn der Absender das Paket nicht versichert versendet hat und nachweisen kann, dass es beim Abschicken unbeschädigt war. Deshalb sollten private Sendungen immer versichert geschickt werden, denn dann haftet bei Beschädigung oder Verlust der Paketdienst.

Eine zerbrochene Tasse liegt auf einem Paket mit dem Warnhinweis "Bruchgefahr!".
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Ist das Paket bei Lieferung sichtbar beschädigt, sollte entweder die Annahme verweigert oder der Schaden am besten per Foto sofort dokumentiert werden. Den Schaden sollte man unverzüglich beim Paketdienst melden, denn der geht nach Ablauf einer bestimmten Frist davon aus, dass das Paket in vertragsgemäßem Zustand zugestellt wurde.

Was tue ich, wenn ein Paket verloren gegangen ist?

Ist das Paket unversichert versendet worden, hat man auch keine Sendungsnummer und kann es nicht nachverfolgen. Das Paket ist dann wahrscheinlich als Verlust zu verbuchen und man hat keinen Anspruch auf Schadenersatz. Wer versichert versendet, ist somit klar im Vorteil und kann mit der Sendungsnummer einen Nachforschungsantrag beim Paketdienst stellen. Auch hier gilt: Das muss in der Regel der Versender tun, denn der hat den Vertrag mit dem Paketdienst.

Wo kann ich mich beschweren?

Zuerst sollten Beschwerden möglichst zeitnah an den Paketdienst selbst gerichtet werden. Die Kontaktdaten finden sich, wenn auch manchmal gut versteckt, auf den Webseiten der Anbieter. Reagiert der Paketdienst nicht, ist die Bundesnetzagentur der nächste Ansprechpartner. Sie ist eine Art Schiedsstelle und führt auch Schlichtungsverfahren durch, wenn beide Parteien dem zustimmen. Verweigert der Paketdienst seine Mitarbeit, bleibt nur noch der Rechtsweg. Hier sollte man aber vorher genau prüfen, ob sich der Aufwand lohnt, denn große Firmen haben große Rechtsabteilungen und einen langen Atem. Was auf jeden Fall bleibt, ist die Möglichkeit, seinem Ärger in öffentlichen Foren Luft zu machen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 05. Dezember 2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 09:46 Uhr