Umschau-Quicktipp | 19.06.2017 Auslandskrankenversicherung

Den Urlaub genießen, gesund und munter durch die schönste Zeit des Jahres reisen – das wünschen sich die meisten. Doch gerade in der Urlaubsruhe trifft viele eine Erkältung oder gar eine richtige Krankheit. Zu Hause in Deutschland ist der Gang zum Arzt kein Problem. Im Ausland aber kann das teuer werden. Ein zusätzlicher Versicherungsschutz ist da ratsam. Stiftung Warentest hat 39 Familien-Tarife und 49 Angebote für Einzelpersonen für Auslandsreise-Krankenversicherungen getestet. Wir fassen zusammen, worauf Sie achten müssen.

Das Beste gleich vorweg: Die Qualität der Versicherungsangebote hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Ein umkämpfter Markt sorgt dafür, dass die Versicherer Ihnen attraktive Angebote machen. Einen guten Krankenversicherungsschutz für beliebig viele Reisen von sechs bis acht Wochen Länge bekommen Einzelpersonen bereits ab knapp zehn Euro pro Jahr, geboten von den  Testsiegern DKV mit dem Reise Med Tarif RD und der Ergo Direkt mit dem Tarif RD. Familien bezahlen bei beiden Anbietern für die gleichen Tarife knapp 20 Euro.

Darum ist der Zusatzschutz im Ausland wichtig

Schild mit der Aufschrift
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Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen im Ausland nur eingeschränkten oder gar keinen Schutz. Innerhalb Europas und in Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat, bezahlen Sie für eine Behandlung dabei nur den Satz, der im jeweiligen Urlaubsland gilt. Dabei werden aber nicht alle Arztkosten übernommen. Zudem berechnen private Arztpraxen im Ausland für deutsche Patienten oft deutlich höhere Behandlungskosten. Medikamente müssen Sie dabei in den meisten Fällen selber zahlen. Für einen Krankenhausaufenthalt kommen so schnell mehrere Tausend Euro zusammen, ganz zu schweigen von den Kosten für einen Rücktransport. Der wird grundsätzlich nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Das zahlt die Auslandskrankenversicherung

Eine private Auslandskrankenversicherung erstattet in der Regel die Kosten, die medizinisch notwendig sind und nicht von der gesetzlichen Krankenkasse getragen werden. Dazu zählen:

  • die ambulante Behandlungen beim Arzt, Röntgenuntersuchung und Operationen,
  • vom Arzt verordnete Arznei-, Verband- und Heilmittel,
  • Zahnbehandlungen zum Schmerzstillen, einfache Füllungen, Reparaturen und provisorische Anfertigung von Zahnersatz,
  • alle notwendigen ärztliche Leistungen, Sachmittel, Unterbringung und Verpflegung bei einem Krankenhausaufenthalt,
  • den Transport zum nächsten Krankenhaus oder Notarzt durch Rettungsdienst,
  • den medizinisch notwendigen Transport zum Wohnort oder in ein Krankenhaus in Deutschland – teilweise auch schon, wenn er medizinisch sinnvoll ist,
  • Überführung im Todesfall oder Bestattung im Ausland, beispielsweise bis 10.000 Euro.

Besonders in puncto Rücktransport haben die Versicherer ihre Leistungen verbessert. Sie zahlen nicht mehr nur den medizinisch notwendigen Rücktransport, etwa wenn Sie im Ausland nicht entsprechend behandelt oder operiert werden können. Viele Tarife bieten auch den medizinisch sinnvollen Rücktransport an, zum Beispiel dann, wenn Sie zu Hause besser und schneller gesund werden können. 

Geld, Reisetabletten,Verbandsmaterial und ein Medizinfläschchen liegen auf Reisepapieren
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Besonderer Vorteil: Die Auslandskrankenversicherung zahlt immer, wenn Sie im Ausland Urlaub machen. So müssen Sie nicht für jeden Kurztrip eine extra Versicherung abschließen. Auch für Privatpatienten macht eine Auslandskrankenversicherung Sinn, denn ein Arztbesuch im Ausland gefährdet die üblichen Beitragsrückerstattungen, was in keinem Verhältnis zu den Kosten für eine Auslandkrankenversicherung steht.

Das zahlt die Auslandskrankenversicherung nicht

Im Prinzip müssen alle Behandlungen und Leistungen, die vorhersehbar oder geplant waren, von Ihnen selber bezahlt werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Kur- und Reha-Aufenthalte,
  • Reguläre Untersuchungen bei einer Schwangerschaft,
  • Neuanfertigung von Zahnersatz,
  • Behandlung geistiger oder seelischer Erkrankungen,
  • Anfertigung von Brillen oder Hörgeräten,

Vorsicht bei Vorerkrankungen

Bei Abschluss einer Auslandskrankenversicherung werden keine Gesundheitsfragen gestellt. Das heißt aber nicht, dass man mit bestehenden Vorerkrankungen in den Urlaub fahren kann und die Versicherung dann die Behandlungskosten für einen etwaigen Rückfall oder Anfall ersetzt. Lassen Sie sich vor  der Abreise zur Sicherheit eine Unbedenklichkeitserklärung von Ihrem behandelnden Arzt geben. Außerdem können Sie vor dem Auslandsaufenthalt mit Ihrer Krankenkasse sprechen, um für diese Erkrankung im Urlaubsland einen Versicherungsschutz zu genießen.

Dies betrifft vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen und Schwangere. Bei letzteren sollte die Frau darauf achten, dass eine Frühgeburt im Vertrag nicht ausgeschlossen ist. Benötigt das Neu- oder Frühgeborene ärztliche Hilfe, sollte der Versicherungsschutz automatisch auch für das Kind gelten.

Unfälle bei gefährlichen Sportarten

Bei Risikosportlern (Taucher, Paraglider) entfallen einige Ansprüche - hier sollten Sie sich unbedingt vor Reiseantritt erkundigen, welche Policen dies abdecken.

Langzeiturlaube sind ausgeschlossen

Eine Auslandskrankenversicherung begrenzt den Schutz auf höchstens 42 bis 60 Tage pro Reise. Wenn Sie  einen Aufenthalt von mehreren Monaten im Ausland planen, sollten Sie eine spezielle Krankenversicherung für eine lange Einzelreise abschließen. Die Kosten dafür betragen zwischen 50 Euro  und 100 Euro.  Daran sollten zum Beispiel Senioren denken, die in südlichen Ländern überwintern oder junge Leute, die nach der Schule ein Jahr im Ausland verbringen möchten.

Der Versicherungsabschluss

Die Auslandskrankenversicherung können Sie in der Regel noch ganz kurzfristig bis einen Tag vor dem Urlaub abschließen. Vorsicht bei Kreditkartenversicherungen: Auch wenn einige Kreditkarten eine Reiseversicherung anbieten, heißt das nicht, dass Sie dort eine wirklich gute Auslandskrankenversicherung inklusive haben. Schauen Sie vor Reiseantritt lieber nochmal in die Vertragsbedingungen.

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 19.06.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 00:10 Uhr