Umschau-Quicktipp | 08.11.2017 Personalausweis für Haustiere

Beim sogenannten "Chippen" oder Kennzeichnen wird den Tieren ein etwa reiskorngroßer Mikrochip eingesetzt. Das geht wegen der geringen Größe mit einer Injektionsspritze. Der Chip enthält nicht viele Informationen: Gespeichert ist nur eine 15-stellige Nummer, mit deren Hilfe sich das Tier genau identifizieren lässt. Die Nummer kann mit einem Standard-Lesegerät für Funkchips ausgelesen werden, das dafür an den Hals des Tieres gehalten wird. Der Chip enthält weder die genaue Adresse oder die Telefonnummer des Besitzers, noch kann er ähnlich wie ein GPS-Tracker über Funk oder Satellit geortet werden. Damit hilft der Chip immer genau dann weiter, wenn jemand ein herrenloses Tier findet und den Besitzer suchen will.

Sinnvoll für freilaufende Haustiere

Ein kleiner Hund mit Halstuch schaut in die Kamera.
Bildrechte: imago/Pacific Press Agency

Der Chip wird üblicherweise Katzen und Hunden eingesetzt. "Katzen sind einfach Tiere, die sich selbstständig frei bewegen. Da kommen immer mal wieder Tiere abhanden, weil Katzen zum Beispiel in Autos springen und mitfahren. Und Hunde können sich gern mal losreißen und entwischen", erklärt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Bei kleineren Tieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen sei der Chip sinnvoll, wenn die Haustiere überwiegend im Freien gehalten werden. Auch Pferden kann der Chip unter die Haut gesetzt werden. Vögel sind zu klein für den Chip und werden daher weiter klassisch über den Ring am Fuß gekennzeichnet.

Beim Fachmann "chippen" lassen

Rund 30 Euro müssen Haustierbesitzer für das Einsetzen des Chips beim Tierarzt einplanen. Die Injektion selbst kostet rund zwölf Euro, der Chip oder auch "Transponder" knapp 20 Euro. Die Bundestierärztekammer rät ausdrücklich dazu, den Chip nur vom Fachmann setzen zu lassen. Der habe Erfahrung mit Injektionen und könne auch schnell helfen, wenn an der Einstichstelle Blutungen oder Rötungen auftreten. Zudem könne der Tierarzt den Sitz des Chips überprüfen. Der sitzt üblicherweise auf der linken Halsseite. Dieser Standard gilt weltweit und daher setzen Finder üblicherweise auch an dieser Stelle des Tiers ihr Lesegerät für den Chip an. Im Internet gibt es auch Sets aus Mikrochip und Injektionsnadel, die in der Regel deutlich billiger sind als das "Chippen" beim Tierarzt. "Davon raten wir dringend ab: Einmal weiß man nicht, ob der Chip wirklich den internationalen Standards entspricht. Und zum zweiten sollten Laien den Chip nicht injizieren", sagt unsere Expertin.

Wie eine Impfung

Setzt der Fachmann den Chip, ist die Injektion für das Tier nicht gefährlich. "Das ist ähnlich wie bei einer Impfung und an der Stelle wo gechippt wird, liegen auch keine großen Blutgefäße", sagt Lea Schmitz. Die Tierbesitzer müssten damit auch keine Sorgen haben, dass der kleine Chip etwa in Adern gelangt oder weit unter der Haut wandert. "In manchen Fällen kann sich der Transponder unter der Haut im Gewebe etwas von der Injektionsstelle wegbewegen. Der verwächst aber meist in kurzer Zeit mit dem Unterhautgewebe", sagt unsere Expertin.  

Chip enthält nur eine Nummer

Eine Tierärztin liest mit einem Gerät den Chip einer Katze aus.
Bildrechte: imago/imagebroker

Seit 1996 gilt für die Registrierung von Tieren weltweit ein einheitlicher Standard. Der regelt unter anderem die technischen Voraussetzungen für den Transponder unter der Haut. Der besteht genau genommen aus einem Chip, auf dem eine 15-stellige Identifikationsnummer gespeichert ist, und einer Art Antenne, die das Auslesen mit Lesegeräten ermöglicht. Tierärzte, Tierkliniken, Tierheime und die Polizei verfügen über diese Technik. Auch Lesegeräte aus dem Internet können laut dem Deutschen Tierschutzbund von Haustierbesitzern genutzt werden. "Die 15-stellige Nummer wird weltweit nur einmal vergeben. Damit ist das Tier eindeutig identifizierbar", sagt Lea Schmitz.

Ohne Registrierung geht gar nichts

Der Besitzer einer gekennzeichneten Katze oder eines Hundes kann nur über den Fund informiert werden, wenn er das Tier zusätzlich zum Chippen auch noch registriert hat. Denn auf dem Chip selbst stehen weder Adresse noch Telefonnummer des Besitzers. Drei Registrierungsstellen für Tiere gibt es in Deutschland:

  • Bei FINDEFIX vom Deutschen Tierschutzbund ist die Registrierung kostenlos. Für Finder und Haustierbesitzer gibt es eine 24-h-Hotline: 0228 - 6049635.
  • Kostenlos registriert werden können Haustiere auch bei TASSO e.V., dem Haustierzentralregisters der gleichnamigen Tierschutzorganisation. Deren Service-Telefon 06190 - 937300 ist ebenfalls rund um die Uhr erreichbar.
  • IFTA, die Internationale Zentrale Tierregistrierung, arbeitet mit dem Deutschen Tierärzteverband zusammen. Für die Registrierung wird eine kleine monatliche Gebühr von 12 Cent pro Monat (bei 20 Jahren 29,90 €) erhoben. Dafür gibt es auch eine weltweit gebührenfreie Notrufnummer, die 0080 - 43820000.

Die Datenbanken würden sich untereinander austauschen. Damit reiche eine Registrierung bei einer aus, sagt Lea Schmitz: "Wenn man sich mit einem gefundenen Tier meldet, dann wird das mit anderen Registern europaweit abgeglichen. Das sind bei uns bei Findefix um die 30 Datenbanken, mit denen die Nummer aus dem Chip abgeglichen wird." Die Registrierung könne der Tierarzt gleich nach dem Chippen direkt durchführen. Alternativ können das Haustierbesitzer aber auch selbst übernehmen.

Chip-Pflicht für Reise ins EU-Ausland

Eine Frettchenmutter ruht mit ihrem Jungen zwischen Blättern.
Bildrechte: imago/Anka Agency International

Reisen Haustiere wie Hunde, Katzen oder auch Frettchen mit in den Urlaub, müssen sie auch mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein. Das ist in der EU vorgeschrieben. "Damit sollen die Tiere eindeutig identifizierbar sein, auch um sie dem EU-Heimtierausweis zuordnen zu können", erklärt Lea Schmitz. Zudem solle die Chip-Pflicht den illegalen Handel mit Hunden erschweren. Anders als etwa in Österreich, Irland oder der Schweiz gibt es in Deutschland keine generelle Chip-Pflicht. Hier gelten die jeweiligen Landesgesetze mit unterschiedlichen Vorschriften zur Chip- Kennzeichnung von Haustieren. In einigen Bundesländern müssen gefährlichen oder großen Hunden die Chips eingesetzt  werden, etwa in Hamburg oder Brandenburg.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 08. November 2017 | 09:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2017, 00:10 Uhr