Umschau-Quicktipp | 23.03.2017 Arbeiten mit Ablaufdatum: Der befristete Arbeitsvertrag

Arbeitsverhältnisse auf Zeit spielen heute eine große Rolle. Knapp jeder zehnte Beschäftige hat einen befristeten Arbeitsvertrag. Sieht man sich die Gruppe der jüngeren Arbeitnehmer an, ist es fast jeder fünfte. Doch das war nicht immer so: Einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge hat sich der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse seit 1991 um rund ein Drittel erhöht. Wir sagen Ihnen, was Sie beim Wechsel in ein befristetes Arbeitsverhältnis beachten sollten.

Was ist ein befristeter Arbeitsvertrag?

Im Vergleich zu einem unbefristeten Arbeitsvertrag wird bei einem befristeten Arbeitsvertrag eine feste Dauer vereinbart - danach endet das Arbeitsverhältnis automatisch. Dabei gibt es zwei Arten: einen mit Sachgrund befristeten Arbeitsvertrag und einen ohne Sachgrund befristeten Arbeitsvertrag. Je nach Variante gibt es unterschiedliche Regelungen zu beachten. Für beide gilt: Der Vertrag mit der genauen Formulierung von Frist und Sachgrund muss schriftlich vorliegen.  Ist dies nicht der Fall oder ist der Sachgrund nicht ausreichend, kann der Vertrag in einen unbefristeten Vertrag umgewandelt werden.

Wann ist eine Befristung rechtens?

Die Befristung von Arbeitsverhältnissen ist an einige Voraussetzungen geknüpft. Der Gesetzgeber hat hier mit dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) einen rechtlichen Rahmen geschaffen. Die Befristung eines Arbeitsvertrages ist in Deutschland mit oder ohne einen sogenannten Sachgrund möglich.

Sachgründe sind gegeben wenn,

  • der Bedarf für den Arbeitnehmer nur vorübergehend besteht.
  • ein Arbeitnehmer getestet werden soll, bevor das Arbeitsverhältnis unbefristet weitergeführt wird.
  • ein anderer Mitarbeiter vertreten wird (z.B. Elternzeitvertretung).
  • es sich um eine Saison-Beschäftigung handelt.
  • es sich um eine projektbezogene Stelle handelt, welche nach Ende des Projektes überflüssig wird.
  • die Stelle haushaltsrechtlich oder aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs befristet ist.

Ohne Sachgrund ist eine Befristung möglich,

  • um Mitarbeiter unverbindlich zu testen. Solche Verträge dürfen innerhalb von zwei Jahren höchstens drei Mal verlängert werden.
  • um Existenzgründer in den ersten vier Jahren vor langfristigen Verpflichtungen zu schützen (maximale Dauer vier Jahre).
  • um Älteren (mindestens 52 Jahre, mindestens vier Monate vorher beschäftigungslos) den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen (maximale Dauer fünf Jahre).

Bücher mit juristischer Fachliteratur
Bildrechte: IMAGO

Wichtig zu wissen: Die weit verbreitete Annahme, ein befristetes Arbeitsverhältnis sei auf maximal zwei Jahre begrenzt, ist falsch. Zwar darf ein Unternehmen seine Angestellten grundsätzlich nicht länger als zwei Jahre befristet beschäftigen (§ 4 Abs.2 TzBfG), wenn kein Sachgrund vorliegt. Aber es gibt Ausnahmen. Stellen an Universitäten oder Forschungseinrichtungen dürfen die Befristung bis zu sechs Jahre verlängern, im medizinischen Bereich kann diese Frist sogar bis zu neun Jahre verlängert werden. Zudem darf auf eine Befristung ohne Sachgrund nach Ablauf der zwei Jahresfrist ein befristeter Vertrag mit Sachgrund folgen. Hier wird es tückisch, denn für die Zahl der Verlängerungen gibt es in diesem Fall keine Obergrenze. Man spricht in diesem Fall von Kettenbefristungen. Diesbezüglich gibt es jedoch arbeitnehmerfreundliche Einzelfallentscheidungen. So urteilten Richter (Az. 7 AZR 443/09) in einem Fall von 13 Verlängerungen in 11 Jahren, dass es sich um Missbrauch handelt.

Tipps

Gespräch suchen

Drei Monate vor Ablauf der Frist sollte man den Chef um ein Gespräch bitten. Wird eine Weiterbeschäftigung verwehrt, muss man sich dies von der Personalabteilung schriftlich bestätigen lassen und bei der Arbeitsagentur vorlegen.

Arbeitslos melden

Wenn drei Monate vor Ablauf der Befristung noch keine Weiterbeschäftigung in Aussicht steht, sollte man sich unbedingt vorsorglich bei der Arbeitsagentur arbeitslos melden, sonst droht eine dreimonatige Arbeitslosengeld-Sperre.

Fristende "ignorieren"

Wenn der Arbeitnehmer am ersten Tag nach Ende der Frist am Arbeitsplatz erscheint und ihn der Arbeitgeber nicht sofort wieder nach Hause schickt, wird der Arbeitsvertrag unbefristet gültig.

Achtung bei Fristverlängerung

Wenn man als Arbeitnehmer für die anstehende Fristverlängerung bessere Konditionen (Entgelt/Arbeitszeit) heraushandeln möchte, ergibt sich die Möglichkeit auf eine unbefristete Stelle. Die inhaltlichen Änderungen bewirken, dass ein „neuer“ befristeter Arbeitsvertrag zustande kommt. Da Mehrfach-Befristungen ohne Sachgrund rechtlich unwirksam sind, gilt der neue Vertrag dann als unbefristet.

Kündigungsschutz

In einem Rosa Briefumschlag steckt ein Zettel mit der Aufschrift Kündigung
Bildrechte: IMAGO

Werden im Arbeitsvertrag keine Regelungen für die Kündigung getroffen, gibt es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber keine Möglichkeit zur ordentlichen Kündigung. Die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen ist demnach nur gültig, wenn im Vertrag explizit darauf verwiesen wird. Auch für Behinderte oder Schwangere gibt es hier keinen besonderen Kündigungsschutz. Bei Vertragsunterzeichnung sollte man auf diese Regelungen achten. Auch werdende Mütter haben hier Nachteile. Im Unterschied zum normalen Kündigungsverbot während der Schwangerschaft läuft der befristete Arbeitsvertrag in der vertraglich vereinbarten Frist aus.

Fazit

Auch wenn die Nachteile für Arbeitnehmer bei diesem Beschäftigungsverhältnis ganz klar überwiegen, kann ein befristeter Arbeitsvertrag besonders für Berufseinsteiger ein Sprungbrett hin zur unbefristeten Beschäftigung sein. Wer befristet eingestellt wird, sollte in jedem Fall den Arbeitsvertrag genau prüfen und seine Rechte kennen. Unterlaufen dem Arbeitgeber hier Fehler, gilt der Vertrag unter Umständen als unbefristet.

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2017, 09:47 Uhr