Umschau-Quicktipp | 05.04.2017 Gebrauchte Diesel: Kaufen oder Finger weg?

Wer sich gerade für einen Gebrauchtwagen mit Dieselmotor interessiert, steckt in einer Zwickmühle. Zum einen ist aktuell die Chance höher, einen solchen Gebrauchten sehr günstig kaufen zu können. Diesel-Autos stehen derzeit länger bei den Händlern, die Nachfrage sinkt mit Blick auf den Abgasskandal und Diskussionen um Fahrverbote. Zum anderen müssen Dieselkäufer selbst auch mit drohenden Einfahrsperren in einige Großstädten rechnen. Und noch ist offen, ob Diesel-Autos demnächst unter starken Wertverlust leiden. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen, die Diesel-Interessenten vor dem Kauf beachten sollten.

Kosten durchrechnen

Bevor sich Diesel-Käufer mit drohenden Fahrverboten und Abgasskandal auseinandersetzen, sollten sie ganz kühl die Kosten durchrechnen. Ein Diesel-Auto lohnt sich wegen den niedrigeren Spritpreisen und dem geringeren Verbrauch bei Fahrleistung ab 10.000 bis 15.000 Kilometern im Jahr. Dann sind auch die meist etwas höheren Kosten für den Kauf wieder drin. Allerdings hängt diese Rechnung stark vom jeweiligen Modell ab und auch davon, ob man einen Klein- oder einen Mittelklassewagen fahren will. Automobilclubs bieten für die reine Kostenrechnung Programme im Internet, die auf die jeweiligen Autotypen Bezug nehmen.

Blick auf Fahrverbots-Diskussion

Steht nach der reinen Kostenrechnung immer noch ein Diesel auf der Wunschliste, sollten Autokäufer die Entscheidung auch von den eigenen Fahrtstrecken abhängig machen. Einige Großstädte denken aktuell mit Blick auf Feinstaub-Grenzwerte über Fahrverbote für Diesel-Autos nach. Dazu gehören Berlin, München, Bremen, Stuttgart, Hannover und Osnabrück. "Dann könnten Diesel mit den Abgasnormen 1 bis 4 und möglicherweise auch mit Euro 5 aus den Städten ausgeschlossen werden", sagt Dr. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC. Aber auch Diesel-Autos mit Euro 6 seien nicht vor möglichen Fahr-Einschränkungen sicher. "Es gibt in der Tat auch schon entsprechende Gerichtsverfahren gegen Kommunen. In denen wurde diskutiert, ob die Möglichkeit besteht, alle Diesel auszusperren", sagt unser Experte.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch alles ruhig

Nach MDR-Informationen sind in Mitteldeutschland noch keine Fahrverbote für Diesel in der Diskussion. Allerdings erwägt die Deutsche Umwelthilfe, Leipzig wegen der Überschreitung der Feinstaub-Grenzwerte zu verklagen. Dann könnte auch dort die Diskussion um das Aussperren von bestimmten Diesel-Autos angeschoben werden. Dr. Reinhard Kolke rät daher: "Kommt nach der Kostenrechnung neben einem Diesel auch ein Benziner oder auch ein sauberes Erdgas-Fahrzeug oder ein Hybrid-Antrieb in Frage, dann sollte man sich den Dieselkauf auf jeden Fall zweimal überlegen".

Blick auf Wertverlust

Zumindest nach Ansicht des Bundesverbandes freier Kfz-Händler müssen Käufer von neuen und gebrauchten Dieselfahrzeugen mögliche Wertverluste in der Zukunft mit einkalkulieren. Nach den Erfahrungen des Branchenverbandes fallen die Preise für Diesel derzeit wegen der sinkenden Nachfrage und langen Standzeiten um zehn bis zwanzig Prozent. Gängige Automobilbörsen im Netz können allerdings aktuell keinen Preisverfall für Diesel bestätigen. Auch der ADAC sieht aktuell keinen Trend zum Wertverlust. Das Risiko sei aber da. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass durch die aktuelle Diskussion und durch das Nichtstun der Automobilhersteller die Gebrauchtwagenpreise weiter fallen können", erklärt der Experte. Mit anderen Kostenfaktoren wie einer höheren Kfz-Steuer müssen Gebrauchtwagen-Käufer aus Sicht des ADAC derzeit aber nicht rechnen.

Worauf muss man beim Kauf achten?

Beim Kauf müssen Dieselkäufer Stand vor allem auf die Abgasnorm achten. Dort sollten sie mit Blick auf drohende Fahrverbote möglichst zu Autos mit aktuellen Normen, am besten Euro 6. Der Experte rät Käufern, besonders auf zwei Punkte zu achten: Die HU und den Rußpartikelfilter. "Als Autokäufer beachten Sie in der Regel, ob die letzte Hauptuntersuchung bestanden wurde. Und da wird ja auch eine Abgasuntersuchung durchgeführt." Die in vielen aktuellen Dieseln verbauten und vom ADAC auch empfohlenen Rußpartikelfilter sind laut Gesetz auf eine Lebensdauer von rund 160.000 Kilometer ausgelegt. "Danach ist der Partikelfilter häufig mit Ascheeinlagerungen gefüllt. Das sind kleine Metallverbrennungsstäube, die aus dem Motoröl kommen". Wer sich für einen Diesel mit höheren Laufleistungen interessiert, sollte dann den Tausch des Filters in die Kostenrechnung mit einbauen.

Wichtig für "Schummel-Diesel"

Aus Sicht des ADAC können Diesel-Interessenten derzeit auch bei den vom Abgasskandal betroffenen Motoren aus dem VW-Konzern zugreifen. "Natürlich sollten sie einen Nachweis haben, dass das vorgeschriebene Softwareupdate gemacht wurde", sagt unser Experte. Sei das nicht der Fall, könne die Nachrüstung auch den Fachwerkstätten in dreißig bis sechzig Minuten gemacht werden. Das Recht auf das Update erlösche auch beim Weiterverkauf des Autos nicht. Danach seien die Diesel deutlich sauberer. "Wir hören von unseren Mitgliedern, dass nach dem Umrüsten der Rußpartikelfilter häufiger regenerieren möchte. Dann empfiehlt es sich auch mal eine längere Strecke zu fahren von 40 Kilometer mit mindestens 120 Km/h", sagt Dr. Reinhard Kolke.

Fazit

Wegen der Diskussion um Fahrverbote und dem Abgasskandal steigt derzeit die Chance, das Wunschauto mit Diesel günstiger kaufen zu können. Interessenten sollten neben der Kostenrechnung aber auch Punkte wie drohende Fahrverbote in Großstädten, die Laufleistung des Rußfilters und den Wertverlust im Blick haben.

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 01:03 Uhr