Umschau-Quicktipp | 26.09.2017 So schrecken Sie Einbrecher ab

Alle drei Minuten bricht in Deutschland jemand in ein Haus oder eine Wohnung ein. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2015 gegenüber dem Vorjahr um 9,9 Prozent gestiegen. Das belegt die Polizeiliche Kriminalstatistik 2015. Einbrecher bevorzugen Objekte, die vorher gut zu beobachten sind, erklärt Kriminalrat a.D. Lothar Schirmer. "So können die Täter ein, zwei Tage vor dem eigentlichen Bruch ausspähen, ob und wann dort jemand anwesend ist oder ob das Objekt eventuell über längere Zeit leer steht", weiß unser Sicherheitsexperte. Etwa Einfamilienhäuser in Siedlungen sind begehrt, gerade wenn sie nahe einer Autobahn liegen. So können die Täter schnell vom Tatort wieder verschwinden.

Aber auch ein Mietshaus inmitten der Stadt ist ein lohnendes Ziel. Dort ist es normal, dass viele Menschen ein und ausgehen. Ein Fremder, der sich das Haus von innen anschaut, fällt oft deswegen nicht  weiter auf. „Schnelles Geld und leicht zu transportierende Wertgegenstände wie Laptop und Schmuck. Ihr großer schwerer Fernseher interessiert heute kaum noch jemanden“, erklärt der Magdeburger Kriminalrat a.D., worauf es die Einbrecher besonders abgesehen haben.

Urlaubsfotos im Internet – eine Einladung für Einbrecher

Auch wenn Sie noch so gerne Fotos aus ihrem tollen Strandurlaub über die sozialen Netzwerke verbreiten möchten, warten Sie damit bis nach dem Urlaub. Einbrecher sehen ein Haus oder eine Wohnung, die verlassen wirken. Über Klingelschild und Hausnummer sind Sie unter Umständen sehr schnell im Netz zu finden. Und wenn Sie dann noch mitteilen, wie toll es gerade fernab der Heimat ist, dann hat der Einbrecher gute Karten.

Mit Einbruchsicherungen vorsorgen

Eine Polizeistudie kam zu dem Ergebnis, dass in 42 Prozent der Fälle der Einbruch nur als Versuch endet, weil es dem Täter einfach zu lange dauerte, ins Haus zu kommen. Wer nach zwei bis fünf Minuten keinen Erfolg hatte, lässt den Einbruch sein. Deshalb sind mechanische und elektronische Einbruchsicherungen eine wirkungsvolle Abwehr-Methode.

Etwas mehr als zehn Euro kosten Türkrallen, die von innen die Klinke oder den Knauf blockieren. So genannte Doorjammer für etwas mehr als vierzig Euro dagegen werden unterhalb des Türrahmens verkeilt. Türkralle und Doorjammer erschweren den Einbrechern nicht nur das Eindringen, sie sorgen auch für störenden Krach.

Alarm-Türstopper wecken Mieter oder Hausbesitzer

Für rund zwölf Euro gibt es keilförmige Stopper, die nicht nur die Tür von innen blockieren. Sie schlagen auch Alarm, wenn jemand die Tür öffnen will. „Der Stopper bringt nur etwas, wenn ich in der Wohnung oder im Haus bin“, sagt Lothar Schirmer. Mieter, Nachbarn und Hausbewohner würden wach und könnten reagieren. Zudem werde der Täter abgeschreckt.

Auf auskundschaftende Personen achten

Auch Ihr persönliches Verhalten ist ein wichtiger Schutz gegen Einbrecher. Unser Experte rät zur Wachsamkeit. "Einbrecher spähen ihre Zielobjekte fast immer vorher aus. Finden Sie jemand merkwürdig, sprechen Sie ihn direkt und freundlich an, ob Sie bei der augenscheinlichen Suche nach einer Adresse helfen können“. Das schreckt Eibrecher ab. Denn sie wollen nicht gesehen werden.

Fallen Ihnen Fahrzeuge auf, die betont langsam durch ihre Gegend fahren, dann schauen Sie ruhig mal nach dem Nummernschild. “Das kann der Handwerker sein, der fremd in der Gegend ist, aber eben auch Teil einer Einbrecherbande“, erklärt Lothar Schirmer. Im Zweifel notieren Sie sich die Autonummer und teilen sie der Polizei mit. Häufen sich derartige Hinweise für bestimmte Regionen, sind das wichtige Aspekte zur Erstellung eines Bewegungsprofils krimineller Banden.

Für Bewegung am und im Haus sorgen

Unbewohnte Häuser oder Wohnungen in der Urlaubszeit sind bei Einbrechern sehr beliebt. Also sollten Sie nie den Eindruck erwecken, dass Haus oder Wohnung lange Zeit nicht bewohnt werden. Hier sind gute Nachbarn gefragt, die in Ihrer Abwesenheit nicht nur die Blumen gießen, sondern auch mal die Rollläden hoch- und runterlassen oder das Licht an- und ausmachen.

Neben dem guten Nachbarn gibt es inzwischen auch Technik, die es so aussehen lässt, als wäre jemand zuhause. So auch das etwa dreißig Euro teure Fake TV. Das Gerät ähnelt einer Lampe und wird laut Hersteller in Fensternähe gegen eine Wand gerichtet. In der Dämmerung soll es sich einschalten und für mehrere Stunden die Lichteffekte eines Fernsehers simulieren.

Noch etwas besser sind aus Sicht unseres Experten Lothar Schirmer Steckdosenleisten mit Internetverbindung. So können Mieter oder Hausbesitzer von unterwegs etwa übers Smartphone das Licht zufällig an- und ausschalten. Die Steckdosenleisten sind aber mit mindestens 60 Euro nicht ganz billig.

Ab 15 Euro gibt es Nachtlichter, die sich bei Bewegungen vor dem Sensor anschalten. Für rund 50 Euro können die Geräte im Ernstfall auch stillen Alarm auslösen oder das Bellen eines Wachhundes abspielen. „Täter arbeiten natürlich nicht gern bei Licht, daher kann das schon abschrecken“, betont Lothar Schirmer.

Fazit

"Alles was den Einbruch irgendwie schwieriger und andere optisch oder akustisch darauf aufmerksam macht, ist erstmal besser als gar nichts", meint Sicherheitsexperte Lothar Schirmer. Deutlich besser sind aus seiner Sicht aber Alarme oder Schutzsysteme mit dem VDS-Siegel. Die werden von Fachleuten überprüft, sind aber auch entsprechend teuer. „Generell sollte man sich aber nicht auf einen Alarm verlassen“, warnt der Kriminalrat a.D. Wohnung oder Haus sollten möglichst einbruchssicher ausgerüstet sein. Dazu gehörten etwa Sperrriegel für die Türen, abschließbare Fenstergriffe oder besondere Bolzen für Terrassen- oder Balkontüren. Eine kostenlose Beratung bieten die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen an.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 26. September 2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 23:02 Uhr

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