Umschau-Quicktipp | 09.03.2017 Gefälschte Kundenbewertungen erkennen

Fast drei Viertel aller Online-Käufer lesen sich vor der Kaufentscheidung Produkt-Bewertungen anderer Kunden durch. Ein Drittel findet diese Bewertungen genauso wichtig wie die Meinung von Freunden oder Familienmitgliedern. Wie seriös aber sind diese Kundenbewertungen im Netz wirklich? Was ist echt, was Fake? Wie erkennen sie eine gefälschte Kundenbewertung und wie gehen Sie dagegen vor?

Es ist nicht alles Fake

Einer großen Zahl von Kundebewertungen im Netz können Sie vertrauen. Das liegt ganz einfach daran, dass die Bewertungsportale selbst ein großes Interesse daran haben, dass die dort abgegebenen Bewertungen auch wirklich stimmen. "Händler und Portale verdienen mit der Seriosität am Ende ihr Geld. Wenn das Vertrauen der Käufer aber schwindet, ist auch das Geschäft gefährdet. Deshalb wird von Anbieterseite viel unternommen, um gefälschte Bewertungen zu erkennen und zu löschen", so Marie-Teresa Weber, Bereichsleiterin Verbraucherrecht und Medienpolitik beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

Im ersten Schritt suchen Softwarealgorhytmen nach verdächtigen Bewertungen, außerdem setzen die Bewertungsportale Mitarbeiter ein, die ganz gezielt nach auffälligen Texten und Adressen suchen. Werden Fälschungen gefunden, gehen die Portale dagegen mittlerweile auch immer öfter gerichtlich vor.

Keine genauen Angaben

Wie viele Kundenbewertungen im Netz gefälscht sind, lässt sich nicht genau beziffern, erklärt die Expertin: "Die Portale und Händler rücken keine Zahlen über gelöschte Bewertungen raus. Das lässt sich also nur schwer sagen. Wir gehen aber von einer prozentual eher geringen Anzahl an Fakes aus."

Ob Digitalkamera, Essen im Restaurant oder Traumurlaub: Weil positive Bewertungen bares Geld wert sind, verkaufen einige professionelle Agenturen nach wie vor Bewertungen für bestimmte Händler und Produkte. "Die geben ein paar Studenten elf Euro pro Bewertung und bekommen so schnell das Portal mit tollen Kundemeinungen voll", sagt Marie-Teresa Weber.

Kein Rückgaberecht durch gefälschte Bewertungen

Sollten Sie auf eine solche Bewertung hereingefallen sein und ein Produkt gekauft haben, das sich als schlecht herausstellt, haben Sie kein Recht auf Rückgabe. Dazu Marie-Teresa Weber: "Händler müssen nach §434 BGB nur für von ihnen selbst verursacht Werbung gerade stehen. So eine Kundenbewertung im Netz ist aber die Meinung Dritter und dafür haftet der Händler nicht." Etwas anderes ist es, wenn der Händler von den gefälschten Kundebewertungen auf seinem Portal weiß und nichts dagegen unternimmt.   

Das sind gefälschte Kundenbewertungen

Grafik: Silhouetten von Menschen, die Einkaufstüten, auf denen Fragezeichen sind, tragen.
Haben die Bewertenden das Produkt wirklich gekauft? Bildrechte: IMAGO

Kunden die ein Produkt besonders gut finden und sich im Bewertungsportal deshalb gleich mehrfach positiv dazu äußern, fälschen zwar nichts, ihre Bewertungen können aber trotzdem gelöscht werden. "Bei den meisten Portalen können Sie nur eine Bewertung abgeben. Oft auch nur, wenn Sie dort tatsächlich Kunde sind. Anders sieht es aus, wenn das Portal auch eine Diskussionsfunktion hat und sich Kunden über Produkte austauschen", so die Expertin. Mit mehreren Identitäten ein Produkt zu bewerten, kann strafbar sein. Bewertungen von Personen, die das Produkt nicht selbst gekauft oder verwendet haben, sollten Sie skeptisch machen. Hierbei könnte es sich um Fälschungen handeln.

Daran können Sie gefälschte Bewertungen erkennen

Profi-Fälscher verstehen ihr Handwerk. Darum sind unechte Bewertungen nicht in jedem Fall leicht zu erkennen. Stutzig sollten Sie aber bei folgenden Anzeichen werden:

  • Das Produkt wird sehr werbend bewertet. Nicht selten wird eine Sprache verwendet, die eher an einen Spot im Radio oder Fernsehen erinnert. Normale Kunden sprechen keine Werbesprache. Auch ausschweifende Formulierungen wie etwa "außergewöhnlich luxuriöses Ambiente" sind eher Hinweise auf einen Fake.
  • Kunden weisen in der Bewertung immer wieder auf Freunde, Ehepartner und andere Familienmitglieder hin, die das Produkt "auch ganz toll" finden.
  • Formulierungen bei der Produktbeschreibung wiederholen sich in mehreren Kundenbewertungen, die dann vielleicht auch noch zeitlich nah beieinander liegen.
  • Viele positive Bewertungen, die an nur einem Tag abgegeben werden, während an den Tagen vorher und hinterher eher wenig passiert.
  • Viele Bewertungen sind mit konstruiert klingenden Namen wie Ursula Ursbach, Tim Tinnsdorf oder Karl Kahnsberg unterzeichnet.
  • Produkte haben ausschließlich positive Bewertungen.
  • Bewertungen haben viele auffällige Grammatik- oder Rechtschreibfehler. Diese werden von Agenturen extra in die Texte eingebaut, um sie authentischer wirken zu lassen.

Grafische Darstellung von Fake-Bewertungen: Fünf Sterne mit übertrieben positiven Bewertungen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So suchen Sie richtig

Gerade bei großen oder einmaligen Ausgaben sollten Sie die Kundebewertungen besonders sorgfältig prüfen. Eine schlechte billige Kaffeemaschine ist nicht halb so schlimm, wie ein verdorbener teurer Traumurlaub. Schauen Sie sich deshalb möglichst viele Bewertungen an.

Versuchen Sie unterschiedliche Bewertungsquellen zu finden. Suchen Sie nach Bewertungen in normaler Umgangssprache. Kurze und knappe Beschreibungen sind oft besser als lange ausschweifende Erzählungen.  Achten Sie darauf, ob es eine Supportadresse oder einen Meldebutton für gefälschte Bewertungen auf dem Portal gibt. "Seriöse Anbieter haben ein großes Interesse an der Mitarbeit Ihrer Kunden", meint die Expertin.

Der Club der Produkttester

Amazon hat mit Amazon Vine einen sogenannten Club der Produkttester. Menschen, die viele für Andere hilfreiche Bewertungen abgegeben haben, bekommen hier kostenlos Produkte zum Bewerten. Das kann dazu führen, dass die Bewertungen überdurchschnittlich positiv ausfallen. Schließlich wollen diese Tester wieder kostenlose Produkte zum Testen. Das kritisieren Verbraucherschützer als nicht mehr unabhängig.   

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2017, 00:10 Uhr