Umschau-Quicktipp | 12.10.2017 Google Home vs. Amazon Echo

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen nach Hause, Ihnen ist so richtig nach Heimkinoabend und Sie müssen das nur einmal laut aussprechen. Sofort wird das Licht gedämmt, die Rollos werden heruntergelassen, der Beamer wirft Ihren Lieblingsfilm an die Wand und ein paar Minuten später bringt der Bote Ihre Lieblingspizza. Geht so etwas Smartes heute tatsächlich schon? Und mit welchem Gerät lassen sich solche und andere Smart-Home-Träume am besten verwirklichen?

Im Prinzip ist dieser vollautomatisierte Heimkinoabend genau so für Sie erlebbar. Die Sprachassistenten von Google und Amazon und auch bald von anderen Anbietern machen es möglich. So ein Szenario wie der Heimkinoabend muss allerdings noch relativ aufwändig von Ihnen eingerichtet werden. Dabei stehen wir aber gerade erst am Anfang einer Entwicklung, die schon bald unser Leben nachhaltig verändern kann.

Die Zukunft hat längst begonnen

Der Alltagsassistent Amazon Echo auf einer Firmenpräsentation in London. Ein Weißer, röhrenförmiger mit dem Internet verbundener Lautsprecher.
Amazon Echo Bildrechte: dpa

Der Gedanke ist ganz einfach. Internet-Giganten wie Google oder Amazon oder auch der Technik-Riesen wie Samsung wollen nicht nur mit einem Gerät oder einer Leistung in Ihrem Haushalt präsent sein, sondern am besten permanent an Ihrem Leben teilnehmen. Je mehr und besser die Leistungen der Anbieter miteinander verknüpft werden können, desto einfacher soll das Leben für den Nutzer sein. So können Sie in Zukunft den Geschirrspüler, den Herd, Rasenmäher, Fernseher, Heizung und viele andere Geräte bequem per Sprache steuern. Aktuell spielen Google Home und Amazon Echo die Hauptrolle unter den Sprachassistenten. "In Zukunft bringen aber auch Apple mit dem HomePod und Samsung mit dem Sprachassistenten Bixby zwei ähnliche Systeme auf den Markt. Durchsetzen wird sich am Ende das System, das mit den meisten Anwendungen kompatibel ist", prognostiziert David Wulf, Redaktionsleiter der Web-Plattform Home&Smart.

Das können Google Home und Amazon Echo

Die grundsätzlichen Funktionen sind bei beiden Systemen fast gleich. Per Sprachsteuerung legen Sie Einkaufslisten an, suchen im Internet, verschicken Nachrichten oder tragen Termine in Ihren Kalender ein. Darüber hinaus lassen sich viele Smart-Home-Geräte wie Fernseher mit Google Home bzw. Amazon Echo steuern. Sie schalten per Sprachbefehl Lampen an, regeln Heizthermostate, oder starten die Lieblingsserie auf dem Fernseher bis hin zum anfangs erwähnten Kinoabend zuhause.

Was ist besser?

Computermagazine und Verbraucherplattformen bewerten das wie folgt:

Das Einrichten
Beide Systeme lassen sich leicht einrichten. Sie brauchen ein Wlan-Netz und die entsprechende App auf dem Smartphone. Nach der ersten Konfiguration steuern Sie die Geräte danach fast ausschließlich per Sprachbefehl. "Das ist alles kein Hexenwerk und wird auch von älteren Jahrgängen in der Regel schnell beherrscht", meint unser Experte.

Die Anwendungsmöglichkeiten
Amazon Echo ist länger auf dem Markt als Google Home. "Deswegen sind die Zusatzfunktionen, auch Alexa-Skills genannt, etwas umfangreicher als bei Google Home", erklärt David Wulf. Telefonbuch-Abfragen, Taxi-Bestellungen oder auch ein Tor-Alarm für wichtige Fußballspiele sind damit beim Amazon Gerät realisierbar. Google Home hinkt da noch etwas hinterher.

Ein Google Home Lautsprecher steht auf einem Beistelltischchen neben einer Lampe
Google Home Bildrechte: dpa

Die Stärken
Ansonsten haben die Geräte Ihre Vorteile jeweils auf dem Segment Ihrer Mutterkonzerne. Der Experte von Home&Smart erklärt das so: "Google ist ursprünglich ein Datenverarbeitungsriese, deshalb ist der Zugriff auf Wissen und die Verknüpfung von Information hier eine klare Stärke." Auch komplexe und zweigeteilte Fragen werden von Google Home besser verstanden und beantwortet als von Amazon Echo. "Amazon ist dafür das weltgrößte Hochregallager, sprich ein Handelsriese. Deshalb ist Amazon Echo bei der Bestellung von Produkten derzeit im Vorteil."

Das Verständnis
Beim sprachlichen Verstehen hat Amazon Echo Vorteile. Das System hört auch dann auf Sie, wenn viele Leute im Raum durcheinander reden. Rein inhaltlich begreift Google Home eher, was Sie möchten. Das liegt an der effizienteren und wesentlich größeren Datenbank auf die das Gerät zugreifen kann.

Der Preis
Google Home ist mit knapp 150 Euro rund 30 Euro billiger als Amazon Echo. Dafür bietet Amazon mit Amazon Dot für rund 60 Euro eine kleinere Variante, die in ihren Funktionen, wie etwa Musik abspielen, aber beschränkt ist.

Wie sind Ihre Daten geschützt?

Normalerweise schalten sich die Geräte erst vollständig ein, wenn Sie als Nutzer das Kennwort sagen. Amazon Echo reagiert auf "Alexa" und Google Home auf "Hey Google" oder "OK Google". Dann verbinden sich die Geräte mit dem Internet. "Das sehen Sie dann an einem blauen Button, der auf den Geräten leuchtet", sagt David Wulf. Im Prinzip sind die Mikros der Geräte aber immer an. Im Prinzip könnten Sie also auch immer abgehört werden, weil Sie ja nicht wissen, ob sich nicht doch jemand in Ihr Gerät gehackt hat. Unser Experte sieht das gelassen: "Sie müssten dann aber auch Angst vor Ihrem Smartphone haben. Das hat auch ein Mikro, außerdem eine Kamera und kann per GPS geortet werden. Das ist bei den Sprachassistenten so nicht möglich."

Sollten aber jemand aus Versehen seinen Sprachassistenten aktivieren und versehentlich Pizza oder andere Dinge im Internet bestellen, ist er rein rechtlich dafür voll verantwortlich. Auch wenn ihre Kinder sich vermeintlich einen Scherz mit dem digitalen Kumpel erlauben, müssen Sie im Ernstfall zahlen. "Diese Dinge sind schon vorgekommen, aber gerade Amazon zeigt sich bei versehentlichen Fehlbestellungen in der Regel sehr kulant", so David Wulf von Home&Smart.

Auch Tiere können das

In London hat gerade ein Papagei über Alexa eine Bestellung abgegeben. Der Lieferant zeigte sich aber großzügig und die Besitzer des schlauen Vogels mussten nichts bezahlen. Vor derlei Problemen können Sie sich schützen, indem Sie die Aufgabe einer Bestellung mit einem Zahlencode verknüpfen. Den allerdings müssen Sie über die Handy- oder Computertastatur eingeben, was den Sprachassistenten fast schon wieder überflüssig macht.

Jetzt loslegen oder auf noch bessere Geräte warten?

Täglich kommen neue Anwendungsmöglichkeiten für Sprachassistenten auf den Markt. Die Möglichkeiten der aktuellen Geräte erweitern sich dadurch ständig. "Ob Sie jetzt eins der aktuellen Geräte kaufen oder auf die Produkte der Konkurrenten warten, ist reine Glaubenssache. Fakt ist, der Markt wächst, verändert sich und wir sehen hier noch ein großes Potential in den nächsten Jahren", sagt David Wulf.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 12. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 09:26 Uhr