Umschau-Quicktipp | 30.10.2017 Überwachungskameras für zu Hause: Worauf sollte man beim Kauf achten?

Sie sollen kleine Aufpasser für die Wohnung oder für das eigene Haus sein: Überwachungskameras registrieren Bewegungen und schicken dann einen Alarm aufs Smartphone. Nutzer können zudem von unterwegs schnell mal nachsehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist. Allerdings sind manche Kameras selbst unsicher und reagieren zu sensibel. Wir geben Tipps für den Kauf.

Namensgewirr….

Überwachungskameras für zu Hause werden derzeit unter verwirrend vielen verschiedenen Bezeichnungen verkauft: Üblich sind etwa „IP-Cam“, „WLAN-Kamera“, „Wifi-Kamera“ oder auch „Cloud Kamera“. Gemeint ist fast immer eine Kamera, die ins häusliche WLAN eingebunden wird, die Kontrolle von unterwegs erlaubt, bei Bewegungen Alarme verschickt und die Aufzeichnungsdaten für eine bestimmte Zeit speichert.

….kurz erklärt.

Überwachungskamera
Bildrechte: IMAGO

Die Technik-Bezeichnungen sind aber schnell enträtselt: IP steht für „Internet Protocol“. Die Kamera bekommt ähnlich wie ein Tablet eine eigene IP-Adresse und kann so über eine kostenlose App auf dem Smartphone bedient werden. „Wifi“ oder „WLAN“ zeigen an, dass die Kamera kabellos mit dem Internet gekoppelt wird. Alternativ können viele der Geräte per Kabel mit dem Router verbunden werden. Das ist sinnvoll, wenn die Kamera draußen an einem Platz ohne WLAN-Abdeckung platziert werden soll. Viele Hersteller bieten inzwischen für ihre Kameras einen sogenannten Cloud-Service an: Dabei werden die Aufnahmen beim Hersteller gespeichert, der zudem mit Sicherheitsupdates die Software der Kamera aktualisiert.

Detailreich

Eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf einer Überwachungskamera für zu Hause ist die Bildqualität. Viele Hersteller bieten inzwischen Kameras, die Bilder in HD oder sogar Full-HD auflösen. Das sollte auch der Mindeststandard sein, rät Christoph Giese von CHIP Online: „Da erkennt man einen Einbrecher auch dann, wenn er nicht direkt vor der Kamera steht. Bei alten Kameras mit VGA-Auflösung über 640 mal 480 Pixel hat man da einen Nachteil.“ Wichtig sei die höhere Auflösung in Full-HD zudem, weil Nutzer damit auch auf dem kleinen Smartphone-Bildschirm noch Details in der Wohnung erkennen können. Soll die Kamera außen angebracht werden, sollten Käufer grundsätzlich zu Modellen mit dem Kürzel „1080p“ greifen. „Draußen geht’s ja richtig in die Tiefe und dann will man vielleicht auch das Kennzeichen des Autos erkennen, dass da vor der Garage stand“, sagt Christoph Giese. Einige Hersteller bieten zudem noch Kameras mit Infrarot-Modus an. Die Geräte liefern dann auch nachts oder bei wenig Licht gute Bilder.

Alarm nur in wirklich wichtigen Fällen

In der Regel springen Überwachungskameras an, wenn sie eine Bewegung oder auch ein Geräusch registrieren. Dann senden sie eine Alarmmeldung aufs Smartphone des Nutzers. Der kann aus der Ferne kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Meist taucht dann auf dem Kamerabild nur ein Familienmitglied oder der Hund auf. Um solche nervigen Fehlalarme zu minimieren, arbeiten viele Hersteller mit einer Gesichtserkennung. Im besten Fall soll die Kamera nur Alarm schlagen, wenn jemand Fremdes im Bild ist. „Unserer Erfahrung nach funktioniert die Erkennungssoftware aber nicht ohne Probleme. Das ist auch logisch, man geht ja nicht immer frontal auf die Kamera zu und schaut direkt rein“, sagt Maik Morgenstern vom Magdeburger Sicherheitsinstitut AV-Test. Die Zahl der Alarme gehe aber spürbar zurück.

Wichtige Extras

Router mit WLAN-Antenne und verschiedenfarbigen Netzwerkkabeln.
Bildrechte: IMAGO

Nutzer sollten beim Kauf einer Kamera auch die Liste der Extras genau durchgehen. Davon hängt ab, ob die Kamera überhaupt für den geplanten Einsatz geeignet ist. Nicht alle Modelle sind wetterfest und sollten daher auch nur drinnen genutzt werden. Wichtig ist auch die Art der Stromversorgung: Manche Modelle laufen über Akkus und können zusätzlich über ein Stromkabel versorgt werden. „Letzteres ist günstiger, weil dann die Kamera dauerhaft versorgt ist. Bei der Akku-Lösung kann man wiederum das Gerät überall anbringen, wo man will“, sagt Maik Morgenstern.

Die Hersteller geben Akku-Laufzeiten von drei bis sechs Monaten an. Die sind aber in der Praxis nicht immer realistisch. „Wenn man sehr lange das Videosignal von der Kamera empfängt, geht auch die Akku-Laufzeit schnell runter. Die Geräte sind darauf ausgelegt, dass die Kameras nur aufnehmen, wenn sie eine Bewegung wahrnehmen“, sagt unser Experte. Wer also lange übers Smartphone zu Hause nach dem Rechten sieht, belastet den Akku. Einige Kameras haben als Extra noch einen eingebauten Lautsprecher. Über den können Nutzer Personen im überwachten Raum ansprechen und im Idealfall einen Dieb oder Einbrecher noch abschrecken. Auch darauf sollten Nutzer achten: Kameras können von Einbrechern mitgenommen werden. Die privaten Aufnahmen sollten daher nicht auf einer Speicherkarte oder einem USB-Speicher gelagert werden.

Abo sorgt für Zusatzkosten

Bei zahlreichen Anbietern können wichtige Kamera-Funktionen nur über zusätzliche Abos genutzt werden. Die verursachen weitere Kosten, die schnell auf bis zu 100 Euro im Jahr steigen können. Abo-Nutzer können beispielsweise eine bestimmte Zone um ihr Haus oder ihre Wohnung festlegen. Wird die Zone vom Nutzer mit dem Smartphone betreten, schaltet die Kamera ab. Auch wer Aufnahmen der Kamera länger als einen Tag speichern will, muss bei vielen Anbietern ein Abo abschließen. „Das Problem ist dann: Wenn man im Urlaub ist und gleich am ersten Urlaubstag wurde eingebrochen, sind die Aufnahmen weg. Dann kann man nicht mehr prüfen, was passiert ist“, sagt Christoph Giese. Er rät zu Anbietern, die ohne Aufpreis bis zu eine Woche lang Aufnahmen speichern. 

Sicherheitslücken

Leider sind private Bilder aus dem Haus nicht bei allen Kameras sicher vor Dritten. Bei manchen werden Aufnahmen unverschlüsselt übertragen. Das wird dann zum Problem, wenn Kameranutzer die Aufnahmen aus der Ferne über ein ungesichertes WLAN abrufen. „Wenn Hacker im gleichen Netzwerk sind, können die mit ein klein wenig Aufwand Bilder mit anschauen“, sagt Maik Morgenstern.

Bei anderen Modellen würden die Anmeldedaten für die Kamera ohne Schutz übertragen. So könnten Hacker sogar die Kamera übernehmen. „Allerdings können Nutzer gar nicht sehen, ob Daten verschlüsselt oder unverschlüsselt übertragen werden“, kritisiert der Experte von AV-TEST. Das Sicherheitsinstitut aus Magdeburg prüft ebenso wie CHIP oder Stiftung Warentest regelmäßig Kameras auf Sicherheitslücken. Auf diese Berichte können sich Nutzer dann verlassen.

Nicht beim Nachbarn

Eine Video-Überwachungskamera an einer Hauswand.
Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Die Überwachung kennt Grenzen. Grundsätzlich dürfen Privatpersonen nur die eigenen Wohnung oder das eigene Grundstück überwachen. Der öffentliche Raum oder gar fremde Grundstücke dürfen nicht gefilmt und schon gar nicht systematisch überwacht werden. Die Veröffentlichung solcher Aufnahmen ist ebenfalls verboten. Selbst mit Aufnahmen, die auf dem eigenen Grundstück entstanden sind, sollten Nutzer sorgsam umgehen. Vor allem, wenn darauf andere Personen zu sehen sind, zum Beispiel der Nachbar hinterm Zaun.

Fazit

Gute Kameras für drinnen gibt es laut unseren Experten aktuell ab 100 bis 150 Euro aufwärts. Für Geräte für draußen müssen Nutzer derzeit rund 300 Euro ausgeben. Dafür gibt es Geräte mit guten Extras, hoch aufgelösten Bildern und ohne Sicherheitslücken. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch ein aktueller Test der Stiftung Warentest (Heft 10/2017) von 16 Überwachungskameras. Mit „Gut“ wurden drei Modelle zwischen 169 und 315 Euro bewertet. Günstige Modelle unter 100 Euro schnitten maximal mit „Befriedigend“ ab.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 30. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2017, 00:10 Uhr