Umschau-Quicktipp | 20.07.2017 Irreführende Vergleichsseiten

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat herausgefunden, dass fast die Hälfte aller Kunden dem Urteil von Vergleichs- und Testseiten vertraut. Für die Betreiber solcher Seiten ein Riesenmarkt. Während die Kunden darauf hoffen, wirklich seriöse Testberichte und -ergebnisse  über Ihr Produkt zu bekommen, machen die Seitenbetreiber mit Allerweltsinformationen und ein paar Produktdetails ein großes Geschäft. Statt Orientierung im großen Warenangebot, bieten die Seiten vermeintlich klare Testsieger – die es auch gleich bequem zu kaufen gibt.

Das Problem

Geben Sie auf der Suche nach Produktinformationen zum Beispiel "Dachgepäckträger + Test" in eine Suchmaschine ein, bekommen Sie viele Seiten mit vermeintlichen Testberichten, Testsiegern oder Vergleichssiegern angeboten.

Die Seiten erwecken auf den ersten Blick den Eindruck, als wurden die Produkte hier tatsächlich wissenschaftlich getestet und geprüft. In Wirklichkeit fassen viele der Betreiber aber nur andere Testergebnisse und Kundenmeinungen zusammen, oft gemixt mit Produktangaben der Hersteller. Hinzu kommt eine oft nicht nachvollziehbare Bewertung inklusive einer grafischen Aufbereitung die stark an seriöse Testgesellschaften wie die Stiftung Warentest erinnert. Die wirklichen Testkriterien sind oft nicht nachvollziehbar, Bezeichnungen wie Testsieger oder Preissieger verwirren zusätzlich. Statt also dem Kunden eine objektive Orientierung zu geben, werden bestimmte Produkte besonders hervorgehoben und können sofort gekauft werden. 


Das Geschäft der Vergleichsseit
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Ein Eurozeichen in einem Auge.
Bildrechte: IMAGO

Die meisten Vergleichsseiten verlinken nämlich gleich zu  Onlineshops, in denen Sie die Produkte kaufen können. Das Vergleichsportal bekommt dann von den Händlern eine Provision. Bis zu zehn Prozent vom Produktpreis sind drin. Dieses Geschäftsmodell der Portale und Händler ist im Prinzip nicht verboten und  auch bei Branchengrößen wie Amazon, Mediamarkt oder Otto üblich. Das Problem: Je teurer ein Produkt ist, desto höher fällt die Provision für das Vergleichsportal aus. Dadurch landen häufig teurere Produkte auf vorderen Plätzen. Das ist unseriös und wird von den Verbraucherzentralen als unzulässige Werbung angesehen.    

Das Bohrmaschinen-Beispiel

Ein Bohrer im Bohrfutter einer Bohrmaschine
Bildrechte: IMAGO

Sie wollen sich eine neue Bohrmaschine kaufen und geben "Bohrmaschine + Test" in die Suchmaschine ein. Unter den dann angezeigten fragwürdigen Testseiten wird Ihnen ein Testergebnis mit den angeblich zehn besten Bohrmaschinen präsentiert. Mal abgesehen davon, dass Sie meist nicht alle Bohrmaschinen auf einen Blick zu sehen bekommen, finden Sie auf der ersten Seite auch gleich den Test- und den Preissieger. Kein Grund also, sich weiter zu erkundigen. Stattdessen weiter zum Shop und Produkt gekauft!. Warum sollten Sie sich auch weiter informieren? Sie bekommen ja die Vorteile dieses Produktes aufgezeigt, in einigen Fällen gleichzeitig die negativen Seiten eines Baumarktbesuches: zu weit weg, zu voll, Sie müssen mit dem Auto fahren, keine Parkplätze, ein beschränktes Angebot und Anstehen an der Kasse. Eine Erklärung, unter welchen Bedingungen die Auswahl der Produkte und der Test stattgefunden haben, findet sich jedoch meist nicht.

Vorsicht: Das alles dient nur dazu, Sie zum umgehenden Kauf zu bewegen und nicht, um Sie aufzuklären, ob das Produkt tatsächlich Ihren Preisvorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Teures Profiwerkszeug, das auf einigen Seiten empfohlen wird, braucht der normale Handwerker unter Umständen gar nicht. Scheuen Sie daher nicht den Weg in den Baumarkt. Dort erhalten Sie auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Produkte, eine gute Beratung und einen angemessenen Preis. Außerdem sind die meisten Märkte sehr kulant und tauschen mitunter bis zu sieben Jahre nach Kauf ohne Nachfragen um.

Vom Test zum Vergleich

Eine Hand klickt auf einer weißen Bluetooth-Maus.
Bildrechte: IMAGO

Die Verbraucherzentrale hat wegen dieser Vorgehensweise und der Vortäuschung, dass wirkliche Produkttests stattfinden, mehrere Betreiber von Testseiten abgemahnt. Daraufhin haben die Betreiber ihre Seiten umbenannt. Kritisiert wurde nämlich, dass die Seiten einen wirklichen Test der Produkte vortäuschen. Deshalb sind viele Seiten jetzt Vergleichsseiten. Denn ein Vergleich der Produkte kann auch durch Kundemeinungen oder den Seitenbetreiber selbst geschehen. Wirkliches Fachwissen braucht man dazu nicht. Ein kleiner Hinweis, dass es sich um einen Produktvergleich oder eine durch Kundemeinungen inspirierte Zusammenstellung handelt, hilft dem Kunden aber nicht wirklich weiter.      

Darum kosten gute Tests Geld

Seriöse Testportale wie die Stiftung Warentest, Finanztest oder Ökotest beschäftigen unabhängige Institute mit den Tests von Produkten. In aufwendigen und oftmals langwierigen Versuchen werden die Testprodukte ausführlich nach vorher festgelegten Kriterien untersucht. Kunden bekommen keine Kaufempfehlung oder Verlinkung zum Produkt. Die Portale finanzieren sich zum Großteil über den Verkauf Ihrer Testergebnisse. Diese Tests bieten seit über 30 Jahren zuverlässige Orientierung bei Konsumprodukten.

Fazit

Wenn Sie realistische Informationen über ein Produkt haben wollen, dann vertrauen Sie Portalen, die Sie nicht sofort an Onlineshops weiterleiten. Suchen Sie nach klar definierten Test- und Produktkriterien und vertrauen Sie nicht auf Kundenmeinungen. Die sind im Zweifel genauso frei erfunden, wie der ganze Test.     

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 20.07.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2017, 00:10 Uhr