Umschau-Quicktipp | 29.05.2017 Auszeit vom Alltagsstress: Kuren für Eltern

Manchmal kann das Familienleben Mütter und Väter nicht nur fordern, sondern auch überfordern. Mehrfachbelastungen durch Haushalt, Kindererziehung und Beruf können auf Dauer krank machen – körperlich und seelisch. Damit es nicht soweit kommt, können Eltern schon im Vorfeld die Reißleine ziehen und eine Kur beantragen. Mutter/Vater & Kind-Kuren sind in der Regel dreiwöchige stationäre Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen, die auf die Gesundheitsprobleme und Lebenssituationen von Müttern/Vätern und Kindern eingehen. Wer Anspruch hat, welche Unterschiede es gibt und wie man den Weg zur Kur beschreitet: hier die Antworten.

Voraussetzungen

Alle Mütter oder Väter, die Kinder erziehen, können eine Mutter/Vater & Kind-Kur beantragen, wenn...

  • bei Mutter oder Vater eine Kurbedürftigkeit vorliegt und der Arzt eine Kur befürwortet. Beispiele hierfür sind Krankheiten des Herzens und des Kreislaufs, Übergewicht, Hauterkrankungen, Überlastung, aber auch eine Trennung vom Partner.
  • eine Versorgung des Kindes/der Kinder zu Hause ausgeschlossen bzw. die Trennung vom Elternteil unzumutbar ist oder wenn auch bei dem Kind/den Kindern aus ärztlicher Sicht eine Behandlungsbedürftigkeit vorliegt.

Gesetzliche Grundlagen

Die leistungsrechtlichen Vorschriften für Mutter/Vater & Kind-Kuren sind  im Sozialgesetz Fünftes Buch (SGB V) festgelegt. Hier wird unterschieden zwischen der medizinischen Vorsorge (§ 24 SGB V) und medizinischer Rehabilitation (§ 41 SBG V). Für diese Maßnahmen gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“ ausdrücklich nicht.

Der Weg zur Kur

Stempel - Antrag genehmigt -
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Wie bei allen anderen Kuren auch ist der erste Schritt der zum Arzt. Dieser muss ein ärztliches Attest ausstellen. Die dafür notwenigen Formulare gibt es bei der Krankenkasse oder beim Mutter-Kind-Hilfswerk e.V.. Dabei sollte unbedingt auch die Lebenssituation der Mutter oder des Vaters beschrieben werden – gibt es finanzielle Probleme, ist ein krankes Kind zu versorgen oder belastet die Verantwortung als alleinerziehender Elternteil? Auch spezielle Schwerpunktkuren für besondere Lebensumstände oder bestimmte Krankheitsbilder sind möglich. Anschließend werden die Formulare bei der Krankenkasse eingereicht. Dann heißt es warten. Bis zur Genehmigung können Wochen oder Monate vergehen. Ist die Kur bewilligt, hat man meist zwischen drei und sechs Monaten Zeit, um die Kur anzutreten. Die Frist steht in der Bewilligung. Wichtig für die Wahl der konkreten Kurklinik: Versicherte haben ein gesetzlich festgelegtes Wunsch- und Wahlrecht. Die Krankenkassen müssen also bei der Wahl der Klinik die berechtigten Wünsche der Versicherten berücksichtigen. Eine Anlaufstelle bei der Auswahl der passenden Klinik ist das Müttergenesungswerk. Unter diesem Dach arbeiten zahlreiche anerkannte Kurkliniken. Hinzu kommen noch zahlreiche private Anbieter, zum Beispiel über die „Arbeitsgemeinschaft Eltern & Kind Kliniken“. Hilfe und Rat bekommen Kurwillige bei Beratungsstellen und Wohlfahrtsverbänden.

Kinder im Schlepptau

Manchmal ist es notwendig, dass Kinder ihre Eltern in die Kur begleiten. Das Kind kann als Begleitkind mitfahren, wenn beispielweise zu befürchten ist, dass das Kind unter der Trennung leidet, wenn eine belastende Mutter-(Vater)-Kind-Beziehung verbessert werden soll oder wenn das Kind während der Kur nicht anderweitig betreut werden kann. Eine andere Variante bietet sich, wenn das Kind ebenfalls behandlungsbedürftig ist. Hierzu kann man vom Kinderarzt einen entsprechenden Zusatzbogen ausfüllen lassen und diesen zur Bewilligung auch der Krankenkasse vorlegen. Mit aufgenommen werden in der Regel Kinder bis 12 Jahre, in seltenen Fällen Kinder bis 14 Jahren. Für behinderte Kinder gibt es keine Altersgrenzen. Eltern-Kind-Kuren müssen nicht zwingend in den Schulferien stattfinden. Mitreisende schulpflichtige Kinder werden in den Kurkliniken unterrichtet.

Auf Ablehnung reagieren

Sollte die Krankenkasse den Antrag ablehnen, können Mütter bzw. Väter in Widerspruch gehen. Dieser muss innerhalb eines Monats nach der Ablehnung bei Ihrer Kasse eingehen. Und es lohnt sich: 2015 waren 62 Prozent aller Widersprüche erfolgreich. Beratungsstellen wie das Mutter-Kind-Hilfswerk e.V. können bei der Formulierung des Widerspruchs helfen.

 Ablauf einer Kur

Menschen sitzen in einem Gesprächskreis zusammen.
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Nach einer Aufnahmeuntersuchung durch die Klinikärzte und einem Aufnahmegespräch wird gemeinsam mit dem Therapeutenteam ein individueller Therapieplan erstellt. Er besteht zumeist aus Ernährungsberatung, Gesundheitsberatung, Entspannungsübungen, therapeutischen Gesprächen, Bewegungsübungen und Erziehungsberatung. Zusätzlich zu diesem „Pflichtprogramm“ bieten die Kliniken zahlreiche Freizeitmöglichkeiten an. Auch für die Kinder gibt es Angebote, ihre Freizeit individuell und mit anderen Kindern zu verbringen. Während die Eltern ihre Therapien besuchen, werden die Kinder von Pädagogen in altersgleichen Gruppen ganztägig betreut. Das Angebot variiert von Klinik zu Klinik zum Teil stark, weshalb ein Vergleich der Einrichtungen in jedem Fall lohnt.

Kosten

Mutter-Kind-Kuren, Vater-Kind-Kuren sowie reine Mütter- und Väterkuren sind Pflichtleistungen der Krankenkassen und werden, insofern die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind, auch bezahlt. Die Zuzahlung pro Kalendertag beträgt für Erwachsene 10,00 Euro. Sind Versicherte generell von der Zuzahlung befreit, fällt auch dieser Kostenpunkt weg. Zudem können die Fahrtkosten bezuschusst werden. Kinder sind generell von der Zuzahlung befreit. Anders ist es bei privat Versicherten. Hier werden nur im Falle einer entsprechenden Zusatzversicherung die Kosten für die Mutter/den Vater übernommen. Die Kosten für das Kind müssen selbst getragen werden, wenn das Kind nicht ebenfalls behandlungsbedürftig ist. Ist die Kur eine medizinische Maßnahme, wird dafür kein Extra-Urlaub benötigt. Zudem besteht ein Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Fazit

Alle Kur-Experten empfehlen: Besser zu früh als zu spät. Viele betroffene Eltern scheuen eventuelle Hürden bei der Beantragung dieser gesetzlichen Pflichtleistung. Doch das ist gar nicht notwendig. Wo es vor einigen Jahren noch schwierig war, eine Kur von den Krankenkassen bewilligt zu bekommen, sind heute die meisten Anträge erfolgreich. Zudem helfen zahlreiche Beratungsstellen kostenlos bei Beantragung und Widerspruch. Und: Nach der Kur ist vor der Kur. Eine solche Auszeit ist alle 4 Jahre möglich.

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 29.05.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2017, 15:49 Uhr