Umschau-Quicktipp | 03.11.2017 Wie gesund ist Milch?

Milch gilt als gesund. Sie enthält alle Nährstoffe, die der Mensch zum Wachstum braucht. Nicht zuletzt deshalb ist Muttermilch das erste Nahrungsmittel, das der Mensch nach der Geburt zu sich nimmt. Milch soll müde Männer munter machen und gerade für die Entwicklung von Kindern wichtig sein. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die behaupten, ein Zuviel könne Krankheiten wie Krebs fördern. Wie gesund ist Milch wirklich und welche Milch ist aktuell richtig gut?

Wer verträgt Milch?

Zwei Kinder trinken aus einem Glas mit Strohhalmen Milch.
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Jeder Deutsche verbraucht im Durchschnitt rund 85 Kilogramm Frischmilcherzeugnisse pro Jahr. Das sind neben der puren Milch noch Käse, Kefir, Joghurt und so weiter. Über Jahrtausende haben gerade wir Mitteleuropäer uns an den Verzehr von Milch gewöhnt. Wir können die Inhaltsstoffe wie etwa den Milchzucker im Normalfall gut verarbeiten, sind also laktosetolerant. Wer die entsprechende genetische Veranlagung zur Verdauung von Milch nicht besitzt, also laktoseintolerant ist, für den bringt der Verzehr von Milch und Milchprodukten mindestens kräftige Blähungen und Bauchschmerzen mit sich.

Was steckt in der Milch?

Milch hält eine ganze Palette gesunder Stoffe bereit: Neben Wasser und Mineralstoffen sind Eiweiße, Milchzucker, Fette und Vitamine in ihr enthalten. Eiweiß und die darin enthaltenen Aminosäuren braucht der Körper zum Aufbau und zur Regeneration seiner Zellen. Milch bietet Magnesium und Phosphor, ist aber auch eine der wichtigsten Kalzium-Quellen. Kaum ein anderes Nahrungsmittel enthält ähnlich viel von dem Mineralstoff, der für feste Zähne und Knochen wichtig ist.

Ist fettarme Milch gesünder als Vollmilch?

Der Nährwert der Milch hängt vor allem von ihrem Fettgehalt ab. Milch gibt es fettreduziert ab 0,5 Prozent Fettanteil auf 100 Milliliter bis hin zu 5 Prozent Fett bei Rohmilch. Die Nährstoffgehalte sind vergleichbar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aufgrund der gesättigten Fette, die nur in Maßen erwünscht sind, fettarme Milch und Milchprodukte. Allerdings enthalten viele andere Lebensmittel deutlich mehr Fett als Milch. Davon weniger zu essen scheint sinnvoller, als auf Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen zu verzichten.

Ist Rohmilch gesünder als H-Milch?

Milch kann unterschiedlich lange und mit unterschiedlich hohen Temperaturen wärmebehandelt (d.h. pasteurisiert) werden: Rohmilch wird beispielsweise gar nicht behandelt, Frischmilch wird bei 72 bis 75 Grad erhitzt, H-Milch kurzzeitig bis auf 150 Grad Celsius.

Ein Bauer melkt eine Kuh per Hand.
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Das wirkt sich in erster Linie auf den Nährwert der Milch aus: In Frischmilch kann ein geringer Verlust von etwa 10 Prozent an Vitamin B auftreten, in H-Milch bis 20 Prozent. Wird die Rohmilch im Haushalt kurz aufgekocht, sind die Verluste gleich hoch oder höher als zur H-Milch. Daneben hat die Pasteurisierung Einfluss auf die Keimbelastung der Milch. Nur pasteurisierte Milch ist durch das Erhitzungsverfahren deutlich keimreduzierter als Rohmilch. Schwangere, Stillende, Kleinkinder und Menschen mit eingeschränktem Immunsystem sollten deshalb keine Rohmilch und Rohmilchprodukte verzehren.

Schließlich hat die Erhitzung auch Einfluss auf die Haltbarkeit der Milch: Je höher sie erhitzt wurde, desto länger hält sie. Aber: Je länger und höher Milch erwärmt wird, desto mehr verändert sich ihre Molekülstruktur. Die Milch bekommt einen „Kochgeschmack“. Das kann den puren Milchgenuss beeinträchtigen und auch bei der Zubereitung von Milchspeisen den Geschmack beeinflussen. Zum Kochen und Backen ist Frischmilch deshalb die bessere Wahl.  

Ist Biomilch gesünder  als "Industriemilch"?

Bei Biomilch stammt die Milch aus ökologischer Tierhaltung. Das heißt, dass die Kühe mindestens 60 Prozent ihres Futters als Heu oder Gras erhalten. Alle aktuell von Stiftung Warentest überprüften Bio-Milch-Erzeuger geben Ihren Kühen mindestens 120 Tage im Jahr Auslauf auf der Weide. Kraftfutter darf nicht genetisch verändert sein. Die Inhaltsstoffe der Biomilch und der „Industriemilch“ unterscheiden sich nicht wesentlich. Es gibt aber Studien, die ein verändertes Fettsäuremuster in der Biomilch festgestellt haben. Dies wiederum könnte den Cholesterinspiegel senken.

Welche Milch ist rundum gut?

Aktuell hat die Stiftung Warentest 18 Milchmarken geprüft. Gesundheitlich unbedenkliche Milch bekommen Sie von allen Anbietern. Dennoch gibt es Unterschiede, die vor allem in der Transparenz der Hersteller liegen. So stellt Aldi-Nord mit Meierkamp-Frische-Alpenmilch den Testverlierer mit dem Qualitätsurteil "ausreichend", weil nicht gut genug deklariert wurde, von wem die Milch genau kommt. Die Milsani-Frische-Milch von Aldi Nord für 68 Cent pro Liter bekam dagegen ein "gut". Testsieger ist die  Biomilch Bio-Frische-Vollmilch von Aldi-Süd für 1,09 Euro pro Liter. Wer eine Bio-Milch für rund einen Euro pro Liter kauft, tut damit auch den Tieren etwas Gutes. Die Kühe dieser Erzeuger kommen tatsächlich auf die Weide und stehen nicht das ganze Jahr im Stall. Außerdem bekommen sie weniger Kraftfutter mit künstlichen Zusätzen. Oft kaufen namhafte Molkereien die Milch auch von mehreren Erzeugern. Sie können an der Verpackung dann nur noch erkennen, wo der letzte Verarbeitungsschritt erfolgte. Wo die Milch, die Sie gekauft haben, wirklich herkommt, lässt sich so nicht mehr nachvollziehen. Besonders bemängelt wird von Warentest, dass einige Hersteller die Verbraucher mit Etiketten regelrecht in die Irre führen. Lassen Sie sich deshalb von einschlägigen Bildern oder Begriffen wie „Frische Alpenmilch“ oder „Weideglück“ nicht beeindrucken.

Ist Milchtrinken gesund?

Milch liefert neben anderen wichtigen Nährstoffen vor allem leicht verdauliches Eiweiß und Kalzium. Das braucht der Körper unter anderem zum Aufbau und zur Regeneration seiner Zellen. Enthalten ist der Mineralstoff auch in Grünkohl, Fenchel, Brokkoli, frischen Kräutern, Hülsenfrüchten sowie in kalziumhaltigem Mineralwasser. Kritische Stimmen bringen Milch mit der Entstehung von Akne, Arterienverkalkung, Diabetes, Übergewicht, Krebs und neurodegenerativen Krankheiten in Verbindung. Bewiesen ist das aber „nur“ für Prostatakrebs. Männer, die täglich mehr als 1,2 Liter Milch trinken oder mehr als 100 Gramm Hartkäse essen, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs. Allerdings reichen die Studien nicht aus, um vom Milchkonsum abzuraten. Das Thema bleibt eine Streitfrage.

Alternative Pflanzenmilch?

Wer gegen Kuhmilch allergisch ist, der kann auch auf alternative Milchprodukte zurückgreifen. Ganz ohne tierische Milch kochen Sie mit Milch aus Sojabohnen, Mandeln oder Nüssen. Letztere Sorten sind in der Regel wesentlich fettreicher und teurer, lassen sich aber als Zutaten beim Kochen und backen gut alternativ einsetzen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 03. November 0017 | 09:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2017, 00:10 Uhr