Umschau-Quicktipp | 10.05.2017 Online Bewerben per Handy, Tablet und Computer

Die Zahl von Bewerbungen übers Smartphone, Jobportale oder E-Mail steigt: Jobsuchende können sich so leichter und schneller bewerben. Unternehmen sparen sich den Aufwand, die Bewerbung auf Papier in die Firmensoftware zu übertragen. Wir geben eine Übersicht, welche Wege für eine Onlinebewerbung genutzt werden können und worauf Jobsuchende dabei achten sollten.

Unterwegs nach Jobs suchen

Frau sitzt an Schreibtisch vor Bauplänen und Laptop und hält ein Mobiltelefon. Neben ihr steht eine Salatschüssel.
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Nach der Studie "Recruiting Trends 2017" der Universität Bamberg im Auftrag des Jobportals Monster suchten rund 42 Prozent der Befragten unterwegs übers Smartphone nach Jobs. Im Jahr davor waren es noch rund 17 Prozent. "Das ist ein Zug, der nicht aufzuhalten ist. Die Unternehmen werden es den Bewerbern immer einfacher machen, indem sie etwa ihre Karriereseiten fürs mobile Anschauen optimieren", sagt Wolfgang Tomek von der Firma d.vinci, die Arbeitgeber und Jobsuchende berät.

Tablet mit Tastatur
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Allerdings bewerben sich der genannten Studie zufolge nur 13 Prozent der Befragten dann tatsächlich auch gleich übers Smartphone. "Die Nutzer machen sich vor allem Sorgen ums Thema Datenschutz", sagt unser Experte. Wenn das Problem gelöst würde, könnten sich mehr als 50 Prozent eine mobile Bewerbung vorstellen. Die Möglichkeit zur Online-Bewerbung bieten inzwischen nicht mehr nur Unternehmen aus dem Technik- oder Medienbereich an. Auch der Einzelhandel oder etwa die Metallbranche setzen auf den schnellen Weg, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Noch immer kein einheitlicher Weg fürs Online-Bewerben

Auch wenn immer mehr Unternehmen potentiellen Mitarbeitern die Bewerbung leichter machen wollen, gibt es dafür bisher noch keinen einheitlichen Weg. "Das liegt sicher auch an der Vielzahl der Anbieter auf dem Markt und an den unterschiedlichen Strukturen der Unternehmen selbst", sagt Wolfgang Tomek. Bei einigen Firmen können Bewerber auf Jobangebote gleich auf mobilen Unternehmens-Webseiten antworten und die nötigen Unterlagen hochladen. "Die kann man für solche Fälle zum Beispiel in einem Onlinespeicher vorhalten – am besten im PDF-Format, weil man da das Thema Viren weitestgehend eliminieren kann", empfiehlt der Experte. Andere Firmen setzen auf Job-Portale wie Stepstone oder Monster. Die Firmen schalten dort Stellenanzeigen, von denen Nutzer auf die Karriereseiten der Unternehmen weitergeleitet werden. "Als weitere Möglichkeit bieten die Jobportale auch ein eigenes Bewerbermanagement an. Dort trägt man sich ein und dann leitet das Portal alles weiter an die Unternehmen", sagt Wolfgang Tomek. Dafür müssen die Kontaktdaten – also Name und E-Mail-Adresse – angegeben und parallel Lebenslauf und Anschreiben hochladen werden. Das geht von der Festplatte oder aus Onlinespeichern wie Dropbox oder Google Drive.

Profil freischalten

Mobil bewerben kann sich auch, wer in beruflichen Netzwerken wie XING oder LinkedIn ein Profil eingerichtet hat. Unternehmen können in den Netzwerken Stellenanzeigen schalten, auf die sich Nutzer der Netzwerke mit wenigen Klicks bewerben können. Jobsuchende können sich zudem über kostenlose Apps über passende Stellen hinweisen lassen. Bei XING lassen sich Bewerbung und Lebenslauf mit einem Mausklick aus den hinterlegten Daten generieren und gegebenenfalls anpassen. Zudem suchen Unternehmen in den Netzwerken aktiv nach passenden Bewerbern und scannen dafür die Profile der Nutzer. "Das ist so etwas wie die persönliche Visitenkarte und die sollte man immer auch pflegen", sagt Wolfgang Tomek.

Apps wie Talentcube oder HireVue erlauben Jobsuchenden zudem, sich mit einem spontanen Selfie-Video für einen Job zu empfehlen. "Das ist aber im Moment noch nicht weit verbreitet. Das liegt vielleicht auch an der Scheu der Bewerber, sich dort darzustellen", vermutet unser Experte.

Vorstellungsgespräch bleibt

Im Kalender ist ein Termin für ein Bewerbungsgespräch vermerkt.
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Smartphone, Tablet und Laptop machen vor allem einen schnelleren Kontakt zwischen Jobsuchenden und Arbeitgebern möglich. Die mobile Bewerbung bleibt aber bildlich gesprochen das erste Handheben für einen bestimmten Job. Darauf folgt in der Regel noch ein klassisches Vorstellungsgespräch, in dem sich der Arbeitgeber einen persönlichen Eindruck von den Bewerbern machen kann. Die müssen sich laut Wolfgang Tomek auch keine Sorgen machen, bei einer Online-Bewerbung via Software gescannt und eventuell schnell aussortiert zu werden. "Das ist ein Mythos, der kursiert. In den Fällen, die ich kenne, entscheidet immer noch ein Mensch darüber, wer eingeladen wird."

Schnell und bequem – aber mit Fallen

Auch wenn Jobsuchende ihr Interesse für eine Stelle von unterwegs aus anzeigen, sollte das Ganze wie bei einer klassischen Bewerbung möglichst genau auf das Unternehmen zugeschnitten sein. Beim Weg über berufliche Netzwerke etwa sollten Jobsuchende daher das Profil möglichst genau auf den potentiellen neuen Arbeitgeber zuschneiden. Zudem sollten nicht nur Standarddokumente für die Bewerbung hochgeladen werden. "Man kann sich da ja auch nochmal über ein individuelles Anschreiben gut darstellen", rät Wolfgang Tomek.

Vier Tipps für die Bewerbung

Auch fürs Mobile Recruiting gelten die Regeln, die Ratgeber für das Bewerben per Anschreiben oder E-Mail immer wieder auflisten.

Seriös bleiben
Auch wenn das Smartphone genutzt wird, sollte im Anschreiben der Tonfall nicht zu locker und umgangssprachlich sein. Der Standard lautet immer noch: "Sehr geehrte Damen und Herren". Hat der Bewerber konkrete Ansprechpartner, richtet er die E-Mail direkt an sie. Hier hilft oft eine kurze Recherche auf der Internetseite des Unternehmens im Bereich "Karriere" oder "Personal". Bei der Verabschiedung sollte auch auf Abkürzungen wie "HG" oder Floskeln wie "Liebe Grüße" verzichtet werden.

Übersichtlich gestalten
Übersichtlichkeit ist das höchste Gebot. Im Anhang sollte sich nach Möglichkeit nur eine PDF-Datei befinden, die die komplette Bewerbung beinhaltet. Alles andere ist zu unübersichtlich. Die Personalabteilung müsste alle Anhänge einzeln durchklicken.

Kurz halten
Hier verhält es sich ähnlich wie bei der schriftlichen Bewerbung: Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein. Gerade am Bildschirm liest kaum jemand gern seitenlange Berichte. Wer sich über ein Online-Formular bewirbt, sollte den Text in einem Textverarbeitungsprogramm vorschreiben und erst dann ins Formular kopieren. So erhält er Hinweise über die Länge seines Anschreibens. Ansonsten gilt auch hier: Knapp und dennoch präzise schreiben.

Erreichbar sein
Wer sich übers Smartphone oder den Laptop schnell bewirbt, sollte auf Rückfragen ebenso zügig reagieren. Zudem sollten regelmäßig die in der Bewerbung angegebenen E-Mail-Postfächer kontrolliert werden.

Über dieses Thema berichten auch MDR JUMP am Vormittag | 10.05.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2017, 00:10 Uhr