Umschau-Quicktipp | 14.11.2017 Regeln bei zeitlich begrenzten Nebenjobs

Finanziell lukrativ sind sogenannte "Zeitgeringfügige Beschäftigungen." Sie haben den Vorteil, dass auf den Verdienst keine Sozialabgaben fällig werden – und auch der Arbeitgeber zahlt nur einen geringen Anteil, so dass es sich für beide Seiten lohnt. Gleichzeitig darf bei diesen kurzfristigen Nebenjobs jeder unbegrenzt viel verdienen – es gibt kein Limit nach oben. "Es gibt aber Grenzen nach unten. Auch solche kurzfristigen Beschäftigungen fallen unter das Mindestlohngesetz. Da darf keiner weniger als 8,60 Euro die Stunde verdienen", sagt Rechtsanwalt Dr. Hermann Gloistein aus Halle.

Saisonkraft zeitlich begrenzt

Um diesen Vorteil zu erhalten, müssen sich Nebenjobber aber an bestimmte Regeln halten. Kurzfristige Beschäftigungen bzw. "Saisonbeschäftigungen" sind zeitlich begrenzt: Sie können maximal zwei Monate hintereinander oder 50 Tage im Jahr ausgeübt werden. Die "Zwei-Monate-Regelung" bezieht sich aber auf mindestens fünf Arbeitstage pro Woche. Das bedeutet, wenn der kurzfristige Nebenjob auf zwei Monate begrenzt ist, darf in dieser Zeit auch mehr als 50 Tage gearbeitet werden. "Allerdings gilt auch hier das Arbeitszeitgesetz. Mehr als sechs Tage pro Woche darf keiner arbeiten. Wer also am Sonntag arbeitet, muss einen anderen Tag in der Woche frei bekommen", sagt Anwalt Gloistein, der sich auf Arbeitsrecht spezialisiert hat.

Weihnachtsmänner neben Jobcenter-Logo und Weihnachtsbaum
Bildrechte: IMAGO

Wird der kurzfristigen Nebentätigkeit mit weniger als fünf Tagen pro Woche nachgegangen, so bezieht sich die Obergrenze auf 50 Arbeitstage, die auf das Jahr verteilt werden können. Es dürfen auch mehrere kurzfristige Tätigkeiten ausgeübt werden – egal ob bei einem oder mehreren verschiedenen Arbeitgebern.

Dr. Gloistein weist dabei auf eine Sonderregelung hin: Zeitgeringfügige Beschäftigungen dürfen in diesem und im nächsten Jahr noch auf drei Monate bzw. 70 Tage pro Jahr ausgedehnt werden.

Was passiert, wenn die Regelungen nicht eingehalten werden?

Nicht selten stellt sich nachträglich heraus, dass die Angaben des Arbeitnehmers falsch waren und tatsächlich wegen Zusammenrechnung mit einer weiteren Beschäftigung keine kurzfristige Beschäftigung vorgelegen hat. Geprüft werden kann dies unter anderem durch die Minijob-Zentrale oder auch dem Rentenversicherungsträger. Wer über die "50-Tage- bzw. Zwei-Monats-Regelung" hinaus arbeitet, muss dann nachträglich für alle Arbeiten die Sozialabgaben zahlen. Gleiches gilt auch für den Arbeitgeber, bei dem die Aushilfe über die 50 Tage bzw. zwei Monate hinaus gearbeitet hat.

Deshalb ist es üblich, dem Arbeitgeber schriftlich weitere Beschäftigungen anzuzeigen. Wichtig ist zudem, dass die kurzfristige Beschäftigung vorab zeitlich klar begrenzt ist. Dies sollte durch einen entsprechenden Arbeitsvertrag erfolgen. Andernfalls wird die Beschäftigung als reguläres Arbeitsverhältnis eingestuft.

Andere Jobs nur bedingt möglich

Eine kurzfristige Beschäftigung darf nicht zur nachhaltigen Sicherung des Lebensunterhalts dienen, sondern muss "nebenbei" erfolgen. Unproblematisch ist diese Bedingung zum Beispiel bei Schülern, Studenten, Rentnern oder auch Hausfrauen, da sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgehen. Selbst mit einer regulären Beschäftigung, bei der die Sozialabgaben in voller Höhe fällig werden, können kurzfristige Beschäftigungen kombiniert werden.

Anders verhält es sich bei Arbeitslosen: "Zeitgeringfügige Beschäftigungen können die Ansprüche auf Arbeitslosengeld-I oder Arbeitslosengeld-II gefährden", erklärt der Experte. Als Arbeitslosengeld-I-Bezieher dürfe man nie mehr als 14,99 Stunden pro Woche arbeiten, sonst gilt er nicht mehr als arbeitslos und verliert seinen Arbeitslosengeld-Anspruch in voller Höhe. Wer Arbeitslosengeld-II bezieht, dürfe nie mehr als 100 Euro monatlich ohne Abzüge dazuverdienen. Auch bei Arbeitnehmern in Elternzeit führt eine kurzfristige Beschäftigung zum Abzug beim Elterngeld.

Steuern bei kurzfristiger Beschäftigung

Ein Kellner serviert Speisen
Bildrechte: colourbox.com

Während einer kurzfristigen Beschäftigung werden zwar keine Sozialabgaben fällig, der Verdienst muss aber ganz normal besteuert werden. Hier gelten die üblichen Regularien: Bis zu einem Jahresverdienst von 8.004 Euro für Alleinstehende bleiben die Einkünfte komplett steuerfrei. Alternativ ist auch eine Pauschalversteuerung von 20 bzw. 25 Prozent möglich. "Nach Möglichkeit sollte der Arbeitgeber die Pauschalversteuerung vornehmen, weil die im Regelfall günstiger ist als die reguläre Versteuerung", rät Dr. Gloistein.

Fortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub möglich

Wer familienversichert ist, muss sich trotz "kurzzeitiger Beschäftigung" keine Gedanken über krankheitsbedingten Arbeitsausfall machen. Zwar verdient man in der Regel mehr als 385 Euro, was eigentlich zum Wegfall der Möglichkeit einer Familienversicherung führt. Kurzfristige Beschäftigungen werden aber als "unregelmäßig" bewertet – und daher bleibt man in der Familienversicherung.

Weiteres Plus: Auch wenn der Arbeitgeber keine Sozialabgaben zahlt, muss er aber Beiträge in die gesetzliche Unfallversicherung sowie Umlagen zur Lohnfortzahlung bei Krankheit abführen. Lohnfortzahlung erfolgt erst nach einem bereits mindestens vier Wochen bestehenden Arbeitsverhältnis.

Zudem hat jeder Anspruch auf Urlaub: "Jedes geringfügige Beschäftigungs­verhältnis ist ein reguläres Arbeitsverhältnis. Damit gelten auch die gesetzlichen Bestimmungen für Urlaub", erklärt Rechtsanwalt Hermann Gloistein. Pro Monat sind das durchschnittlich zwei Tage. Wer den Urlaub nicht nimmt, kann ihn sich auch auszahlen lassen. "Meist gehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber irrtümlich davon aus, dass es keinen Urlaubsanspruch gibt. Das entspricht jedoch nicht den Regelungen des Bundesurlaubsgesetzes", so der Experte.

Alternative: Minijob oder Werkstudent

Wer sich regelmäßig etwas dazu verdienen will, für den wäre geringfügige Beschäftigung – gern auch als 450-Euro-Job bezeichnet – eine Alternative. Diese ist für den Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungs­frei. Es besteht lediglich eine Rentenversicherungspflicht, von der man sich aber befreien lassen kann. Das ist sogar möglich, wenn man nebenbei noch einen anderen Job hauptberuflich ausübt. Als Student bietet sich die Einstellung als Werkstudent an.

Fazit

Der größte Vorteil bei einer zeitlich befristeten Beschäftigung: Man kann in einem festgelegten Zeitraum so viel verdienen, wie es nur möglich ist – und muss keine Sozialabgaben leisten. Auch der Arbeitgeber zahlt nur einen kleinen Anteil an Sozialabgaben, so dass es sich auch für ihn finanziell lohnt.

Der Nachteil liegt in der zeitlichen Begrenzung: Die kurzzeitige Beschäftigung kann maximal 50 Tage bzw. für zwei Monate im Jahr ausgeübt werden. Zudem darf es sich bei der Beschäftigung ausschließlich um eine Nebenbeschäftigung handeln. Oft vergessen, aber gesetzlich festgeschrieben: Auch mit so einem zeitlich begrenzten Nebenjob hat man Anspruch auf Urlaub. Wer den nicht nehmen kann oder will, kann sich das Geld auszahlen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 14. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 00:10 Uhr