Umschau-Quicktipp | 08.08.2017 Regen- und Hagelschäden

Die richtige Absicherung vor den Folgen extremer Wetterereignisse beginnt im Vorfeld. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung, welche Schadensereignisse abgesichert sind und wo eventuell Lücken im Schutz bestehen. Gerade bei extremen Wetterlagen sollten Sie sich zudem regelmäßig bei einem zuverlässigen Wetterbericht über Unwetterwarnungen informieren. Wertvolle Gegenstände gehören nicht in Räume, die überflutet werden könnten oder schon einmal vollgelaufen sind. Bei drohendem Hagel gehören Autos möglichst in die Garage.

Verhalten im Schadensfall

Sollte es Sie tatsächlich erwischen, empfiehlt Bianca Boss vom Bund der Versicherten folgende grundsätzliche Verhaltensregeln: "Verständigen Sie als erstes immer Ihre Versicherung! Dokumentieren Sie noch vor einer Reparatur oder dem Aufräumen den Schaden mit aussagekräftigen Fotos! Lassen Sie sich den Schaden von Zeugen bestätigen und beginnen Sie mit dem Aufräumen beziehungsweise einer Reparatur erst nach Besichtigung durch die Versicherung oder zumindest nach Absprache." Dafür müssen Sie allerdings keine Folgeschäden in Kauf nehmen. Sollte also der Hagelschlag das Dachfenster des Autos zerstört haben, dann können Sie das natürlich sofort mit entsprechenden Mitteln sichern, damit der Innenraum nicht nass wird. Ein Foto vom Schaden sollte trotz allem möglichst vorher gemacht werden. Versuchen Sie außerdem, die Kaufbelege für alle beschädigten Gegenstände rauszusuchen. Fertigen Sie schließlich eine Liste mit allem an, was das Unwetter zerstört hat.

Der vollgelaufene Keller

Steht Wasser im Keller, muss zunächst geklärt werden, wie es dort hineingekommen ist? Das klingt etwas seltsam, ist aber für die Regulierung des Schadens wichtig. Bricht etwa ein Wasserrohr, dann kommt für den dadurch entstehenden Schaden am Gebäude die normale Gebäudeversicherung des Hausbesitzers auf. Sollten Sie als Mieter in diesem Haus einen Keller haben, dann bezahlt Ihre Hausratversicherung den Schaden an eingelagerten Gegenständen.

Ein Feuerwehrauto steht nach einem Starkregen auf einer unter Wasser stehenden Straße und pumpt Wasser aus den anliegenden Häusern
Bildrechte: IMAGO

Ganz anders sieht das bei Schäden durch Oberflächenwasser oder eine Überschwemmung durch einen über die Ufer getretenen Fluss aus, erklärt die Versicherungsexpertin: "In diesen Fällen spricht man von Elementarschäden und die müssen sowohl der Hausbesitzer in seiner Gebäudeversicherung als auch der Mieter in seiner Hausratversicherung extra absichern." Das hebt zwar den Versicherungsbetrag an, kann Sie aber im Schadensfall vor einem Totalverlust retten.

Die Elementarklausel in der Hausratversicherung ist für Sie auch dann wichtig, wenn Sie nicht in der Nähe eines Gewässers wohnen. "Es ist ja gerade das Oberflächenwasser beim Starkregen, das der Boden nicht aufnehmen kann. Das läuft über Kellerfenster ins Haus und ist in der normalen Police ohne Elementarklausel eben nicht abgesichert", warnt Bianca Boss.

Die Tiefgarage unter Wasser

Ob im Privathaus, in der öffentlichen Tiefgarage oder auch in plötzlich volllaufenden Unterführungen: Sollte Ihr Auto wetterbedingt im Wasser stehen, springt nur die Teilkasko ein. "Sie können den Tiefgaragenbesitzer schließlich nicht fürs Wetter haftbar machen", erklärt die Expertin. Eine Haftpflichtversicherung des Tiefgaragenbetreibers springt demzufolge nicht ein. Sollten Sie also keine Teilkasko oder logischerweise Vollkasko haben, bleiben Sie auf Ihrem Schaden sitzen. Mit entsprechendem Versicherungsschutz dokumentieren Sie auch hier zunächst den Zustand mindestens per Foto, bevor Sie dafür sorgen, dass der Schaden nicht noch größer wird. Entsprechende Reparaturen lassen Sie erst erledigen, wenn ein Gutachter der Versicherung den Schaden besichtigt und eingeschätzt hat.

Hagelschäden am Auto

Ein Auto mit Dellen und zerstörten Scheiben nach einem Hagelschauer
Bildrechte: IMAGO

Auch für Hagelschäden wie Dellen im Blech und zerstörte Autoscheiben kommt die Teil- oder Vollkasko auf. Eine Haftpflicht allein reicht nicht. Achten Sie auch hier darauf, dass zunächst ein Gutachter bewerten muss, wie hoch die Reparaturkosten ausfallen dürfen oder ob Sie bei Totalschaden den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs ersetzt bekommen. Den Gutachter bezahlt die Versicherung auch dann, wenn er keinen relevanten Schaden feststellt. Gerade bei neueren Modellen können ja schon kleine Dellen zu einer  großen Wertminderung führen. Wenn Sie also nach einem Hagelschlag unsicher sind, ob das Auto eine Delle hat oder nicht, informieren Sie lieber Ihre Versicherung.

Beim Hagel muss diese Information allgemein nicht sofort geschehen. Der Schaden muss aber mit dem Wetterereignis in Verbindung gebracht werden können. Die Teilkasko bezahlt in der Regel auch die Abschleppkosten für Ihr beschädigtes und nicht mehr fahrbereites Auto. Ob Sie Anspruch auf einen Mietwagen haben, kommt auf Ihren individuellen Versicherungsvertrag an.

Weitere Wetterschäden

Hagel und Starkregen gehen häufig mit Sturm und Gewitter einher. Erst ab Windstärke acht reguliert die Gebäudeversicherung Sturmschäden am Haus. Die Hausratversicherung ist dann für Schäden in der Wohnung zuständig. Bläst der Wind schwächer, bekommen Sie keinen Schaden ersetzt. Wann in Ihrem Ort Windstärke acht geherrscht hat, erfahren sie vom Deutschen Wetterdienst. Dessen Angaben werden von den Versicherungen anerkannt.

Wichtig bei Sturmschäden am Dach: Neueindeckungen müssen nach gültigen Standards erfolgen. Für Dachziegel gibt es spezielle Klammern, die nach einem vorgegebenen Muster angebracht werden müssen. Decken Sie Ihr Dach selbst und vergessen Sie das, geht Ihnen unter Umständen der Versicherungsschutz verloren.

Schäden durch umgefallene Bäume und Strommasten bezahlt die Wohngebäudeversicherung. Auch Wasserschäden, die durch ein abgedecktes Dach entstehen werden dadurch reguliert. Für Überspannungsschäden durch einen Blitz ist die Hausratversicherung zuständig.

Über dieses Thema berichten auch MDR JUMP am Vormittag | 08.08.2017 | 9:20 Uhr
MDR UMSCHAU | MDR FERNSEHEN | 08.08.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 00:15 Uhr