Umschau-Quicktipp | 06.10.2017 Smartphone für Kinder

Das Smartphone gehört zu unserem mobilen Alltag. Für viele von uns ist klar: Ohne geht es nicht! Doch was ist mit unserem Nachwuchs. Schon in der Grundschule werden bei vielen Kindern die Smartphones aktuell. Die Medienexpertin Kristin Langer von der Initiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht" erklärt, wann das Handy und wann das Smartphone wirklich für Kinder geeignet sind.

Brauchen Grundschulkinder ein Handy?

Ein Kind telefoniert mit einem Handy.
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"Lebensnotwendig ist ein Mobiltelefon für Grundschüler nicht", sagt die Expertin. Ab einem Alter von neun Jahren hält Kristin Langer ein Handy aber durchaus für sinnvoll. Dann können Kinder überhaupt verstehen, dass so ein Gerät Geld kostet. Außerdem können die Schüler erste Erfahrungen mit dem Sparen sammeln. "Denn wenn das Guthaben aufgebraucht ist, können sie nicht mehr telefonieren", sagt Langer. Sie müssen sich das Geld also einteilen. Grundsätzlich sind Schüler mit einem einfachen Handy besser für die Eltern erreichbar. Training, Musikschule, der Besuch bei Freunden, da ist es durchaus von Vorteil, wenn die Eltern kontaktiert werden können. Hinzu kommt, dass Kinder so einen Bezug zur Technik bekommen und den Umgang damit lernen. "Das heißt aber keineswegs, dass Schüler ohne Mobiltelefon den Anschluss verlieren und das nicht noch später nachholen können", erklärt Kristin Langer.

Und ein Smartphone?

Ein Smartphone ist eben mehr als ein einfaches Handy. "Dafür brauchen Kinder auch mehr Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit Medien. Fahrradfahren lernen sie auch nicht auf einem 28er-Rad, sondern sie fangen oft mit einem Laufrad an", vergleicht die Medienpädagogin. Aus ihrer Sicht sollten Kinder erst mit elf bis zwölf Jahren ein eigenes Smartphone mit Internetzugang haben.

Warum erst ab zwölf?

Kinder in diesem Alter können komplexe Zusammenhänge und Vorgänge wie eben das Internet besser verstehen als Grundschüler. "Das Smartphone liefert Ihnen ja mit Nachrichten und Kommentaren in Chats usw. auch Inhalte, die die Kinder vielleicht gar nicht bewusst abrufen wollten. Elf- bis Zwölfjährige können zum Beispiel mit Mobbing in einem Chat ganz anders umgehen und haben bessere innere Abwehrmechanismen als ein Siebenjähriger", sagt die Expertin.

Nutzung, Umgang und auch bewusste Ablehnung von Informationen müssen von Kindern erstmal gelernt werden. Ein Smartphone mit all seinen Möglichkeiten überfordert schlicht und ergreifend die sozialen und geistigen Fähigkeiten eines Grundschülers. Außerdem sind viele Funktionen für die Kinder nur schwer durchschaubar. "Über Messenger-Dienste und das Teilen von Inhalten kann die Telefonnummer leicht an fremde Personen gelangen, die vielleicht Inhalte verschicken, die für das Kind nicht geeignet sind", warnt die Expertin.

Teure Geräte machen Druck

Ein simples Handy ist mit Prepaid-Vertrag für ein paar Euro zu haben. Geht es verloren oder kaputt, ist das zwar nicht schön, aber auch nicht so schlimm. Wenn Kinder aber mit einem Smartphone in die Schule kommen, dann tragen sie oft Geräte mit einem hohen Wert mit sich herum. Für Medienpädagogin Kristin Langer ist das ein großer Druck: "Für Kinder bedeutet so ein teures Gerät ja, ich darf es nicht kaputt machen, ich darf es nicht verlieren, ich darf es mir nicht klauen lassen. Eine völlig unnütze Last für die Kinder."

Die Kinder langsam ranführen

Eine Mutter sitzt mit einem Tablet auf dem Sofa neben ihrer kleinen Tochter, die auf ein Smartphone schaut.
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Bevor Kinder ein eigenes Smartphone bekommen, sollten Sie es gemeinsam mit Ihrem üben lassen. Erklären Sie die Funktionen: Was ist gut und sinnvoll, was dürfen Kinder nicht? Besprechen Sie, wie lange das Smartphone täglich genutzt werden darf. Im Grundschulalter ist eine Stunde Fernseher, PC und Smartphone am Tag genug. In der Realität bringen es Sechs- bis Siebenjährige auf das Doppelte, Acht- bis Neunjährige auf fast das Dreifache. Werden Kinder aber zu früh zu lange mit diesen Medien sich selbst überlassen, kann sich das auf die sprachliche und geistige Entwicklung auswirken. "Solche sprachlichen Defizite sind dann aber nicht nur auf die Nutzung des Smartphones zurückzuführen. Oft werden diese Kinder auch allgemein weniger aktiv angesprochen, bekommen also weniger Training in der Kommunikation und im Wortschatz", so Kristin Langer. Erst wenn Sie als Eltern merken, dass ihr Kind das Smartphone auch mal bewusst ausschaltet, um Ruhe zu haben, wenn es begreift und praktiziert, wann das Gerät sinnvoll genutzt werden kann und wann nicht, hat es auch die Reife für ein eigenes.

Smartphone-Software

Altersgerechte Filter und Jugendschutz-Apps sorgen auf dem Smartphone dafür, dass Ihre Kinder tatsächlich nur Seiten aufrufen und Apps nutzen können, die für ihr Alter geeignet sind. Mithilfe dieser Apps können Sie zum Beispiel den Zugang zum Web per PIN sperren oder auch die zeitliche Nutzung regulieren.

Lassen Sie Ihr Kind auf keinen Fall allein in App-Shops surfen. Die Angebote könnten ihr Kind schlichtweg überfordern und irritieren. "Wenn Sie Ihren Kindern das Smartphone zum Spielen überlassen, dann am besten mit Apps, die im Offline-Modus funktionieren. Achten Sie außerdem darauf, dass die App während des Spielens keine weiteren Kosten verursacht, etwa durch den Zukauf von Funktionen", rät Kristin Langer.

Den sinnvollen Umgang vorleben

Ein kleines Mädchen mit Smartphone.
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Gerade im Kindergarten- und Grundschulalter beobachten Kinder die Erwachsenenwelt genau und ahmen Verhalten nach. "Die Kinder registrieren, ob Sie die Gute-Nacht-Geschichte unterbrechen, weil Sie eine SMS bekommen, oder ob Sie das Gerät in solchen Momenten einfach ignorieren", mahnt die Expertin. Sind Sie ständig auf dem Sprung, um ja keinen Anruf zu verpassen, oder müssen Sie in jeder Whats-App-Gruppe sein, dann registriert Ihr Kind auch das und wird sich zukünftig sehr wahrscheinlich ähnlich verhalten.

Dem Druck von außen nicht nachgeben

Wenn in der ersten Klasse die meisten schon ein Smartphone haben, dann müssen Sie das nicht nachmachen. In solchen scheinbaren Zwangssituationen rät Kristin Langer: "Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie sich anders verhalten und dass Menschen unterschiedliche Wertvorstellungen haben. Nicht jeder braucht auch ein großes, teures Auto. Stellen Sie lieber Sachen heraus, die bei Ihnen besser sind. "Das können ein Wanderurlaub sein, der tolle Wochenendausflug, das Basteln mit Papa in der Werkstatt. Machen Sie ihrem Kind klar, dass von einem Smartphone nicht die soziale Stellung und das Leben abhängen. Suchen Sie Kontakt zu Leuten, die ähnlich denken.

Fazit

Das Smartphone ist ein komplexes Gerät mit Angeboten und Fallen, die ein Grundschulkind überfordern. Ab rund zwölf Jahren sind Kinder reif für so ein Gerät. Um sich vor inhaltlichen und finanziellen Risiken zu schützen, können Sie die entsprechenden Voreinstellungen vom Smartphone nutzen. Lassen Sie Ihr Kind vor allem am Anfang mit diesen Geräten aber nie langfristig allein und ohne Kontrolle. Nehmen Sie sich Zeit für die gemeinsame Entdeckung und vermitteln Sie Ihren Kindern, dass ein Smartphone ähnlich wie ein PC in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand ist. Lassen Sie sich von anderen Eltern oder gar den eigenen Großeltern nicht unter Druck setzen, um dem Kind zu früh ein Smartphone zu überlassen. "Mediennutzung darf sein und ist sinnvoll, wenn das Kind unterstützt, animiert, motiviert wird. Es bedarf aber immer persönlicher Begleitung, Ergänzung und Anreicherung, damit eine wirkungsvolle Förderung erzielt wird", rät Mediencoach Kristin Langer.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 06. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 00:10 Uhr