Umschau-Quicktipp | 14.07.2017 Vor- und Nachteile von Teilzeitarbeit

Vier Tage die Woche oder nur ein paar Stunden am Tag. Tatsächlich arbeiten rund elf Millionen Menschen in Deutschland in Teilzeit. Die Meisten davon sind Frauen und wollen das genau so. Können Sie das auch? Und wie stellen Sie das an? Wir sagen, wie Teilzeitarbeit geht.

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz, kurz TzBfG, regelt alle Formen und Inhalte der rund 200 verschiedenen Teilzeitmodelle, die in Deutschland möglich sind. Teilzeitarbeit definiert sich vor allem dadurch, dass Sie dabei kürzer arbeiten als ein üblicher Vollzeitbeschäftigter. Die Arbeitszeit und –einteilung ist dabei fest oder variabel. Neben einer reinen Reduzierung der Stunden ist auch ein Ansparen von Arbeitsstunden möglich, was Ihnen später eine längere Auszeit bei weiter gezahltem Gehalt und Sozialversicherungsschutz ermöglicht. Wichtiger Unterschied eines klassischen Teilzeitarbeitsverhältnisses zum 450-Euro-Job: Sie behalten die gleichen Rechte und Pflichten wie bei einer Vollzeitbeschäftigung gegenüber Arbeitgeber und den Sozialkassen. Bei einem 450-Euro-Job sind Sie sozial weniger abgesichert, zahlen zum Beispiel nicht in die Rentenkasse ein.

Wer kann Teilzeitarbeit beantragen?

Besonders in der Elternzeit wollen immer mehr Mütter und Väter wenigsten teilweise auf Arbeit gehen. Der Kontakt zu den Kollegen und zum Job bleibt erhalten. „Das wird in der Praxis tatsächlich immer häufiger nachgefragt, dass Er oder Sie in den drei Jahren Elternzeit wenigstens 15 bis 30 Stunden in der Woche Teilzeit arbeiten“, weiß Dr. Herrmann Gloistein, Anwalt für Arbeitsrecht aus Halle. Um aber aus Ihrer Vollzeitstelle in eine Teilzeitregelung zu kommen, müssen Sie mindestens sechs Monate in Ihrer Firma arbeiten und die Firma muss mehr als 15 Mitarbeiter haben.

Der Chef kann ablehnen

Eine Frau und ein Mann sprechen im Büro miteinander.
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Beantragen Sie mindestens drei Monate vor gewünschtem Beginn eine Reduzierung Ihrer bisherigen Vollarbeitszeit, dann kann der Chef dem bis spätestens einen Monat vor diesem Termin zustimmen oder ablehnen. Für eine Ablehnung muss er aber wichtige Gründe vorbringen. Zum Beispiel wenn die Organisation, die Arbeitsabläufe oder die Sicherheit der Firma durch ihre Teilzeitarbeit gefährdet sind. Er muss das wirklich gut begründen, denn gerade für Teilzeitarbeit in der Elternzeit kann Firmen ein gewisser organisatorischer Aufwand zugemutet werden. Ohne Grund darf der Chef nicht ablehnen.    

So geht es praktisch

Sie beantragen Ihre Teilzeitarbeit mindestens drei Monate im Voraus, am besten schriftlich und formlos. Schlagen Sie in diesem Antrag Ihrem Chef die gewünschte Arbeitszeit und die Verteilung der Stunden vor. Begründen müssen Sie ihren Antrag nicht, es macht aber einen besseren Eindruck. Wie Sie Ihre Arbeit in der Praxis einteilen, hängt von der Arbeitsstruktur Ihrer Firma ab. Wann werden welche Leute gebraucht? Arbeitet die Firma in Schichten, auch am Wochenende usw.?  Das heißt, Sie können sich wünschen, einen Woche zu arbeiten und dann eine Woche frei zu haben, oder nur Montag bis Mittwoch zu arbeiten und dann frei zu haben. Wenn das aber rein praktisch nicht umsetzbar ist, kann der Chef ablehnen. Besprechen Sie deshalb frühzeitig ein mögliches und für alle verträgliches Modell mit ihm.

Der Job bleibt gleichwertig

Beim Antrag auf Teilzeitarbeit müssen Sie keine Angst haben, in der Firma abgewertet zu werden. Dazu unser Experte Dr. Herrmann Gloistein: „Selbst wenn die Arbeitsplanung den Chef zwingt, Ihren Arbeitsplatz mit anderen Mitarbeitern auszulasten, muss er Ihnen einen wertgleichen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen.“ Einen grundsätzlich schlechter bezahlten Job müssen Sie demnach auch nicht hinnehmen.

Lohnt sich Teilzeitarbeit?

Seniorenpaar und Euros
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Das kommt natürlich auf Ihre Bedürfnisse an. Freie Zeit, die Sie mit Kind und Partner verbringen, lässt sich schwer in Geld aufrechnen. Fakt ist: Sie bekommen weniger Geld und zahlen weniger in Arbeitslosen-, Renten-, und Pflegekasse ein. Das wirkt sich später aus. Mit dem Online-Rechner vom Bundesarbeitsministerium können Sie im Voraus planen, wie sich Ihre Finanzsituation gestalten wird. Den Stundenlohn darf Ihnen der Chef in Teilzeit nicht kürzen. Ebenso haben Sie den gleichen Urlaubsanspruch. Kommen Sie beispielweise in Vollzeit mit 30 Tagen Urlaub auf sechs freie Wochen, dann haben Sie bei vier Arbeitstagen pro Woche einen Anspruch auf 24 Urlaubstage. Inklusive Ihrer freien Tage kommen Sie so auch auf sechs Wochen Gesamturlaub pro Jahr. Arbeiten Sie jeden Arbeitstag in der Woche, nur mit weniger Stunden, dann bleiben Ihre Urlaubstage in vollem Umfang erhalten. 

Ihre Ansprüche und Rechte

Teilzeitbeschäftigte haben die gleichen Rechte wie alle anderen Arbeitnehmer einer Firma. Es gelten die gleichen Regeln für Urlaub, Sonderzahlungen von Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder Prämien. Ebenso sind Sie gleichgestellt bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und beim Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen außerdem nach wie vor den Zugang zu Aus- und Weiterbildungen ermöglichen. 

Kein Zwang zur Teil- oder Vollzeit

Sind Sie vollbeschäftigt angestellt und die Lage der Firma verschlechtert sich, dann kann der Chef Sie nicht in einen Teilzeitvertrag drängen. Weigern Sie sich, ein solches Angebot anzunehmen, darf Ihnen der Chef deswegen nicht kündigen. Das gilt für die Richtung von der Teilzeit- zur Vollzeitbeschäftigung genauso.

Leider nur eine Einbahnstraße

Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz haben Sie keinen Anspruch auf die Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung, wenn Sie aus dieser eine Teilzeitregelung beantragt haben. „Das ist leider noch nicht möglich, wird aber immer öfter zur flexibleren Gestaltung des Arbeitsmarktes verlangt. Der Gesetzgeber arbeitet da gerade an einer Ergänzung des TzBfg“, weiß Arbeitsrechtler Dr. Gloistein. Einzige Ausnahme: Sie wollen aus der Elternzeit als Teilzeitbeschäftigter in die Vollzeitarbeit zurückkehren. Dann gelten hierfür die Regelungen des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, kurz BEEG. Die besagen unter anderem, dass Sie in Vollzeitbeschäftigung zurückkehren können, wenn Sie die Teilzeitbeschäftigung bis zu drei Jahre nach der Geburt ihres Kindes genommen haben. Jedoch kann der Arbeitgeber den Teilzeitkräften später die Vollzeit verweigern, außer der Arbeitnehmer hat die Teilzeit bis zu drei Jahre nach der Geburt seines Kindes genommen.

Fazit

Bei entsprechenden Voraussetzungen können Sie mit Ihrem Chef eine Teilzeitregelung vereinbaren. Finanzielle Einbußen müssen Sie dabei in Kauf nehmen. Später können Sie nicht ohne das Wohlwollen Ihres Chefs wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zurückkehren. Arbeitsrechtlich sind Teilzeitarbeit und 450-Euro-Job gleichgestellt. Bei der Sozialversicherung gibt es zwischen diesen Beschäftigungsmodellen große Unterschiede.

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 14.07.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2017, 15:06 Uhr