Umschau-Quicktipp | 18.10.2017 Versicherungen gegen Kinderinvalidität: Im Ernstfall abgesichert

Bleibende Schäden in sehr vielen Fällen durch eine Krankheit

Bei einer Invaliditätsversicherung wird immer dann gezahlt, wenn ein Kind durch einen Unfall oder eine Krankheit bleibende Schäden davonträgt. Allerdings ist der komplette Schutz für den Invaliditätsfall häufig recht teuer. Daher greifen viele Eltern "nur" zu einer Unfallversicherung. Die deckt aber meist nur einen sehr kleinen Teil der Ernstfälle ab, wie Zahlen vom Statistischen Bundesamt zeigen. Danach werden Behinderungen in mehr als 80 Prozent der Fälle durch Krankheiten verursacht. Nur zwei Prozent waren auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen.

Sinnvoll: Rente und Einmalzahlung

Ein Mädchen schiebt ein anderes Mädchen, das im Rollstuhl sitzt.
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Bei einer privaten Kinderinvaliditätsversicherung ist es egal, ob das Kind einen Unfall hatte oder ob es erkrankt ist. Der Versicherer zahlt den Eltern Geld aus, wenn das Kind schwerbehindert werden sollte. Dazu muss das Versorgungsamt dem Kind eine Behinderung von mindestens 50 Prozent attestieren. Bei den Versicherungen kommt es auf das Alter des Kindes an. "Bei den meisten Policen beginnt der Schutz ab dem ersten Geburtstag. Manche starten aber schon kurz nach der Geburt, ab der sechsten Woche", sagt Michael Nischalke von Stiftung Warentest. Bei den meisten Versicherungen sind die Kinder bis 18 Jahren abgesichert, bei manchen auch bis 27. Tritt innerhalb dieser Zeit eine Schwerbehinderung ein, zahlt die Versicherung ein Leben lang. Versicherer bieten dann drei Modelle an: Eine lebenslange Rentenzahlung, eine Einmalzahlung oder eine Kombination aus beidem, zu der auch unser Experte rät: "Wenn am Anfang eine kleinere Zahlung kommt, deckt die sinnvollerweise nötige Umbauten ab, die man etwa im Haus oder beim Auto braucht."

Zahl der Anbieter geht zurück

Nur etwas mehr als eine Handvoll Versicherer bietet den Kinderinvaliditäts-Schutz überhaupt noch an, der als Zusatzmodul zu einer Unfallversicherung gebucht als oder als eigenständige Versicherung abgeschlossen wird. Michael Nischalke kennt die Gründe: "Die Versicherung ist recht beratungsintensiv. Dann ist es im Einzelfall für die Unternehmen auch schneller, eine Unfallversicherung zu vereinbaren." Zudem koste der Schutz die Unternehmen im Ernstfall viel Geld, weil oft über einen langen Zeitraum Leistungen fällig würden. Das hat Folgen: "Leser haben die Erfahrung gemacht, dass bei Nachfragen nach dieser Versicherung nicht unbedingt sofort ein entsprechendes Angebot auf dem Tisch lag", sagt Michael Nischalke. In Einzelfällen sei sogar trotzdem nur eine Unfallpolice angeboten worden, obwohl die weniger Schutz bietet.

Vergleichsweise teuer

Kinderinvaliditätsversicherungen waren immer schon ein recht teurer Schutz. Weil immer weniger Anbieter auf dem Markt sind, ist der Wettbewerb auch nicht besser geworden. Guter Schutz kostet ab 300 Euro im Jahr aufwärts, die Regel sind 400 Euro jährlich. Unfallversicherungen gibt es dagegen schon für wenige Euro im Monat. Sie springen aber eben nur ein, wenn ein Kind nach einem Unfall Hilfe braucht. "Da sollten sich Eltern unabhängig informieren. Etwa bei Verbraucherzentralen oder bei behördlich zugelassenen Versicherungsberatern", empfiehlt Bianca Boss vom Bund der Versicherten, der seinen Mitgliedern auch die Beratung zum Kinderinvaliditätsschutz anbietet.

Punktueller Schutz

Ein Junge mit Hörgeräten
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Einige Versicherer haben auf das Angebotsproblem reagiert. Vereinfacht gesagt "polstern" sie Unfallversicherungen auf. "Da gibt es Angebote, die folgen mehr dem Gedanken, nur bestimmte schwere Krankheiten zu versichern. Oder in den Bedingungen steht, dass die Versicherung zahlt, wenn das Kind nicht mehr zur Schule gehen kann", sagt Michael Nischalke. Die Policen böten aber in vielen Fällen keinen Schutz, etwa wenn das Kind noch zu klein für die Schule ist. Oder wenn es an einer Krankheit leidet, die nicht im Vertrag steht.

Blick ins Kleingedruckte

Eltern sollten sich beim Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung die Bedingungen sehr genau durchlesen, raten unsere Experten. In den Versicherungsbedingungen sollten möglichst wenige Krankheiten ausklammert sein. "Die größten Probleme gibt es bei Sachen, die ausgeschlossen sind wie Psychosen oder Neurosen", sagt Bianca Boss. Auch ADHS oder Angststörungen sind oft nicht abgedeckt. Auch eine Restarbeitsfähigkeit oder das Zulassen eines Resteinkommens sollten nicht ausgeschlossen sein. Zudem sollte im Vertrag kein höherer Grad der Behinderung als 50 Prozent festgeschrieben sein. Eltern sollten die Gesundheitsfragen im Antrag auf jeden Fall wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. Im Zweifel sollten Eltern besser nochmal beim Arzt oder beim Versicherer nachfragen. Sonst kann der Versicherungsschutz verloren gehen und der Versicherer kann die Leistung verweigern. Extrazusagen des Versicherers sollten Teil des Vertrages sein.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 18. Oktober 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2017, 00:10 Uhr