Umschau-Quicktipp | 31.07.2017 Vorsicht beim Schnäppchenkauf!

Früher war klar: Wenn im Schaufenster ein Plakat mit dem Schlagwort "Sommerschlussverkauf" steht, dann gibt es im Laden Schnäppchen zu holen. Heute ist das anders: Das ganze Jahr über gibt es "Sale"- Ständer im Geschäft und im Internet werden nicht nur am "Black Friday" oder "Cyber Monday" Rabatte versprochen. Die Händler überbieten sich in der Schnäppchenschlacht, nicht immer zum Wohle des Kunden. Viele vermeintlich gute Angebote entpuppen sich als teurer Einkauf.

"Schnäppchen" woanders oft günstiger

Fast jeder Onlineshop hat regelmäßige Rabattaktionen im Angebot, die ein unglaubliches Sparpotential versprechen – doch nicht alle halten das auch. Das Preisvergleichsportal guenstiger.de hat zu Beginn des Jahres 2017 Onlineschnäppchen näher untersucht: Dabei wurden die Preise von 127 Angeboten aus acht verschiedenen Onlineshops mit denen anderer Anbieter verglichen. Das Ergebnis: Jedes dritte "Schnäppchen" war in Wirklichkeit gar keins, sondern konnte bei anderen Internetanbietern günstiger gekauft werden. In Extremfällen zahlten Kunden für das Supersonderangebot sogar fast das Doppelte.

Die größten Schnäppchenfallen

Damit Preise möglichst attraktiv erscheinen und zum Kauf anregen, nutzen die Händler verschiedene Tricks. Hier einige Beispiele:

Einkaufstüten stehen hinter einem aufgeklappten Laptop, auf dessen Bildschirm eine umgekippte Einkaufstüte zu sehen ist, deren Inhalt aus mit Prozentzeichen bedruckten Würfeln besteht, die  sich auch außerhalb des Bildschirms über die Tastatur und den Tisch verteilen.
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Vergleich mit dem UVP
Der neue Schnäppchenpreis wird oftmals nicht dem bislang geforderten, aktuellen Preis gegenübergestellt, sondern der unverbindlichen Preisempfehlung. Die wird als UVP abgekürzt und bezeichnet den Preis, den der Hersteller für sein Produkt empfohlen hat. In der Realität wird dieser Preis aber meist nur sehr kurz für ein Produkt verlangt. Vor allem bei Elektrogeräten fällt der Preis schnell und liegt bald deutlich unter dem UVP des Herstellers. In Bezug auf diesen lange zurückliegenden Preis erscheint der Rabatt vielleicht beträchtlich. In Bezug auf den bislang geforderten, viel niedrigeren Preis jedoch fällt der Nachlass allerdings meist eher mager aus.

Keine aktuelle Ware
Bei vielen Aktionen gibt es die Rabatte nur für Produkte der alten Saison oder Auslaufmodelle. Wer kein Problem damit hat, Mode aus der alten Kollektion zu tragen oder die Vorgängergeneration eines elektrischen Gerätes zu benutzen, kann dabei tatsächlich ein gutes Angebot bekommen. Gerade bei Technik sollte man sich jedoch bewusst sein, dass Geräte womöglich nicht auf dem neusten Stand sind und mitunter nicht mehr so lang vom Hersteller unterstützt und mit Updates versehen werden.

Teure Geschenke
Kleine Tücken gibt es auch bei speziellen Sonderaktionen. Wenn ein Händler beispielsweise damit wirbt, dass der Kunde "100 Euro geschenkt" bekommt, dann ist das meist an besondere Bedingungen geknüpft – einen Mindesteinkaufswert, eine spezielle Marke oder es gibt das "Geschenk" in Form eines Gutscheins für den nächsten Einkauf im Geschäft. Wer sich darauf einlässt, läuft Gefahr, entweder ein teureres Produkt zu kaufen als ursprünglich geplant oder bindet sich mit dem Gutschein für einen neuen Einkauf wieder an dieses Geschäft. Vorsicht ist auch bei Aktionen wie "drittes Produkt gratis" geboten. Diesen Vorteil gibt es meist nur für das günstigste Produkt des Einkaufs. Kauft man also beispielsweise zwei Designerhosen und eine Packung Socken, bekommt man zwar die Socken geschenkt, hat aber einen recht geringen Rabattwert erzielt und vielleicht hätte es die Designerhosen ja auch im Geschäft nebenan noch viel günstiger gegeben. Solche Aktionen lohnen sich also nur dann, wenn alle Produkte etwa gleich teuer und ihr Geld auch wirklich wert sind.

Konkurrenz innerhalb einer Plattform führt nicht immer zum günstigsten Preis
Im Internet ist das Vergleichen der Preise um einiges leichter, weil der Weg zum nächsten Shop nicht mehrere hundert Meter, sondern nur wenige Klicks weit ist. Anbieter wie Amazon suggerieren dem Kunden, sich diesen Vergleich sparen zu können. Im Marketplace konkurrieren verschiedene Händler und Preise miteinander. Das gibt dem Nutzer das Gefühl, bereits den günstigsten Preis im Internet gefunden zu haben. Andere Onlineshops bieten aber mitunter noch niedrigere Preise. Ein paar Klicks mehr können sich also lohnen.

Vorsicht Fake!
Besonders gefährlich sind "Fake-Shops". Wer im Internet nach Produkten sucht, stößt schnell auf richtig günstige Angebote. Da werden Elektroartikel für die Hälfte des Ladenpreises angeboten. Doch bei solchen Angeboten ist Vorsicht geboten. Hinter dem Onlineshop könnten Betrüger stecken, die zwar per Vorkasse das Geld der Kunden kassieren, aber keine Ware schicken. Experten raten deshalb, eine sicherere Zahlungsmethode wie Rechnungskauf oder PayPal zu wählen. Zudem sollte man vor der ersten Bestellung bei einem Anbieter Erfahrungen einholen. Finden sich im Internet viele negative Berichte von anderen Kunden über den Shop, sollte man lieber die Finger davon lassen.

Darum setzt unser Verstand bei Schnäppchen aus

Schilder mit der Aufschrift
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In mehreren neurowissenschaftlichen Studien wurde gezeigt, was beim Shoppen in unserem Gehirn passiert. Sehen wir ein Schnäppchen, wird das Belohnungszentrum aktiviert – noch bevor wir überhaupt überschlagen können, ob es sich bei dem Preis um ein gutes Angebot handelt oder nicht. Der Kaufimpuls, ist groß und bestimmt unser Handeln. Die Händler wissen das und versuchen mit immer neuen Schnäppchenaktionen, uns zum Kauf zu verleiten. Sich dagegen zu wehren fällt schwer, aber wer sich des Schnäppcheneffekts bewusst ist und die Tricks der Händler im Hinterkopf behält, dem fällt es mitunter etwas leichter, den Kauf noch einmal in Ruhe abzuwägen.

So vermeiden Sie Schnäppchenfehlkäufe

Nur den tatsächlichen Preis betrachten
Bei  jedem Produkt sollte man sich fragen: Brauche ich es überhaupt und ist es mir den Preis wert, den ich dafür zahlen soll? Das gilt auch für Schnäppchen. Dabei sollte man möglichst den Streichpreis, auf den sich der Rabatt bezieht, ausblenden und wirklich nur den Preis betrachten, der tatsächlich zu zahlen ist.

Ein Paar liegt auf dem Sofa und schaut erstaunt in ein Laptop. Die Frau hält eine Kreditkarte in der Hand.
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Abstand schaffen
Auch wenn das Schnäppchen sehr verlockend wirkt, sollte nicht dem ersten Kaufimpuls nachgegeben werden. Besser ist es, Abstand zu schaffen und den Verstand entscheiden zu lassen. Nach einer Weile der Überlegung zeigt sich, ob das Schnäppchen wirklich ein gutes Angebot ist, ob der Kauf gerade wirklich sein muss oder ob man das Produkt vielleicht doch gar nicht unbedingt braucht.

Vergleichen
Um sicher zu gehen, dass der Preis eines Händlers tatsächlich günstig ist, sollten andere Angebote verglichen werden – entweder in anderen Geschäften oder über Online-Preisvergleichsportale wie guenstiger.de, idealo.de, check24.de oder preisvergleich.de. Sie ermitteln aus den Onlineshops für das jeweilige Produkt den günstigsten Preis und zeigen teilweise auch den Preisverlauf an. Weil die Preise im Internet großen Schwankungen unterliegen, kann es sein, dass einige Produkte an bestimmten Wochentagen besonders günstig sind. Dann lohnt es sich, mit dem Kauf noch ein paar Tage zu warten. Weil die Preisvergleiche oft auch nicht alle Anbieter erfassen, kann es sich lohnen, selbst auch noch nach weiteren günstigen Angeboten im Internet zu suchen.

An Zusatzkosten denken
Beim Onlinekauf ist es wichtig, die Versandkosten und eventuell anfallende Kosten für den Rückversand mit einzukalkulieren. Die Rückgabe aus dem Onlinehandel ist zwar bis 14 Tage nach Erhalt der Ware immer möglich, allerdings sind die Anbieter nicht verpflichtet, die Retourenkosten für einen Warenwert unter 40 Euro zu tragen. Wer also auf gut Glück mehrere Produkte im Schnäppchenbereich bestellt und einen Teil davon zurücksenden will, muss unter Umständen ordentlich draufzahlen.

Über dieses Thema berichtet auch MDR JUMP am Vormittag | 31.07.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2017, 00:10 Uhr