Umschau-Quicktipp | 22.02.2017 Wasserschaden in der Wohnung: Wer zahlt?

Erste Maßnahme: Vermieter informieren

Wer in seiner Wohnung einen Wasserschaden bemerkt, sollte natürlich zuerst versuchen, die Quelle zu finden und, wenn möglich, das Wasser abzustellen. Das ist in der Regel aber nur dann möglich, wenn beispielsweise eine defekte Waschmaschine die Ursache ist. In vielen Fällen lässt sich gar nicht genau erkennen, woher das Wasser kommt. Deshalb sollte generell der Vermieter unverzüglich über den Wasserschaden informiert werden, damit er gegebenenfalls Handwerker beauftragen kann, das Wasser zu stoppen, und später auch die Renovierung der Wohnung in Auftrag geben kann. Die Nachricht kann auch an die Hausverwaltung oder den Hausmeister übermittelt werden, da diese direkt in Kontakt mit dem Vermieter stehen. Um den Schaden zu dokumentieren, ist es ratsam, Fotos zu machen und dem Vermieter direkt mitzuschicken. Das erspart lange Erklärungen – ein Bild sagt schließlich oft mehr als tausend Worte.

Wer den Schaden verantwortet, muss zahlen

Stockflecken und abgelöste Scheuerleisten an einer durch Wasser beschädigten Wand
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Trocknung, Renovierung, neue Einrichtung: Ein Wasserschaden geht ziemlich ins Geld. Zahlen muss in der Regel derjenige, der dafür verantwortlich ist. Ist ein Schaden an der Wohnung oder dem Gebäude für den Wassereinbruch verantwortlich, dann zahlt meist die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn sanitäre Anlagen defekt sind oder auch, wenn es in der leer stehenden, ungeheizten Wohnung nebenan zu einem Wasserrohrbruch kommt.

Hat aber ein Nachbar den Wasserschaden verursacht, weil zum Beispiel seine Waschmaschine kaputtgegangen und ausgelaufen ist, dann übernimmt seine Privathaftpflicht die Kosten. Verursacht man selbst einen Wasserschaden in der eigenen Wohnung und werden dadurch Möbel beschädigt, dann zahlt in diesen Fällen normalerweise die eigene Hausratsversicherung. Hierbei lohnt es sich, die genauen Klauseln im Versicherungsvertrag nachzulesen. Wie so oft ist auch bei Wasserschäden grobe Fahrlässigkeit ein Ausschlusskriterium für die Übernahme durch Versicherungen. Wer beispielsweise die Zuleitung zur Waschmaschine ohne Aquastop-Vorrichtung permanent geöffnet lässt, der handelt fahrlässig und wird bei einem Wasserschaden möglicherweise Probleme mit der Versicherung bekommen.

Mietminderung bei Wasserschaden ist gerechtfertigt

ein gelber Raumtrockner
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Ist die Ursache gefunden und eingedämmt, geht es an die Beseitigung der Schäden in der Wohnung. Meistens müssen Trocknungs- und Lüftungsgeräte gestellt werden, die das nasse Gemäuer professionell austrocknen und damit auch zusätzlicher Schimmelbildung vorbeugen. Oft müssen die Geräte mehrere Tage bis hin zu Wochen laufen, nicht selten ohne Unterbrechung. Die damit einhergehende Lärmbelästigung ist nicht zu unterschätzen. Zudem nehmen die Geräte viel Platz ein, was dazu führt, dass die betroffenen Räume nicht mehr oder nur noch eingeschränkt nutzbar sind. Aus diesen Gründen ist eine zeitweise Mietminderung angebracht. Wie hoch diese Mietminderung ausfallen darf, ist immer vom Einzelfall abhängig. Mietrechtsexperten raten, dem Vermieter eine begründete Summe vorzuschlagen und sich auf einen Kompromiss zu einigen. Im Härtefall muss der Minderungsanspruch vor Gericht ausgefochten werden. Wer nicht weiß, wie er die Mietminderung beziffern soll, kann sich bei Mietervereinen erkundigen und für den Einzelfall einen Vorschlag machen lassen.

Stromanbieter über Schaden informieren

Die Stromkosten, die durch das Betreiben der Trocknungsgeräte anfallen, sind nicht unerheblich. Mehr als 100 Euro pro Woche sind keine Seltenheit. Diese Kosten muss natürlich auch der Schadenverursacher übernehmen. Moderne Trocknungsgeräte haben dafür einen Zwischenzähler eingebaut, der am Ende die Abrechnung für den Mieter erleichtern. Wichtig ist, den eigenen Stromanbieter über den Wasserschaden zu informieren, damit bei der nächsten Abrechnung der Mehrverbrauch nicht als neue Berechnungsgrundlage dient und die monatlichen Abschläge unverhältnismäßig erhöht werden. Einige Stromanbieter verlangen außerdem eine Bestätigung vom Vermieter, dass ein Wasserschaden vorgelegen hat.

Punktuelle Renovierung nicht zulässig

Ist alles wieder getrocknet, steht der letzte Schritt der Schadensbeseitigung an: die Renovierung. Verputzen, tapezieren, malern, Fußboden verlegen. Auch die Kosten für diese Arbeiten müssen vom Verantwortlichen übernommen werden. ebenso können zerstörte elektrische Geräte oder Möbel auf seine Rechnung ersetzt werden. Die Ausgaben dafür auf den Mieter umzulegen, ist unzulässig, denn es handelt sich nicht um Schönheitsreparaturen, schließlich wurde die Wohnung nicht in dem Zustand nach dem Wasserschaden angemietet. Bei der Renovierung ist es auch nicht zulässig, den Schaden punktuell auszubessern. Vielmehr muss am Ende wieder ein einheitliches Gesamtbild entstehen, ohne dass man beispielsweise farbliche Unterschiede erkennen kann. 

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2017, 00:10 Uhr